1942 - 1945 - russischer Zwangsarbeiter und Maler in Oberkochen

Adolf Medvedckij war einer von ungezählten russischen Zwangsarbeitern in Oberkochen, 1942 – 1945, die in einer der Zwangsarbeiter-Baracken der Firma Bäuerle im Kapellenweg untergebracht waren. Die Firma Bäuerle wurde damals von den Geschwistern Albert und Otto Bäuerle geleitet. Albert Bäuerle, späterer Ehrenbürger von Oberkochen, ermöglichte es Adolf Medvedckij, nachdem er seine Fähigkeiten erkannt hatte, in einem eigens hierfür in der „Oberen Mühle“ eingerichteten Atelier, durch Reduktion der Arbeit, seiner Begabung nachzugehen. So entstanden zahlreiche Bilder, die sich teilweise bis heute in Oberkochener Privatbesitz befinden.

"Schwarzmeerlandschaft" von Maler Adolf Medvedckij

Bereits 1998 hatte der Vorsitzende des Heimatvereins von Maler Adolf Medvedckij erfahren und darüber in den BuG-Barackenberichten 316 vom 17.04.1998 und namentlich Bericht 317 vom 30.04.1998 berichtet.

Mitte April 2007 erhielt der Vorsitzende des Heimatvereins Oberkochen einen an die Stadt gerichteten Brief des ukrainischen Wissenschaftlers, Schriftstellers und Funktionärs der Heimatstadt des russischen Malers Medvedckij (1913 – 2006), Alexander Slonevskij, in welchem dieser mitteilt, dass er für die Heimatstadt des Malers M., Dneprodsershinsk, die Geschichte des in der Ukraine inzwischen berühmt gewordenen Malers Adolf Medvedckij anlässlich einer geplanten Gedächtnisausstellung aufarbeitet und um Mithilfe für die Zeit von 1942 bis 1945 bittet.

In den Amtsblatt-Berichten „Bürger und Gemeinde“ vom 04.05.2007, 11.05.2007, 25.05.2007 und vom 01.06.2007 haben wir ausführlich über alles, was bislang zu Maler Adolf Medvedckij herauszufinden war, berichtet.
Eines der 13 aufgespürten Bilder wurde von den Besitzern gestiftet. Darüber berichtet der folgende Brief des Vorsitzenden an den Wissenschaftler Slonevskij.

09.06.2007

Guten Morgen, sehr geehrter Herr Slonevskij.

Gestern Nachmittag haben meine Frau und ich nun das Bild, das ich schon 1998 „Schwarzmeerlandschaft“ benannt habe, zwischen 2 Sperrholzplatten gut verpackt, und abends zur Post gebracht. Das Ehepaar Erwin und Anna Müller stellte dem Heimatverein das Gemälde als Geschenk zur Verfügung, mit der Maßgabe, dass wir es, falls Interesse besteht, an die noch lebende 86-jährige Frau Medvedckaja, die Witwe des Malers geben sollen. – Andernfalls schenke Frau Müller es dem Heimatverein Oberkochen.

In Ihrem Schreiben 3, das am 04.06.07. hier eintraf, sagen Sie, dass Frau Medvedckaja sich sehr über das Bild freuen würde – so leiten wir es gerne an Sie weiter, mit der Bitte, es an Frau Medvedckaja auszuhändigen. Wir können uns sehr wohl vorstellen, dass dieses Bild, das deren Mann, der damals noch unbekannte Maler Adolf Medvedckij, vor ca. 65 Jahren in schwerster Zeit als Zwangsarbeiter hier in Oberkochen gemalt hat, ganze Welten vergangener Zeiten öffnet.

Wir sehen in dem Bildgeschenk ein winziges unpolitisches Bindeglied zwischen zwei einst verfeindeten Staaten, das mehr Wert hat, als manches Wort, das dieser Tage auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm gesprochen wurde - ganz einfach, weil die Idee sozusagen „von unten von der Basis her“, ohne Vorgaben von oben herab, gewachsen ist und verwirklicht wurde.

Unsere guten Wünsche an die Witwe des inzwischen berühmten Malers begleiten das Bild. Frau Anna Müller ist, wie Sie wissen, die Enkelin der Hebamme Frau Holz (die Einheimischen des damaligen Dorfs Oberkochen nannten diese „Hefatl“. Person und Name der Hebamme sind vielen alten Oberkochenern noch ein Begriff. Hebamme Holz hat zumindest eine Entbindung in der Russenbaracke durchgeführt und hat auch in den Wochen danach „nach dem Rechten“ geschaut. Das ist mit Sicherheit der Grund, weshalb das Bild in die Familie Holz/Müller gekommen ist.

Unser aller Dank gilt dem Ehepaar Erwin und Anna Müller für die großherzige Stiftung. Nun hoffen wir, dass das Bild gut bei Ihnen ankommt. Verpackung und Transportkosten (ca. 50,-- Euro) übernimmt der Heimatverein Oberkochen.

Mit herzlichen Grüßen, Dietrich Bantel
Vorsitzender Heimatverein Oberkochen

 
Übersicht

[Home]