Mariengrotte unterm Rodstein

Größere Ausbuchtung am oberen Rodstein im Visier vom Heimatforscher Dietrich Bantel

Unter dem Rodstein tut sich eine Höhle auf, die wohl noch nicht erforscht ist. Dies hatte Dr. Michel le Maire im Technischen Ausschuss des Gemeinderats angesprochen. Im Gespräch mit Heimatforscher Dietrich Bantel wurden jetzt Details bekannt.

Unter dem Rodstein ist eine Art Lourdes-Grotte entstanden. Eugen Weber hat vor einigen Jahren hier eine Marienfigur aufgestellt. (Foto: ls)

Bereits im Heimatbuch aus dem Jahre 1988 sei über eine kleine Höhle im oberen Rodstein berichtet worden, betont Bantel. Aus höhlenkundlicher Sicht handle es sich dabei um ein so genanntes „Apri“, was die Fachbezeichnung für eine Grotte sei. Von einer Höhle, sagt Dietrich Bantel, könne man nur bei einer Ausbuchtung ab einer Länge von über fünf Metern sprechen. Die von le Maire angesprochene Höhle sei also bislang keine Höhle. Solche Ausbuchtungen werden in der Fachsprache als „Apri“ bezeichnet.

 

Bislang keine Hinweise auf einen steinzeitlichen Wohnsitz

Nach der Sachlage des Landesamts für Denkmalschutz könne grundsätzlich jeder Apri als steinzeitlicher Wohnsitz gedient haben – also auch das „Rodstein-Apri“. Jedoch seien bislang – im Gegensatz zur Höhle am Griebigen Stein und zur Schmiedesteinhöhle – keine Hinweise wie zum Beispiel Scherben gefunden worden, die auf einen sporadisch genutzten steinzeitlichen oder auch mittelalterlichen Wohnplatz hinwiesen. Dennoch könne eine zumindest historisch-kultische Nutzung der Apri-Grotte im Oberen Rodstein oder auch eine sporadische Nutzung als steinzeitlicher Wohnsitz nicht ausgeschlossen werden. „Dagegen spricht eigentlich nur, dass der Platz weit von einer Wasserstelle entfernt ist“, überlegt Bantel weiter.

Obwohl eine weitere Untersuchung mehr Licht ins Dunkel bringen könnte? Nach Einschätzung Bantels werde eine archäologische Untersuchung in absehbarer Zeit wohl nicht stattfinden, da es „weder Anlass noch Notwendigkeit noch Geld gibt“. Davon abgesehen, so Bantel, sei die Geschichte der Rodstein-Apri wohl am besten in der Erde konserviert, wie man auch aus den Erfahrungen mit dem „Römerkeller“ wisse.

Ohnehin fehlten seit vielen Jahren schon die Finanzmittel für so genannte Lustgrabungen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Forschungsmöglichkeiten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter verbessern, um mit möglichst schonenden Methoden Einblick in bislang unbekannte Bodenschätze zu nehmen. „Denn es kann durchaus sein, dass unsere Gemarkung noch viele archäologische und auch speläologische Besonderheiten bereit hält“, meint der Heimatforscher.

 

Marienfigur im Rodstein

Vor gut fünf Jahren hat der Oberkochener Bürger Eugen Weber mit Einverständnis des Vorsitzenden der Realgenossenschaft Oberkochen Bruno Balle und durch Bantels Vermittlung auch der Duldung der Naturschutzbehörde beim Landratsamt Ostalbkreis in dem Rodstein-Apri eine Marienfigur aufgestellt, so dass eine Art „Lourdes-Grotte“ entstanden ist. Der Rodstein in Oberkochen wird von alters her immer am 14. September jeden Jahres nach dem Fest der Kreuzerhöhung von Pilgern zum Gipfelkreuz bewandert. Bemerkenswert ist, dass in weit mehr als hundert Jahren am Rodstein nunmehr auch nach und nach die ganze Heilige Familie mit Christus-Kreuz, Josefskapelle und Mariengrotte zu Hause ist.

Lothar Schell, Schwäbische Post

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