Aus der „Schwäbischen Post“ vom 30. Oktober 2007

FEUERKATASTROPHE: Die frühere Oberkochenerin Heidi Pröhl berichtet aus Kalifornien - „Rauch wie Nebel“

„Wie eine grausame Hölle“

Vor 55 Jahren hat Heidi Pröhl Oberkochen in Richtung USA verlassen. Heute lebt sie mit ihrer Mutter in der kalifornischen Kleinstadt Diamond Bar. Was sie während der Feuerkatastrophe erlebt hat, hat sie Oberkochens Heimatvereinsvorsitzendem Dietrich Bantel ausführlich per E-Mail geschildert.

„Weit weg“ scheint die Feuersbrunst, als Heidi Pröhl am 23. Oktober nach Pala fährt, wo sie ein Zimmer reserviert hat. Doch zwischen den Orten Pauma und Pala ist bereits wieder ein neues Feuer ausgebrochen - das Hotel ist ganz von Rauch umgeben. „Wie Nebel“ schreibt Pröhl. Im Hotel sind lauter Feuerwehrmänner und -frauen untergebracht, „schwarz vom Ruß“. Nach 48stündigem Dauereinsatz sind die Männer und Frauen völlig erschöpft. Pröhl erfährt im Gespräch, dass viele nicht einmal eine Maske oder einen Helm haben, „nicht mal ein Tuch über dem Mund“. „Man gewöhnt sich daran“, wiegeln die Feuerwehrleute ab. „Und unsere Regierung beantragt nochmal 46 Billionen für den mörderischen Krieg“, den man mit seinen Steuern unterstützen müsse, schimpft Pröhl.

Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht. „Vom Klopapier bis zur Medizin muss alles bestellt werden“, schildert Heidi Pröhl. Überall sind Buden vom Roten Kreuz aufgestellt, wo man spenden kann. Kleine Kinder bringen Ihre „piggy banks“ ihre Sparschweine mit. „Manche Leute haben gar keine Brandversicherung“, schreibt Pröhl. In Malibu, wo die „Superreichen“ wohnen, sind nur sechs Häuser verbrannt, in Lake Arrowhead über 300, im San Diego County über 800. Die Gegend in den Bergen sei zu hoch und windig, begründen das die Verantwortlichen. Heidi Pröhl findet das „schandhaft“: „Flugzeuge und Helikopter waren nur bei Malibu und Clarita eingesetzt.“

„Wie eine grausame Hölle“ wütet das Feuer in den Bergen. Im Fernsehen werden Bewohner interviewt. „Viele dachten, Ihr Haus wird beschützt“, erzählt Pröhl, „aber es war total verbrannt“. „Ein Mann hatte vier Jahre jedes Wochenende an seinem Haus gearbeitet - nun war nichts mehr übrig“. „Wenn wir 20 Häuser retten, werden zehn andere zerstört“, schildern Feuerwehrleute im TV.

Brandstifter erschweren der Feuerwehr die Arbeit. Ein Motorradfahrer soll zwei Feuer gelegt haben. 150.000 Dollar Belohnung sind auf ihn ausgesetzt.

Eine halbe Million Menschen sind in Behelfsunterkünften untergebracht. Am 26. Oktober dürfen die ersten heim. Jene, deren Haus noch steht, erhalten eine „gelbe Karte“. In Informationscentern liegen entsprechende Listen aus. Als auch das Hotel in Pala evakuiert werden muss, fährt Heidi Pröhl zurück. Die Straße Ist glücklicherweise nicht gesperrt. Zu Hause erwarten sie Rauchgeruch und sehr feiner Staub - aber kein Feuer. „Man soll in der Wohnung bleiben und auch nicht staubsaugen, weil das auch in die Lungen geht.“

 
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