Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 733
 

Meilensteine Teil 2a – Die 60er Jahre

 

Intro. 

Die 60er Jahre sind mir gut in Erinnerung geblieben. War es doch unsere Zeit, wie man sagt. Die Zeit unserer Generation. Die Zeit, in der wir von der Kindheit in die Jugendzeit wuchsen. An bemerkenswerten Ereignissen sind mir die nachfolgend aufgeführten am stärksten haftengeblieben: 

 

The Beatles – eine unglaubliche Geschichte – bis heute (Internet)

 

1964 The Beatles schafften mit „I wanna hold your hand“ ihren ersten Nummer-1-Hit in Deutschland und konnten jetzt nicht mehr ignoriert werden. Die Eltern sprachen von Neger-Musik (das war aber doch „Humba Humba Humba Täterä“ von Ernst Neger 😊) und konnten uns nicht verstehen. Im Radio hörten wir Bayern 3 und Radio Luxemburg und im TV schauten wir den „Beatclub“ und den „Musikladen“. Auch im Kino waren die „Fab 4“ zu sehen und ich pilgerte bzw. trampte immer mit Friedemann Blum nach Heidenheim ins dortige Kino, um sie in ihren Nonsens-Filmen zu erleben. Wer kennt aber noch den Vorgänger von Ringo Star? Das war Pete Best. Und nicht zu vergessen, den früh verstorbenen Stuart Sutcliffe. 

1967 Biafra-Kinder: Der Biafra-Krieg, zwischen 1967 und 1970, brachte das Elend der betroffenen Kinder in Nigeria auf die TV-Bildschirme. Die Deutschen wurden etwas in ihrer Gemütlichkeit wachgerüttelt und es wurde an ihre Spendenbereitschaft appelliert.

1967/1968 Sexuelle Aufklärung: Zuhause war das Männersache, wenn in der Familie Jungs waren, aber bis die überlegten – „wie sage ich’s meinem Kinde“ – haben wir das schon in der Schule von den Bienen gelernt 😊. Dr. Sommer von der BRAVO übernahm diese Aufgabe. Bevor die Schule sich auf diesem schmalen Grat bewegte, gab es die entsprechenden Filme schon im Kino. Der Aufklärungsfilm „Helga“, der „Schulmädchen-Report“ und Oswald Kolles „Wunder der Liebe“ sorgten für das nötige Rüstzeug. Wie zu erfahren war, gingen die Lehrer ins Oberkochner Kino, um sich mit dem Thema zu beschäftigen, man musste schließlich auf dem gleichen Level wie die SchülerInnen sein.

1968 Die Hongkong-Grippe: Sie forderte zwischen 1968 und 1970 in Deutschland 30.000 und weltweit ca. 1 Million Tote.

1969 „School’s out for Summer“ und „Summer of 69“: Um es mit Alice Cooper und Bryan Adams zu sagen – die Schule war zu Ende, die letzten Sommerferien genießen, keine Ferienarbeit in diesem Jahr und ab 1. September ging es in die Erwachsenenwelt beim Leitz – zwar auch wieder Lernen und Schule – aber anders und erfolgreicher.

1969 Die Concorde erhob sich in die Lüfte: Am 2. März erfolgte der Erstflug des Prototyps 001 vom Flughafen Toulouse. Der letzte Flug einer Concorde fand am 26. November 2003 statt und damit ging eine technologisch interessante, aber wirtschaftlich desaströse Zeit zu Ende. 16 Maschinen wurden in Serie gebaut – je 8 für die Air France und die British Aircraft Corporation BAC. Ich selbst habe immer eine Maschine auf dem Flughafen in Bahrain stehen sehen, als ich auf meinem Weg nach Bangkok einen Zwischenstopp bei den Arabern einlegen musste.

1969 Brian Jones ist gestorben: Der Leadgitarrist der Rolling Stones, der schon seit 1967 nicht mehr mit auf Tour ging, starb in seinem Pool und wurde dadurch Mitglied im „Club der 27“ (Rockmusiker, die im Alter von 27 starben). Bis heute sind das neben Brian u.a.: Jimi Hendrix 1970, Janis Joplin 1970, Jim Morrison 1971 Kurt Cobain 1194 und Amy Winehouse 2011).  

Bis 1975: Und nicht zu vergessen – der Vietnamkrieg. Jeden Tag haben wir das in den Nachrichten gesehen und Orte wie Da Nang, Hanoi, Hué, Tonkin, Halong, My Lai, Saigon haben sich tief ins Gedächtnis eingegraben. Das war schon ein bedauernswertes Volk, das lange Zeit nur den Krieg kannte. Erst die Besetzung durch Frankreich und Japan während der II. Weltkrieges, dann der Indo-China-Krieg und anschließend die Amerikaner sowie die Chinesen. 

 

1960 im Jahr der Ratte – Berber-Kalender 2910

 

Welt. 

Über der Sowjetunion wurde ein US-Aufklärungsflugzeug, Typ Lockheed U-2, abgeschossen und der Pilot Francis Gary Powell gefangengenommen. In einem langwierigen Prozess zwischen den Russen und den Amerikanern erfolgte 1962 ein Austausch – Pilot Powers gegen den Spion Rudolf Abel. Dieses Jahr gilt auch als das Afrikanisches Jahr, weil 17 Staaten in Afrika unabhängig wurden. Zu erwähnen ist noch die Entführung von Adolf Eichmann in Argentinien durch den israelischen Geheimdienst Mossad unter entscheidender Mitwirkung des verhassten Frankfurter Staatsanwalts Fritz Bauer, der sich dem Zeitgeist widersetzte und die Nazi-Verfolgung aufrecht hielt. Sein berühmter Spruch lautete: „Wenn ich mein Büro verlasse, betrete ich Feindes Land.“ Dieses Jahr sah auch die Olympischen Sommerspiele in Rom, bei denen der Stern von Cassius Clay mit dem Gewinn der Goldmedaille aufging. John Fitzgerald Kennedy gewann die Wahl in den USA. Der Film „La dolce Vita“ mit „Anita Ekberg“ wurde in Cannes ausgezeichnet. Bei den Winterspielen ging der Stern des „Lang laufenden und weit springenden“ Briefträgers Georg Thoma auf – er wurde zum „Gold-Jörgl“.

 

Deutschland. 

Im März beschloss der Bundestag die Privatisierung des VW-Konzerns und löste damit vermutlich den Wirtschaftsanschub des Jahrhunderts aus. Der Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals begann. Willy Brandt wurde der Kanzlerkandidat für die Wahlen im kommenden Jahr. Michael Ende veröffentlichte sein Buch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Und leider wieder ein Flugzeugabsturz mitten in der Stadt München, dieses Mal ein Flieger der US-Airforce, der 52 Tote forderte. Max Bolkart gewann als erster Deutscher die Vierschanzen-Tournee und Armin Hary erlief in Zürich den Weltrekord mit 10,0 Sek über 100 Meter. Deutscher Fußballmeister wurde der Hamburger SV mit 3:2 im Endspiel gegen den 1. FC Köln und in der Hitparade lagen Jan und Kjeld mit „Banjo Boy“ ganz vorn.

 

Oberkochen. 

1) Der Fabrikant und Ehrenbürger Josef Anton Schmid starb im Alter von 73 Jahren 2) Bei uns gab es noch über 140 Bienenvölker und mehr als 8.000 Obstbäume 3) Damals war es üblich, nicht nur zum 1. Mai, sondern auch zu Fasching, „Zeitungsenten“ frei zulassen. Wir lesen da, dass Oberkochen eine Straßenbahn bekommen sollte. Das wär’s gewesen. 4) Das neue Progymnasium nimmt Fahrt auf – im Mai wird der Grundstein gelegt. 5) Otto Hassinger wurde zur Ehrenwache des verstorbenen Adolf Kolping in den Kölner Dom berufen. 6) Im Zeiss-Jugendwohnheim tagten 80 Bürgermeister aus ganz Baden-Württemberg 7) Bei Carl Zeiss gab es damals auch einen Chor, der in der Turnhalle seinen ersten Auftritt hatte. 8) Der FCO begann seine beste Zeit in den 60ern und wurde Meister der B-Klasse und gleich anschließend Herbstmeister in der A-Staffel. 9) Die TVO-Fußballer feierten ihr 30jähriges Bestehen. 10) Unglaublich aber wahr – im gesamten Kreis Aalen gab es lediglich 67 Arbeitslose. 11) Die amerikanische Armee gab unseren Hausberg nach 15jährigen Besetzung wieder für die Allgemeinheit frei. 12) Der Gemeinderat entschied den Bau einer Schwimmhalle. 13) In der Gemeinde gab es ca. 300 Telefonanschlüsse. Mit der neuen Fernmelde-Technologie wurde eine Kapazität bis zu 1.000 Anschlüsse geschaffen. 14) Wir bekamen einen Wochenmarkt. 15) Königsbronner und Oberkochner feierten das 10jährige Bestehen der Segelfliegergruppe.

 

Meine kleine Welt 

blieb weiterhin klein. Ich bin in die 2. Klasse gekommen. Klassenlehrerin war immer noch Eva-Maria Erben.

 

1961 im Jahr des Büffels – Burmesischer Kalender 1323

 

Welt. 

Der erste Mensch wurde in den Weltraum geschossen – Der Russe Juri Gagarin. Das entfachte nun den Ehrgeiz der Amerikaner und sie schickten Alan Shepard ins All. In Jerusalem begann der Eichmann-Prozess.

 

Deutschland. 

Die erste Antibabypille kam auf den Markt und Ulbricht verkündete: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“. Was gilt schon ein Politikerwort. Am 13. August war es dann soweit. Die Mauer, die 28 Jahre Bestand haben sollte, wurde ruckzuck hochgezogen. Die Panzer standen sich am Checkpoint Charlie gegenüber und die Welt stand ein paar Tage still. Der Rennfahrer Graf Berghe von Trips verunglückte in Monza tödlich. Die DFB-Meisterschale ging an die Clubberer aus Nürnberg, die Borussia Dortmund mit 3:0 bezwangen. Das Jahr von Nana Mouskouri und ihren „Weißen Rosen aus Athen“.

 

Oberkochen. 

1) Die US-Boys sind abgezogen und somit konnten wir unseren Turm instandsetzen und anschließend feierlich neu einweihen. 2) Der TVO war mit 678 Mitgliedern der größte örtliche Verein und beschloss den Bau eines neuen Vereinsheims. 3) Der Eisenbahn-Amateur-Club feierte sein 10jähriges Bestehen. Es wurde in dieser Zeit verdammt viel erreicht. 4) Der FCO machte sein Bravourstück und stieg in die II. Amateurliga auf und machte dort rasch von sich reden. 5)  Erich Last hielt im Jugendwohnheim einen Dia-Vortrag mit dem Titel: „Von Oberkochen mit dem Fahrrad nach Indien“. 6) Radio-Fritscher modernisierte sein Geschäft grundlegend. 7) Das katholische Werkvolk, namentlich Richard Stumpf, hatte alle örtlichen italienischen Gastarbeiter zu einer ersten Versammlung in die „Grube“ eingeladen. 8) Mit einem Landessportfest und 300 Athleten wurde das neue Stadion eingeweiht und eröffnet (Früher wurde immer alles geweiht, was neu war). 9) Max Rabis, frisch aus der SBZ geflohen, versuchte eine Puppen- und Laienspielgruppe aufzubauen. 10) BM Bosch hatte genug von Kisten, Eimern und Schachteln und ging engagiert das Projekt „Bessere Müllabfuhr“ an. Vorher – einfach alles an die Straße gestellt und die Männer haben es auf einen Lastwagen geladen. Jetzt – Mülleimer und ein modernes Entsorgungsfahrzeug. Was dem Bosch immer missfallen hat – dörfliche schmutzige Straßen und Gehwege. Das musste geändert werden, wir waren schließlich ein industrielles Bauerndorf mit Drang nach vorne 😊.

 

Die alte Mühlabfuhr – ein Dorn im Auge des Bürgermeisters (Archiv Rathaus)

 

Die neue Müllabfuhr – ein Fortschritt nach dem Wunsch des Bürgermeisters (Archiv Rathaus)

 

Meine kleine Welt. 

Der 13te August. Ich verbrachte die Sommerferien bei meiner Tante Hedi und Cousine Helga in Fulda. Im Fernsehen sahen wir gebannt wie in Berlin die Mauer hochgezogen wurde und die US-Panzer am Checkpoint-Charly mit Karacho in Stellung gehen. Ich spürte wie die Erwachsenen, noch nicht so lange dem letzten Krieg entkommen, Angst hatten und hörte zum ersten Mal den Begriff „Fulda-Gap“. Das war im „Kalten Krieg“ der gefährlichste Punkt in Deutschland. Hier wollte die US-Armee die Russen in einem Szenario bei einem Angriff zum Stehen bringen. Inzwischen hatten wir einen neuen Lehrer. Nach Frau Erben jetzt Herrn Gunzenhauser – aber immer noch in einer reinen Buben-Klasse.   

 

 1962 Jahr des Tigers – Byzantinischer Kalender 7470/7169

 

Welt. 

Die Kubakrise brachte die Welt an den Rand eines Atomkrieges. Die Beatles wurden von „Decca“ mit folgender Begründung abgelehnt: „Gitarrengruppen seien nicht mehr modern.“ In diesem Zusammenhang ein paar weitere fatale Fehleinschätzungen:

Tja, es gibt Irrtümer, die Millionen und Milliarden kosten. Dafür hatten die Stones ihren ersten Auftritt im Londoner Marquee-Club.

 

Deutschland. 

Eine Sturmflut brach über die Nordseeküste herein, Deiche brachen, Hamburg wurde überflutet, 555 Menschen starben in den Fluten und Helmut Schmidt wurde durch sein energisches Handeln bekannt. Der Mindesturlaub wurde auf 15 Tage festgesetzt. Der 1. FC Köln bezwang den 1. FC Nürnberg im Endspiel um die Fußballkrone mit 4:0. Fußballweltmeister in Chile wurde Brasilien, das mit 3:1 gegen die Tschechoslowakei erfolgreich war. Gerhard Wendland eroberte die Hitparade mit „Ich tanze mit dir in den Morgen“. Der Film „Der Schatz im Silbersee“ wurde in Stuttgart uraufgeführt. 

 

Volkmar Schrenk – der „Chef“ des PGO am Tierstein (Archiv Rathaus)

 

Die neue Ski-Abfahrtsstrecke im „Kessel“ (Archiv Rathaus)

 

Oberkochen. 

1) Volkmar Schrenk wurde Studiendirektor. Mit dem Vornamen muss man ja am Fuße des „Volkmar“sberges erfolgreich sein. 2) Auf der Abfahrtsstrecke vom Berg bis in den Kessel stürzten sich 110 Teilnehmer die Schlucht hinab. Die Rennläufer trumpften groß auf: Manfred Maier, Dirk Helias, Franz Schilling und Hans Meschenmoser belegten die Plätze 2 bis 5. Bei den Mädchen gewannen Renate Sussmann sowie Renate Meyer und bei den Jungen wurden Paul Grupp und Klaus Dinckelacker jeweils 2ter. 3) Der Bahnschlitten, von Pferden gezogen, räumte zum letzten Mal den Schnee 4) Das Progymnasium entließ seinen ersten Jahrgang. Leider existiert von dieser Klasse im Rathaus-Archiv kein Bild. 5) Das Frühlingsfest, mit dem Festveranstalter Grund aus Essingen, fand auf dem noch unbebauten Eugen-Bolz-Platz statt. 6) Vier junge Oberkochner gewannen bei einem Quiz eine 7-tägige Berlinreise: Hilde Wingert, Elfriede Wunderle, Wolfgang Wagner und Hariolf Böhner. 7) WIGO organisierte, wie jedes Jahr, mit seinen 500 Mitarbeitern einen Tagesausflug. Sage und schreibe machten sich 10 Omnibusse von Oberkochen aus auf den Weg an den Bodensee, um bei Kultur und Kaffee und einer abendlichen Tanzveranstaltung einen schönen Tag gemeinsam zu verbringen. 8) Textilsendungen in die SBZ müssen vor dem Versand am Rathaus desinfiziert werden – wahrscheinlich von kapitalistischen Viren und rechten Bazillen 😊 9) Das bäuerliche Anwesen des Xaver Weber in der Aalener Straße 24 wurde am 4. September durch einen Blitzschlag in Brand gesetzt und eingeäschert. Augenzeuge Alois Bernlöhr war gerade auf dem Weg zur Bäckerei Geisinger. 

 

Brand durch Blitzeinschlag im bäuerlichen Anwesen Weber in der Aalener Straße (Archiv Müller)

 

10)  Heinrich Harrer, Bergsteiger und Schriftsteller, hielt im überfüllten Jugendwohnheim in der Jenaer Straße einen Vortrag mit dem Titel „Sieben Jahre in Tibet“. Vor ein paar Jahren wurden diese Erlebnisse in Tibet und am Hof des Dalai Lama mit Brad Pitt verfilmt. 11) Der Presse von damals entnehmen wir, dass es wohl ein besonderes vom Gemeinderat angedachtes Vergnügen war, von der Skipiste ins neu eröffnete Hallenbad zu wechseln. Das erscheint mir aus heutiger Sicht mehr Wunsch als Realität gewesen zu sein. 12) Es wurde im Gemeinderat ernsthaft ein Bebauungsgebiet „Rodstein-Platau“ diskutiert. Wäre das gekommen, Oberkochen sehe heute völlig anders aus. Auch ein angedachter Zusammenschluss mit Ebnat stand mal kurz in der „Kreativ-Gedanken-Küche“. Das hatte aber keine Chance auf Umsetzung. 13) Das größte Bauprojekt, das die Gemeinde bis dahin gestemmt hatte, war fertiggestellt – das Progymnasium mit Sporthalle und Schwimmbad 

 

Die neue Schutzhütte des Albvereins auf dem Volkmarsberg (Archiv Rathaus)

 

14) Im Oktober wurde die neue Schutzhütte auf dem Volkmarsberg eingeweiht. 15) Beim jährlichen Martinsumzug nahmen über 1.000 Kinder teil – die Baby-Boomer waren losgelassen. 16) Am 1. Dezember fand die erste Schwimmsportveranstaltung im neuen Bad statt. 17) Am „Tag der offenen Tür“ bei Carl Zeiss umlagerten die 1.600 Besucher überwiegend das Planetarium und die großen Fernrohre. Zeiss wollte Oberkochen einst ein Planetarium spendieren, aber die Bebauung des Wolfersttales war damals schon und ist heute auch Sperrgebiet für jegliche Bebauung. (Wirklich? Hoffentlich! Es wurde inzwischen Anderes beschlossen!) Und so ging das Geschenk nach Stuttgart. 18) Im Festsaal der Dreißentalschule fand ein beachtenswerter Vortrag des Dr. Umbach aus Ulm statt: „Die Gemahlin – die Visitenkarte des Herrn“. Damit waren sicher nicht die gschaffigen und emsigen Ehefrauen der Bauern und Arbeiter gemeint. 19) Heinz Fröhlich vom Dreißental wurde zum Leichenschauer bestellt. 

 

Meine kleine Welt. 

Alles ging seinen geordneten Gang. Gespielt wurde auf der Straße mit den Kindern, die im hinteren Bereich Sonnenbergstraße wohnten: Schröders, Bauers, Müllers, Hubers und Vaters. Entweder Fange, Räuber und Gendarm, Cowboy und Indianer, Doktorles und Vatterles, Fußball – sehr zum Ärger des alten Eugen Floß und Seilspringen sowie Hopfe. Bei schlechtem Wetter spielten wir drinnen Monopoly, mit Lego oder Stadt, Land, Fluss. Niemand hatte groß nach uns geschaut. Um 18 Uhr abends hatten wir einfach zuhause zu sein. In diesem Jahr bekamen wir auch unseren ersten Fernseher mit einer, heute unvorstellbaren, mageren Programmvielfalt. Wer sich für Sport interessierte kam natürlich nicht an Heinz Maegerlein vorbei. Unvergessen seine beiden Kommentare beim Skifahren: „Tausende standen an den Hängen und Pisten“ und beim Schwimmen: „Die Damen wickelten ihre 100 Meter Brust ab.“ Zusammen mit seiner Show „Hätten Sie’s gewusst“ war er viele Jahre im Fernsehen omnipräsent.  In diesem Jahr feierte unser Jahrgang mit Pfarrer Forster auch die Hl. Kommunion. 

 

Die Kommunionskinder im Jahr 1962 meines Jahrganges 1952

 

1963 im Jahr des Hasen – Hebräischer Kalender 5723/24

 

Welt. 

Erst erklärte John F. Kennedy den Deutschen, dass er auch ein Berliner sei, um danach in Dallas erschossen zu werden. Auch der Attentäter überlebte seine Untat nicht – großes armes Amerika. Papst Johannes XXIII starb und in England machten die Postzugräuber reiche Beute. In den Niederlanden erfand Philips den Kassettenrecorder und die Compact Cassette.

 

Deutschland. 

Konrad Adenauer (87) übergab an den Jungspund Ludwig Erhard (66). Letztmalig fand ein Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft statt. In Lengede kam es zu einem Grubenunglück mit anschließender wundersamer Rettung der eingeschlossenen Bergleute. Im Bodensee und im Zürichsee gab es die seltene „Seegfrörni – beide Seen waren komplett zugefroren. Im letzten Endspiel um die Fußballmeisterschaft siegte Borussia Dortmund mit 3:1 gegen den 1. FC Köln. Anschließend nahm die Bundesliga Fahrt auf. Das ZDF ging auf Sendung und von Platz 1 der Charts grüßte Manuela mit „Schuld war nur der Bossa Nova“ und es fand die Geburtsstunde einer Kultsendung statt: „Dinner for one“. Die Aufzeichnung fand in Hamburg statt und in England kennt die Sendung „koi Sau“.

Oberkochen. 

1) Für den FCO ging es weiter aufwärts. 2) Und wieder gab es bei tollen Schneeverhältnissen spannende Riesentorlauf-Rennen auf der neuen Abfahrtsstrecke (1000 Mtr. lang bei einer Höhendifferenz von 200 Mtr.). Erwähnenswerte Ergebnisse aus Oberkochner Sicht lieferten die üblichen Verdächtigen: Gerhard Bopp, Helga Brachmann, Frank Dietzsch, Klaus Dinckelacker, Christian Farys, Jörg Hommel, Roland Jakob, Jürgen Koch, Eberhard Kolb, Manfred Kolb, Horst Maier, Jochen Mann, Manfred Muckenhaupt, Herbert Riepl, Eberhard Rossow, Renate Sussmann, Franz Schilling, Egbert Schröder und Gisela Widmann. Der Unterkochner und spätere Oberkochner Schüler und Lehrer Götz Hopfensitz tauchte erstmals auf den Ergebnislisten im „Kessel“ auf. 3) Der Gemeinderat beschloss den Bau der Tiersteinschule. 4)  Wieder finden wir eine Faschings-Ente in der Schwäpo: Jetzt sollten wir, anstelle der Straßenbahn, eine Panorama-Seilbahn bekommen. Der geplante Streckenverlauf sollte vom alten Rathaus über den Rodstein zum Kocherursprung, dann auf den Volkmarsberg und zurück bis zum neuen Rathaus führen. Zurück zum Ausgangspunkt war ein Tunnel vorgesehen. Wie sollte Helmut Schmidt später mal sagen: Wer Visionen hat, sollte dringend einen Arzt aufsuchen 😊. In diesem Sinne – Schlagg Hoi. In der heutigen Zeit wurde das Thema von den „Grünen“ wieder aufgegriffen. Da sage ich nur: „Schilda“ lässt grüßen. 5) Der strenge Winter hatte die Gemeinde 20.186 DM gekostet. Der BM merkte dazu an: „Wer Klein-Oberstdorf sein wolle, müsse halt auch für den Winter tiefer in die Tasche greifen“. 6) Der TVO kürte sich als drittgrößter Verein im Sportkreis, da musste der FCO natürlich umgehend darauf hinweisen, dass er der siebtgrößte im Kreis sei. Wettbewerb, wohin man schaute. 7) Im Juni feierte Gerhard Polzer seine Primiz. 8) Am alten Rathaus wurde eine Polizeinotrufstelle installiert. 9) Der Boxclub nahm am Länderkampf Südwest teil. 

 

Primiz-Umzug von Gerhard Polzer in der „Hauptstraße“ vor dem „altem Rathaus, Storchenbäck und Lamm“ (Archiv Rathaus)

 

Die neue Notrufsäule am alten Rathaus (Archiv Rathaus)

 

Die Boxer Metrevelly, Schnell und Speth (Archiv Rathaus)

 

Meine kleine Welt. 

Die letzten Schulwochen in der Dreißentalschule waren angebrochen. Ich musste eine Prüfung zum Wechsel aufs neue Progymnasium, kurz „PGNull“ genannt, ablegen. Ich erinnere mich noch genau, als ich abends in der Küche stand, als im Radio die Ermordung von JFK in Dallas durchgegeben wurde. Und wieder spürte ich die Angst meiner Eltern, die letztendlich unbegründet war, aber die Elterngeneration war eben zu sehr durch den II. Weltkrieg geprägt. Viele Jahrzehnte später erfuhren wir, dass wir tatsächlich am Rande eines Atomkrieges standen.

 

 

Wilfried „Billie Wichai“ Müller, Email: wichai@t-online.de, Mobil: 0171 2217 530, Frühlingstraße 2, 73447 Oberkochen oder Postfach 1328, 73444 Oberkochen

 

 

 
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