Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 725
 

Unsere Schulen und LehrerInnen – Teil 4

 

Eine sehr liebe Mitschülerin, der ich bis heute besonders verbunden bin, Edeltraud Meroth geb. Schüler, schreibt:

Ich weiß nicht sehr viel über die damaligen Lehrer zu sagen. Die meisten empfand ich als Gegner, die mich vorführten und bloßstellten, auch wenn sie das wahrscheinlich nicht wirklich persönlich so meinten. Motiviert oder angeleitet fühlte ich mich nur durch meine Grundschullehrerin Ludmilla Bischler.

 

Klassenzimmer Dreißentalschule 1958 (Archiv Rathaus)

 

Sie war aus dem Osten nach Oberkochen gekommen und fühlte sich im Schulbetrieb in der Dreißentalschule, wie sie mir (ich glaube 1980 bei einem Besuch) erzählte, auf ziemlich einsamem Posten. Sie war diejenige, derentwegen ich überhaupt auf das Gymnasium gehen konnte. Meine Eltern waren trotz meiner Gymnasiums-Empfehlung dagegen (wegen der Kosten, zum Beispiel für die Bücher, denn Lehrmittelfreiheit gab es noch nicht), dass ich die Schule wechseln sollte. Da nahm Fräulein Bischler das Heft in die Hand und besuchte meine Eltern zu Hause. Sie hat sie dann überredet, mich aufs Gymnasium zu schicken und hat ihnen versprochen, die Bücher für mich zu bezahlen. Das hat sie dann auch gemacht. Ich glaube zwei Jahre lang, bis dann die Lehrmittelfreiheit kam. Ich habe sie dann einmal 1980 besucht, als sie krank in ihrer Wohnung im Lehrerhaus an ihr Sauerstoffgerät „gefesselt“ war, und habe mich bei ihr für ihr Engagement bedankt und meine Erinnerung mit ihr abgeglichen. Und da hat sie mir erzählt, dass es ihr immer ein besonderes Vergnügen gewesen war, Kinder, die nicht viele Chancen auf Bildung hatten, zu fördern. Das hat sie nicht nur mit Geld gemacht. Ich erinnere mich, dass ich und andere Kinder sie manchmal nach Hause begleiten durften und wir dann mit ihrem Wellensittich spielen durften – so hat sie uns „hörig“ gemacht! Ich fand sie und ihr Wohnzimmer mit lauter Büchern einfach nur toll. An den Unterricht bei ihr erinnere ich mich gerne und mit angenehmem Gefühl. Im Gegensatz zum Religionsunterricht bei Pfarrer Forster, der ein Choleriker war und mit seinem Schlüsselbund warf, wenn er sich durch irgendjemandes Schwätzen gestört fühlte. Ich musste mal vor Fronleichnam am Nachmittag für das Schwesternhaus einen Schlüssel im Pfarrhaus abholen. Als ich geklingelt hatte, dauerte es ein Weilchen, dann ging die Tür auf und ehe ich mich versah, verpasste er mir eine ordentliche Backpfeife und schrie mich an, was mir einfiele, ihn in seinem Mittagsschlaf zu stören. Im Gymnasium habe ich dann leider auch keinen Lehrer erlebt, von dem ich das Gefühl hatte, er wäre mir wohlgesonnen – selbst bei Didi Bantel wusste ich nie, ob sein Lob nicht beinhaltete, mich vorzuführen. Ich erinnere mich an eine Szene, als er ein Bild von mir vorzeigte und sinngemäß sagte „das ist ja mal ein Familienfoto“, alle lachten – ich hatte nicht nur „Vater, Mutter, Kind“ gezeichnet, sondern dazu noch 5 weitere Geschwister. Und nach meiner Erinnerung beinhalteten schulische Kommentare von Lehrern immer auch „Anzügliches“ über meine Familiensituation. So empfand ich das zumindest und fand das immer sehr ungerecht. Also habe ich „dicht gemacht“ und mich nicht für meine Lehrer interessiert und die Schulzeit ging dann auch Ende der 60er in Oberkochen zu Ende.

Wilfried ergänzt: Ich habe Edeltraud und Peter im Laufe der Jahrzehnte nie aus den Augen verloren und habe sie gelegentlich an Peter’s journalistischen Zwischenhalten besucht – in Stuttgart und München. In Hamburg hat es nie geklappt und in Berlin werden wir es noch schaffen. Ich erinnere in diesem Zusammenhang gerne an Peter’s Bericht über die Mineralwasser in Deutschland (das hat seinerzeit für Furore gesorgt), an seinen Bericht über Oberkochen, der hier nicht bei jedem gut ankam, aber doch vieles auf den Punkt traf (den ich nicht vorenthalten möchte und auf der Website des HVO hinterlegt ist) und muss sagen, ich habe es immer toll gefunden, dass der Peter Meroth aus Oberkochen und der Arno Luik aus Königsbronn für den „Stern“ arbeiteten. Nicht wenige Oberkochener SchülerInnen sind draußen in der Welt ihren Weg gegangen, ohne dass die Heimatstadt groß Notiz davon genommen hat.

 

Bericht von Peter Meroth 

 

Mein Schulfreund Christoph Stumpf erzählt über seine Zeit an der Dreißentalschule 1958 - 1967:

 

Unsere Lehrerin Eva-Maria Erben mit einer Ersten Klasse (Archiv Kosak)

 

Klassenlehrer in der 1. und 2. Klasse war Eva-Maria Erben. Sie war mit Leib und Seele Lehrerin, die sich geradezu mütterlich um ihre Kinder kümmerte. Sie war einfühlsam und gerecht, aber auch konsequent. Wenn es nötig war, konnte sie auch streng sein und durchgreifen, so dass sie uns jederzeit voll im Griff hatte. Ihr Mann, Bruno Erben, der auch Lehrer war (aber nicht in Oberkochen), hatte für uns zur Begrüßung am ersten Schultag ein wunderbares farbiges Osterhasenbild an die grüne Schultafel gemalt, von dem ich sehr beeindruckt war. Klassenlehrer in der 3. und 4. Klasse war Albrecht Gunzenhauser. Er war eine Lehrerpersönlichkeit wie sie im Buche steht. Er strahlte eine natürliche Autorität aus und schaffte trotzdem ein gutes Vertrauensverhältnis zu uns Schülern. Außerdem war er ein Schriftexperte. Er schrieb wie gestochen an die Tafel und trimmte uns vor allem im Fach „Schönschreiben“ auf ein sauberes Schriftbild. (Kleiner Einschub: Das war wohl eine geachtete Lehrerpersönlichkeit, denn schon dem späteren Schulleiter Franz Uhl sagte seine Mutter: „Franzl, bei dem musch aufpassa“.) Klassenlehrer in der 5. und 6. Klasse war Edgar Westphal. Er war ein Lehrer, der seinen Beruf geradezu mit preußischem Pflichtbewusstsein ausfüllte. Dementsprechend erzog er auch uns zu Disziplin und Ordnung. Ohne arrogant zu wirken, ließ er uns immer spüren, dass er sich selbst für den besten aller Lehrer hielt und eigentlich zu schade für die Volksschule sei. Konsequent wechselte er später ans Gymnasium in Aalen. Klassenlehrer in der 7. bis 9. Klasse war Gerfried Ullrich. Er überspielte seine eigene Unfähigkeit durch Überheblichkeit, Aggressivität und Großkotzigkeit. Wir alle spürten das, aber keiner wagte dagegen anzugehen, weil jeder wusste, dass er das zu büßen haben würde. Er war der schlechteste Lehrer, den ich in Oberkochen hatte. Unsere Fachlehrer waren für Englisch Kurt Schmieg und NN Nowotny; für Werken Rudolf Heller und Alfons Herrmann; für Religion Stefanie Batzill und Vikar Grassel sowie Vikar Helmut Waibel und Pfarrer Konrad Forster; für Musik d.h. Flöte Ludmilla Bischler und für Sport NN Wagner.

 

Abschlussklasse 1967 Jahrgang 1952 Buben (Archiv Müller)

    Von hinten links nach rechts vorn
  • Olaf Walter, Heinz Morawitz, Wolfgang Steinmaier, Christoph Stumpf, Harald Wosch, Volkmar Kessler, Rudolf Pavlat, Erhard Schmidt, Werner Streck, Werner Müller, Ralf Haas, Udo Hauser
  • Peter Morawitz, Peter Reinsperger, Wolfgang Ulrich, Friedrich Henck, Gerald Lange, Michael Heuler, Karl Cytil, Günter Maslo, Willi Motzer, Willibald Hug, Günter Bücherl, Helmut Hirrle, Dieter Kosak, Horst Wojatschke, Lehrer Ulrich
  • Gerhard Winkler, Reinhold Metzger, Uwe Lärz, Heinz Keil, Richard Milson, Dieter Kuhn, Willi Gremerath, Frieder Schrader, Karl-Heinz Pietsch

 

Abschlussklasse 1967 Jahrgang 1952 Mädchen (Archiv Müller)

    Von hinten links nach rechts vorn
  • Margita Hanisch, Ilona Graf, Thekla Winter, Christel Weintauer, Lore Widmann, Genoveva Weishäupl, Adelinde Minder, Martina Greiner, Gabi Schauder, Angelika Ziemons, Lore Vogt, Sieglinde Artmann
  • Ingeborg Rupp, Irmgard Gold, Elisabeth Czivisz, Inge Stiebritz, Stefanie Gold, Waltraud Fürst, Barbara Heselich, Lilo Fröhlich, Monika Schwarzinger, Eugenie Köhler, Frau Düver
  • Renate Rapp, Marion Kessler, Dagmar Rau, Margit Müller, Ulrike Schönwälder, Hannelore Daszenies, Annegret Strödel, Brigitte Urbanke, Edeltraut Beiswenger, Charlotte Henck

 

Mathematik – ein Fach, das einfach herausgehoben werden muss.

 

Physik ist wenn’s knallt und Chemie wenn’s stinkt. Und wenn man‘s nicht versteht ist es Mathe! Und damit es noch weniger verstehen, hat man die höhere Mathematik eingeführt. Zu Beginn ein kleiner Witz, der uns verdeutlicht, dass Mathe nicht für alles brauchbar ist.

Der Lehrer erklärt: „Wenn 10 Maurer zum Bau eines Hauses 100 Tage brauchen, dann brauchen 100 Maurer für dieselbe Arbeit nur 10 Tage.“ Ein Schüler antwortet: „Wenn 1 Schiff nach New York 5 Tage braucht, dann brauchen 5 Schiffe nur 1 Tag.“

 

Mathematik – ein Buch mit sieben Siegeln (Internet)

 

Sie ist also die hohe Kunst oder warum einfach rechnen wenn’s auch abstrakt und kompliziert geht. Mathe kann man oder eben nicht – so Volkmar Schrenk bei einer Elternsprechstunde zu meiner Mutter. So einfach kann man das aber nicht stehen lassen. Denn wenn ich bei Frau Zimmer, die für eine kurze Zeit Vertretung bei uns in Mathe hatte, länger Unterrichte gehabt hätte, wäre wohl auch eine Verbesserung in diesem Fach möglich gewesen. Einem Mitschüler von mir, dem Peter Neupert (Elvis genannt) hat sie sogar die „mathematischen Augen“ geöffnet. Was Mathe alles umfasst soll die folgende kurze Aufstellung aufzeigen:

 

Das mathematisch-musisch-künstlerische Dreigestirn (Fischer, Schrenk und Bantel) des Progymnasiums bei einem Kinderfestumzug durch die Aalener Straße (Archiv Müller)

 

Unser Direx Volkmar Schrenk gab bei uns auch Mathematik und kam immer mit großen Linealen und Geo-Dreiecken bestückt, mit mächtigem und langem Schritt, in die Klasse und nahm den Raum mit seiner Größe komplett ein. Er hatte einfach eine starke Präsenz, die das Klassenzimmer ausfüllte. Dreisatz, Mehrsatz, Algebra, Geometrie und immer mussten wir vor der Ergebnisermittlung eine Überschlagsrechnung und nach unserem Ergebnis den Satz schreiben: „W.z.b.w. – Was zu beweisen war.“ Und wer Probleme hatte oder machte, erhielt schon mal die Aufgabe, 100 Mal den Satz des Pythagoras zu schreiben – Die Summe der Flächeninhalte usw. usf. ….“ – gefolgt vom Höhensatz und vom Kathetensatz.

Otto Fischer, Mr. Dynamite. Mathe hatte bei ihm immer eine sportliche Note. Türe auf, Schüler auf – großes Einmaleins. Wer das richtige Ergebnis wusste, durfte sich setzen. Bei den letzten zu sein, die noch standen, war einfach Sch……eibenhonig. Von dieser Kunst, der optimierten Kopfrechnung, habe ich mein Leben lang profitiert. 25 x 25 = 625. Sehr Gut – Setzen. Es wundert mich heute nicht, dass es junge Leute gibt, die einen Rechner brauchen, um das Ergebnis für 3 x 7 zu ermitteln.

Auch die Mengenlehre verdient ein paar besondere Anmerkungen. Mit der Parole (von Frankreich ausgehend) „Nieder mit Euklid – Tod den Dreiecken“ wollte man ab Ende der 50er Jahre die Neue Mathematik, die ihren Ursprung in den USA hatte, durchsetzen, da sich die „Alte Mathematik“ mit folgenden Übungen (voll aus dem Leben gegriffen) ins Abseits gestellt hatte: „Jane ist 20 Jahre älter als Mary, in 10 Jahren wird Jane doppelt so alt sein wie Mary. Wie alt ist Mary?“ Wir und ganz besonders unsere Eltern wurden kurzzeitig (wie lange weiß ich nicht mehr) mit diesen Symbolen traktiert. Zur Erinnerung: 6+1=7 ist eine einfache Sache, aber nicht mehr, wenn das Ergebnis wie folgt lautet „Die Menge der Zahlen, die die Eigenschaft besitzt, genau um 1 größer zu sein als 6, enthält genau ein Element, nämlich 7“. Klingt fast so wie ein Politiker vor dem Mikrofon ☺.

 

Zusammenfassend kann man die Entwicklung des Mathe-Unterrichts mit folgenden lustigen Beispielen dokumentieren:

Hauptschule 1950: Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 DM. Die Erzeugungskosten betragen 4/5 des Erlöses. Wie hoch ist der Gewinn?

Realschule 1960: Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 DM. Die Erzeugungskosten betragen 16 DM. Berechne bitte den Gewinn!

Gymnasium 1970: Ein Bauer verkauft eine Menge Kartoffeln (K) für eine Menge Geld (G). G ist die Menge aller Elemente g, für die gilt: g ist eine Mark. In Strichmengenform müsstest du für die Menge G zwanzig Strichlein (////////////////////) machen, für jede Mark eines. Die Menge der Erzeugniskosten (E) ist um vier Strichlein (////) weniger mächtig als die Menge G. Zeichne das Bild der Menge E als Teilmenge der Menge G und gib die Lösungsmenge (L) an für die Frage: Wie mächtig ist die Gewinnmenge?

Multikulturelle Gesamtschule 1990: Ein Landwirt verkauft einen Sack Kartoffeln für DM 20,-. Seine Erzeugungskosten, einschließlich Steuern, betragen DM 25,-. Er vermietet daraufhin seinen Bauernhof an den Staat als Asylantenheim für DM 80 000 pro Jahr und da er jetzt arbeitslos ist, bezieht er im Monat noch DM 2 000 Arbeitslosengeld. Frage: Wer mistet jetzt den Stall aus?"

Freie Waldorf-Schule 1995: Male einen Sack Kartoffeln und singe ein Lied dazu.

Autonome Erlebnisschule 1995: Ein Bauer bietet auf dem Ökomarkt Biokartoffeln an. Nehme eine Kartoffel in die Hand. Wie fühlt sie sich an? Wie riecht sie? Schabe etwas Erde ab, zerreibe sie zwischen Deinen Fingern. Atme den Geruch tief ein. Schließe Deine Augen und versetze Dich in die Kartoffel. Du bist Erde. Fühle die Feuchtigkeit, die Dunkelheit ... Komme jetzt zurück und öffne die Augen.

Integrierte Gesamtschule 1999: Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 50,-. Die Erzeugerkosten betragen 40,-. Der Gewinn beträgt 10,-. Unterstreiche das Wort "Kartoffeln" und diskutiere mit deinen 15 Mitschülern aus anderen Kulturkreisen darüber. Waffen sind dabei nicht erlaubt.

Projekt- und fächerübergreifender Unterricht 1999: Kauft Euch beim Landhandel 6 Kartoffelsäcke und bringt sie zum Sportunterricht zum Sackhüpfen mit. Entstandene Löcher werden im Textilunterricht gestopft. Greift das Thema im Gemeinschaftskundeunterricht auf. Präsentiert das Ergebnis eures Projektes bei einem kalten Buffet mit Kartoffelsalat."

2005 Hauptschule (Aus DM sind nun mittlerweile EURO geworden): Ey - was geht hier ab? Voll krass - ey! Da verkauft ein Bauer nen Sack Kartoffeln. KONKRETT für 16 Euro. Is ganz einfach - weißt du - der Anbau der Kartoffeln kostet Geld - ey - KONKRETT 12 Euro. Alda - weißt du - da macht er Gewinn! KONKRETT - er hat mehr Geld in der Tasche. Wie viel ist das - ganz KONKRETT? Weißt du - Voll krass! Tu mich mal die Fanta...."

Schule 2006 (nach Überarbeitung der Rechtschreibreform): Ein agrargenetiker ferkauft ein sagg gatoffeln für 6,25 €. Die kosden bedragen 5 €. Der gewin bedregt 1,25 €. Aufgabe: margiere den term gardoffeln und maile die losung im pdf-format an dein Leerer.

Schule 2018 in Berlin: Sorrie, es gipt keine gartoffeln meer! Nur noch pom fritt bei mc donels. Es lebe der fordschridd!

Schule 2020: Endlich – Ruhe vor dem Lehrer. Habe keinen PC und kein Internet zu Haus und der Lehrer ist IT-mäßig auch nicht so toll drauf.

Abschließend noch die Sicht meines Sohnes Sascha wie er Mathe während seiner Schulzeit empfunden hat: „Zwei Goldfische wanderten durch die Wüste. Einer war rot, der andere dünn. Wieviel wiegt die Palme, wenn es regnet? Und später hatte er im Studium im Fach Wirtschaftsmathematik eine glatte „1“. Sachen gibt’s ☺.

 

Nachtrag.

2018 habe ich bei unserem Schulzeit-Treff, solidarisch mit den anderen, auch im „Vilotel“ geschlafen und was soll ich sagen, da liege ich im Bett und schaue an die Decke und werde mit einer Formel überfallen, die ich nicht mal lesen, geschweige denn nachvollziehen kann. Ob sie überhaupt stimmt? Gottseidank hatte ich in dieser Nacht keine Alpträume ☺. Das Bild aus dem Vilotel, zeigt lt. Prof. Dr. Michael Kaschke die Linsenformel in einer sehr einfachen Darstellung. Mir Schwoaba hent in oaserer Kindheit au a Lensaformel d’hoim g’lernt: Die oine wäret aussortiert ond die andere g’kocht ☺.

 

Mathe sogar vor dem Schlafengehen im Vilotel – die Linsenformel (Archiv Müller)

 

Spaß beiseite, Ernst komm her

– jetzt kommt noch der Matheunterricht aus dem 1000jährigen Reich. Dazu nur ein paar Bilder ohne einen Kommentar – da selbstredend. Diese Unterlagen stammen aus dem Essinger Museum.

 

Alle rechnen – die Hitlerjugend… (Museum Essingen)

 

… der Bund deutscher Mädels… (Museum Essingen)

 

…die Schüler….am Ende haben sich alle verrechnet (Museum Essingen)

 

Wie sollte Schule sein?

Dazu lesen wir einen Scolasso-Bericht vom Schüler Franz Schaupp der damaligen Klasse 2b (1964): „Ich wünsche mir, dass die Schule nicht vor 9 Uhr beginnt, damit von den Strapazen des vorigen Tages ausgeschlafen hat. Dann ist den Schülern auch die Zeit gegeben, Fernsehfilme anzuschauen. Sie müssten sich ja in der Schule etwas zu erzählen haben. Wenn der Lehrer kommt, sollte er uns zum Platze begleiten. Dann wäre es an der Tagesordnung, über die Filme im Fernsehen zu diskutieren. Anschließend hat der Lehrer eine Geschichte zu erzählen. Selbstverständlich müsste der Hausdiener eine Erfrischung in Form von Kaffee und belegten Broten zu bringen. Die Schüler, die einschlafen, dürfen nicht geweckt oder gestört werden. Um 11 Uhr wäre die Schule aus, damit der Lehrer Zeit hat, die Hausaufgaben der Schüler zu schreiben. Die Noten der Zeugnisse sollten über zwei sein, damit die Eltern zufrieden wären, und ich meine Ruhe hätte. Dann blieben auch den Eltern die Fragerei an die Kinder erspart. Für die Schule hätte es den Vorteil, dass man die Sprechstunden nicht halten bräuchte. Diese Schule wäre natürlich nur für solche, die später im Leben nichts können wollen. Darum ist mein Vorschlag, die bisherige Regelung beizubehalten, um das nötige Können zu erwerben, um ihm späteren Leben seine Pflicht erfüllen zu können und um seinen Mann zu stehen.“

 

Eine neue angedachte Form eines Schuldieners ließ sich leider nie umsetzen (Archiv Müller)

 

Da musste der Lehrer Rudolf Thiem natürlich umfassend antworten, zwar modern, aber mit altem Geschlechterbild: „Die Schule meiner Träume beginnt (je nach Wunsch des Lehrers) zwischen 8:30 Uhr und 10:30 Uhr, und sie mutet dem Lehrer nicht mehr als 10-12 Wochenstunden Unterricht zu. Schließlich hat doch ein jeder Mensch einen Anspruch darauf, sich so lange, wie er es will, mit dem zu beschäftigen, was ihm Spaß macht. Wenn der Lehrer kommt, wird er an der Treppe mit einem Blumenstrauß empfangen und von der Abordnung der Klasse, die ihn so begrüßt hat, zum Lehrerzimmer begleitet. Dort helfen ihm die Schüler aus dem Mantel, spannen den vielleicht gerade nötigen Regenschirm auf und tragen sogleich die Mappe und die Bücher des Lehrers in die Klasse. Nach einiger Zeit fragen sie höflich und liebenswürdig nach, ob die Unterhaltung im Lehrerzimmer unterbrochen werden könnte, weil die Schüler den unbezähmbaren Wunsch haben, endlich ihren Wissensdurst zu stillen. In die Klasse zu kommen, das ist eine helle Freude, denn alle Schüler sind heiter und froh gestimmt – die mittelalterliche Schulpflicht wurde nämlich abgeschafft, und zur Schule kommen nur Kinder, die etwas lernen wollen und sich daher mit Feuereifer aller Aufgaben entledigen, meist sogar schon, bevor sie der Lehrer gestellt hat. So energisch und nachdrücklich, wie es ihre Wohlerzogenheit nur erlaubt, erkundigen sich die Schüler gleich zu Beginn der Stunde nach den wenigen Dingen, die sie noch nicht ganz verstanden haben – gelegentlich taucht doch noch die eine oder andere Schwierigkeit auf, die Lehrer und Schüler rasch in gemeinsamem Bemühen klären. Das jeweilige Tagespensum ist schon nach wenigen Minuten erledigt, denn der Lehrplan stammt noch aus der finsteren Zeit der Schulpflicht, ohne dass sich bisher eine Behörde fand, die ihn dem Niveau der neuen Schüler entsprechend, heraufhob. Da die Schüler nicht mehr ihre Schlauheit durch Mogeln beweisen müssen, sind die Klassenarbeiten ganz abgeschafft worden. Ebenso sind wegen des rückhaltlosen Vertrauens die Elternsprechstunden weggefallen, statt deren von Zeit zu Zeit gesellige Abende stattfinden, teils im Cafe, teils als Kegelabende, teils als muntere Tanzveranstaltungen, je nach Lust und Laune der Beteiligten. Weil sich nach Beendigung der Unterrichtsminuten die Schüler standhaft weigern, in die Pause oder nach Hause zu gehen, wird rasch die Klassenmilchbar einsatzbereit gemacht und dem Lehrer wie den Mitschülern richten flinke Mädchen belegte Brote und Shakes aller Arten, für Lehrer und Schüler der Oberklassen (also ab Klasse 1) auch Cocktails für welche die Gemeindekasse bereitwillig jedes Opfer bringt. Bei dieser beraten die Schüler den Lehrer über die besten Möglichkeiten, den nächsten Stoffabschnitt zu behandeln, und nachdem der Lehrer keine Fragen mehr zu stellen hat, wird darüber abgestimmt, ob die Stunde noch doch als beendet angesehen werden kann. Der Lehrer wird, nachdem sich die Klassensprecher für seine freundlichen Bemühungen bedankt haben, zum Lehrerzimmer zurückbegleitet, sofern er nicht den Wunsch äußert, dass ihn einer der älteren Schüler nach Hause fährt – zu Fuß kommen allenfalls noch einige Lehrer zur Schule. Der Nachmittag und Abend steht dem Lehrer ganz zur persönlichen Verfügung, falls ihn nicht einige besonders eifrige Schüler für den Nachmittag eingeladen haben zur Erörterung einiger besonders interessanter Gesichtspunkte im Bereich des jeweiligen Stoffabschnittes oder aber freiwillig von dem Schüler gewählten Nebenbeschäftigung. Gelegentlich nehmen die Schüler den Lehrer auch mit ins Theater, oder sie führen ihn zur Stützung seines Kreislaufs in ihre Twist-Kreise ein oder machen ihn mit anderen neuen Höhepunkten der Kultur bekannt. Zufrieden kehrt der Lehrer dann nach Hause zurück, und wenn er sich nach den Freuden des Schulalltags zufrieden mit seinen Leistungen und den Leistungen seiner Schüler zum Schlafen legt, freut er sich schon auf den nächsten Schultag und fürchtet allenfalls böse Träume, die ihn an die unbeschreiblich anderen Schulverhältnisse erinnern, wie sie noch im Jahr 1964 geherrscht haben.

Alte Schulbänke und Utensilien (Internet)

 

Erinnerungen des Brandstetters Bruno, der nach Aalen auswanderte.

1942 war die unbeschwerte Kindheit zu Ende und es ging in die Schule – und das 8 Jahre lang. Eine lange Zeit – gefühlt noch länger, weil ich überhaupt nicht gerne zur Schule ging. Ich will mal an verschiedene Lehrer mit ihren „Mödelen“ erinnern. Da war zuerst der Lehrer Ignaz Umbrecht, der immer die braven Mädchen gegenüber uns Buben bevorzugte. Uns bevorzugte er nur bei der Vergabe von Tatzen. Er hatte da eine gestufte Behandlungsmethode beginnend bei einer Tatze. Das ging dann bis zur Höchststrafe von 8 Tatzen, die ich aber nie erreicht habe. Die Erziehungsmethode „Tatzen“ muss ich kurz erklären, bevor das ins Dunkel der Geschichte angewandter Pädagogik entschwindet: „Der Schüler streckt die Hand aus und der Lehrer ergreift seinen Haselnussstecken (oder sonst eine Rute) und schlägt in die offene Hand. Wegziehen bei zusätzlicher Strafe strengstens verboten. Kleine Maßnahme – einmal zuschlagen bis hin zur größtmöglichen Maßnahme – achtmal auf jede Hand. Die Hände konnten dabei schwellen und die Wunden zu bluten anfangen. (Ergänzung Billie: Anfang der Sechziger wurde auch auf die Finger geschlagen mit der Handfläche nach unten – war nur für die schweren Fälle). Mitunter war es den Deliquenten dann eine Woche nicht möglich, den Griffel oder den Federhalter zu benutzen.“ Und wenn du dich zuhause beschwert hast, hat dir der Vater „d‘ Ranza verschlage“. Also haben wir es mannhaft ertragen. Kommen wir nun zum Lehrer Leo Klotzbücher. Seine Methode war der „Hosenspanner“, man musste sich als Lehrkraft (Betonung auf Kraft) ja schließlich von den Kollegen abheben ☺. Der Übeltäter wurde über die Bank gelegt und ihm mit einem Bambusröhrchen (es gab Variationen hin bis zum Rohr) auf gut Deutsch „der Arsch versohlt“. Da das Röhrchen aber innen hohl war, forderte das schon die Kreativität der „Schöler“ heraus. In jeder Bank gab es eingebautes Fach für die Tinte. Also wurde das Röhrchen mit Tinte gefüllt und sachte auf dem Lehrerpult für seinen nächsten Einsatz bereitgelegt. Da war ein Hallo im Klassenzimmer, als die Tinte nur so herumflog und die Decke markierte. Die Traktur des Kandidaten wurde vehement abgebrochen. Auch hier gab es Anwendungsvarianten. Hatten wir Buben es wieder Mal übertrieben und auf des Lehrers Glatze, mit Erbsen mittels einer Schleuder, zu zielen und dann auch noch zu treffen, gab es kein Pardon. Antreten der üblichen Verdächtigen im Doppelpack, um zweimal Hosenspanner zu empfangen. Mein Schulfreund Helmut versuchte der Bestrafung zu entgehen, mit dem Hinweis: „I muaß jetzt dringend auf d‘ Abort“. War nutzlos. Erst der Hosenspanner und „Jetzt koasch nausgange auf da Abort.“ Da konnte Helmut nur noch mitteilen: „Muaß nemma, scho denna!“ Bleibt noch mein Onkel Julius Metzger, der ja eigentlich Pfarrer werden wollte. Aber der Krieg machte aus ihm einen Soldaten und Frontkämpfer. Und da nach dem Krieg Lehrer „Mangelware“ waren, wurden auch sog. Hilfslehrer eingesetzt (haben wir heute auch wieder, nennt sich Quereinsteiger) und Onkel Julius wurde ein solcher an der Schule im Dreißental. Als Verwandter durfte ich die korrigierten Hefte in seiner Wohnung im Katzenbach abholen. Als ich zurückkam waren einige der Buben schon am Plärren und ich grinste und freute mich schon, der liebevollen körperlichen Erziehung entkommen zu sein. Da meinte Onkel Julius nur: „Brauchsch gar net so grensa, komm her, Hand auf“ und schon sauste das Röhrle abwärts und verschenkte eine Tatze. So war das in unserer Schulzeit. Ich bin zwar geneigt zu sagen, es hat uns nicht geschadet, aber ob das wohl stimmt? Sicher bin ich mir da doch nicht mehr.

 

Wolfgang Eber,

ein nach Heidenheim „ausgewanderter“ Oberkochner, erinnert sich an eine mitunter eindrückliche harte Grundschulzeit. Die Pädagogik orientierte sich damals noch an Handreichungen der unterschiedlichsten Art. Manchmal frage ich mich, ob es in einer „Ägide Menzl“ nicht einen schnelleren Wechsel zu einer weniger körperlichen Ausrichtung der Pädagogik gekommen wäre. Oder waren damals alle Lehrer dem Gebrauch des Rohrstocks hilflos ausgeliefert? Doch genug des Sinnierens. Überlassen wir dem Wolfgang nun den Raum für zwei Erinnerungen:

Die Ohrfeige. Es war wohl in der 3. oder 4. Klasse der Grundschule. Eigentlich war ich ein braver, bisweilen sogar ein etwas verträumter Junge. Eines Tages war ich mit dem Tafeldienst an der Reihe. Die Älteren wissen noch was eine Tafel ist (eine große grüne, an der Wand hängende, Schiefertafel) und die ganz Jungen wohl auch noch, es sei denn, dass sie mit „SmartBoards“ schulisch aufgewachsen sind. Die Aufgabe war einfach. Nach der letzten Schulstunde war die Tafel mit einem nassen Schwamm (es war einmal ein Mann, der hatte einen Schwamm, der Schwamm war ihm zu nass, da ging er auf die Gass‘ usw. usf.) abzuwischen und zu trocknen, damit die Lehrkraft wieder eine leere Tafel zur Verfügung hatte. Wohl leicht träumerisch ging ich dieser Aufgabe nach, die Mitschüler (das genderische *innen verweigere ich aus schrift-ästhetischer Überzeugung ☺) hatten schon länger den Raum verlassen. Plötzlich überfiel es mich siedend heiß – das war nicht die letzte Stunde – Religion stand noch auf dem Stundenplan. Die wurde im roten Klinkerbau (von den Älteren „Fuchsbau“ genannt) und bei Pfarrer Forster war Unpünktlichkeit tunlichst zu vermeiden. Eins zwei drei im Sauseschritt…. Also hieß es im Mittelbau die Treppe hinunter die Beine in die Hand nehmen. Wenn ein Tag schlecht ist, so ist er dann oftmals richtig schlecht. Hausmeister und Schulrektor stoppten mich und herrschten mich an: „Hascht du des Licht aog’macht?“ Verwirrt rief ich: „Wie was?“ Was sollte ich getan haben. Ah, sie da – das Treppenhaus brannte tagsüber, höchst überflüssigerweise. Aber was hatte ich damit zu tun? Das übliche. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Und schon hatte ich eine Ohrfeige gefangen. „Wir sprichst du mit mir? Ab ins Rektorat.“ Ich rannte die Treppe wieder hinauf, der mit der Hand nach mir schlagende Rektor hinterher, bis ins Rektorat. Da holte er, vor Wut schnaubend, seinen bei den Schülern gefürchteten Rohrstock heraus, fuchtelte mir damit vor dem Kopf herum und rief immer wieder „So sprichst Du nicht mit mir“, während ich nun zitternd und wimmernd beteuerte, nichts mit dem Anschalten des Lichts zu tun gehabt zu haben. Er entließ mich dann aber, ohne dass er mich seinen Rohrstock hat spüren lassen. Etwas verstört und ziemlich verspätet kam ich dann in den Religionsunterricht. Zugegeben, es war nur „eine Ohrfeige“, die mich traf. Aber es war für mich eine einschlägige und nachhaltige Erfahrung, was Jähzorn und „Pädagogik“ Anfang der 60er-Jahre betraf, denn sonst würde ich mich nicht so eindrücklich daran erinnern.

Die Unterschriften. In der 1. Grundschulklasse hatte unsere Lehrerin an einem Mitschüler, der leider bald nach dem Abitur bei einem Unfall tödlich verunglückte, irgendwas zu beanstanden und schrieb ihm das in sein Schulheft. Sie trug ihm dabei auf, ihren Kommentar zuhause von der Mama unterschreiben zu lassen. Am nächsten Tag ließ sie sich das Heft von dem Mitschüler vorlegen. In fein säuberlichen Druckbuchstaben stand da zu lesen „Mama“. Eigentlich konnte sie dem Schüler nicht böse sein…. In der 3. Grundschulklasse hatte ich selbst einen Hinweis im Heft abbekommen, der von den Eltern unterschrieben werden sollte. Ich brachte das Heft mit der Unterschrift meines Vaters ordnungsgemäß am nächsten Tag mit. Die Lehrerin fragte: „Was ist das denn, ist Dir da der Füller ausgerutscht?“ Dann identifizierte sie die getrocknete Tinte als charakteristische, aber eigentlich nicht entzifferbare Unterschrift, und halb erschrocken und halb lachend sagte sie dann „In Ordnung“. Seit dem Tag ließ ich mich nicht mehr von meinem Vater für meine „Klaue“ (anderes Wort für die Eber’sche Handschrift) tadeln….

 

Ergänzung von Wilfried Müller.

Körperliche Erziehung war üblich, auch bei Lehrern, die im Grunde einen guten Unterricht machten. Dabei entwickelte der eine oder andere eine sehr individuelle, fast schon kultivierte, Handhabe dieser Methode. Wenn Lehrer Kurt Schmieg zur Tat schritt, sprach er zu seinen Kandidaten: „Beuge dein Haupt gen Neckar (!)“ und man wusste, das Stöckchen wird sogleich den Allerwertesten drangsalieren. Mit Schwung holte er aus, des Lehrers Haare flogen, das Röhrchen durchschnitt die Luft, fand seinen Weg und der Deliquent dachte immer noch darüber nach, wo wohl der Neckar liegt ☺. Zuhause darüber lamentieren? Das ließ man lieber sein, man wollte ja keine häusliche Wiederholung der Aktion hervorrufen. Wie standen eigentlich die weiblichen Lehrkräfte zu von Stuttgart genehmigten körperlichen Ermunterung? Durften sie und wollten nicht oder war das nur ein Erlass von alten weißhaarigen Männern im Ministerium für die männlichen Lehrer? Qui scit iam, quod – ich habe nie Lateinisch gelernt und in der Schule kam mir vieles spanisch vor – aber dafür gibt‘s ja heute den „Professor Google“.

 

Richtigstellung.

Ich habe den Text von Wolfgang Eber, ohne Rücksprache mit ihm, zu kreativ bearbeitet. Das sollte mir in Zukunft nicht noch einmal passieren. Vermutlich bin ich beim Schreiben in eine Art „Flow“ geraten. Deshalb hier die Richtigstellung und Wolfgang’s Originaltext. War mir eine Lehre.

 

„Einschlägiges Erlebnis
Es war in der 3. oder 4. Grundschulklasse. Ich war eigentlich ein braver, aber bisweilen ein etwas verträumter Junge. Am betreffenden Tag hatte ich Tafeldienst. Vielleicht ist das Wort inzwischen erklärungsbedürftig, nachdem überall in den Klassenräumen Smartboards statt Schiefertafeln hängen: Derjenige, der Tafeldienst hatte, musste nach den Unterrichtsstunden mit einem nassen Schwamm die Tafel abwischen und dann trocknen, so dass die Kreideaufschriebe und -zeichnungen darauf verschwanden, aber auch kein Geschmiere zurückblieb und so der nächste Benutzer wieder eine jungfräuliche Tafel vorfand. Ich reinigte also nach der vermeintlich letzten Stunde langsam Stück für Stück die Tafel, still vor mich hin sinnierend. Die Mitschüler (ich verweigere das inzwischen obligate *innen aus ästhetischen Gründen) hatten alle schon eine Weile den Raum verlassen. Mir fiel dann siedendheiß ein: Wir haben ja noch Religion! Ich befand mich im ersten Stock des Neubaus, der Religionsunterricht fand im Altbau statt. Erschrocken, weil es schon lange geklingelt hatte, rannte ich los, den Gang hinter und dann die Treppe runter. Da standen dann der Hausmeister und der Rektor und brüllten mich an: „Hascht Du des Licht ang‘macht?“ (im Treppenhaus brannte Licht, was mir nicht aufgefallen war). Ich verstand gar nichts und fragte nur verwirrt: „Was? Wie?“. Zack, da hatte ich schon eine Ohrfeige vom Rektor. „Wie sprichst Du mit mir?!. Ins Rektorat!“ Ich rannte die Treppe hinauf, der mit der Hand nach mir schlagende Rektor hinterher, bis ins Rektorat. Da holte er, vor Wut schnaubend, seinen bei den Schülern gefürchteten Rohrstock raus, fuchtelte mir damit vor dem Kopf rum und rief immer nur „So sprichst Du nicht mit mir“, während ich nur zitternd und wimmernd beteuerte, nichts mit dem (am Tag ja völlig unnötigen und daher verwerflich verschwenderischen) Anschalten des Lichts zu tun gehabt zu haben. Er entließ mich aber, ohne dass er mich seinen Rohrstock spüren lassen hatte. Etwas verstört und ziemlich verspätet kam ich dann in den Religionsunterricht.

Zugegeben, es war nur e i n Schlag, der mich traf. Aber es war für mich eine einschlägige Erfahrung, was Jähzorn und „Pädagogik“ Anfang der 60er-Jahre anging.“

 

Dieses war der vierte Streich und der fünfte folgt sogleich.

Bis dahin grüßt wie immer „Der Billie vom Sonnenberg“.

 

Wilfried „Billie Wichai“ Müller, Email: wichai@t-online.de, Mobil: 0171 2217 530, Frühlingstraße 2, 73447 Oberkochen oder Postfach 1328, 73444 Oberkochen

 
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