Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 722
 

Unsere Schulen und LehrerInnen – Teil 1

 

Aphorismen.

Diesem Bericht will ich mal ein paar Aphorismen über die Lehrer voranstellen. Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Ch.) sagte einst „Denen, welche lernen wollen, schadet oft die Autorität der Lehrenden." Christian Morgenstern (1871-1914) über die Lehrer-Komödie: „Die Armut der Lehrer, während der Staat Unsummen für die Wehrmacht hinauswirft. Da sie nur 600 Mark sich leisten können, bleiben die Völker so dumm, dass sie sich Kriege für 60 Milliarden Mark leisten müssen“. Erhard Blanck (1942-) meint: „Was ist der Unterschied zwischen vielen Schülern und Lehrern: „Die Schüler schreiben ab und die Lehrer lesen ab.“ Und zwei Unbekannte haben noch folgendes im Petto: „Lehrer sind wie Fixer – sie denken immer nur an den Stoff“ und „Lehrer haben vormittags Recht und nachmittags frei“ Aber das änderten zumindest die Ganztagesschulen – jetzt haben sie den ganzen Tag recht ☺.

 

Bereits darüber berichtet.

Natürlich wurde dieses Thema aus verschiedenen Sichten schon mehrfach behandelt. Wer sich da noch tiefer durcharbeiten möchte, dem seien nachfolgend aufgeführte Berichte von den Herren Volkmar Schrenk, Dr. Christhard Schrenk und Dietrich Bantel ans Herz gelegt:

Berichte 334 bis 338 über den Lehrer „Karl Alfred Günter“, im Bericht 185 wird über „Lehrer, Pfarrer, Taubenfänger“ erzählt, in 152 bis 153 wird über den Lehrer „Christoph Jakob Adam“ berichtet, in Nummer 139 über den Lehrer „Schneider“ sowie in 135 über „Ferdinand Gutmann“. Der Bericht 44 handelt das Thema „Schule in Oberkochen vor 175 Jahren“ ab.

 

Klassenfoto 1953 - Dieses Bild schickte mir Heidi Proehl, die als Kind mit ihren Eltern in die USA ausgewandert ist (Archiv Müller)

 

Intro.

Die Schulzeit ist wohl eine unsere wichtigsten Lebensabschnitte, auf der alles andere aufbaut. Es gibt gute und schlechte Erinnerungen, Lehrer und MitschülerInnen, an die wir nicht gerne zurückdenken und es gibt andere, an die wir uns sehr gerne erinnern und solche mit denen wir heute noch Kontakte und Freundschaften pflegen. Und weil uns diese Zeit so wichtig ist, gibt es auch die beliebten und unbeliebten Klassentreffen (je nach Standpunkt). Ich selbst halte diese Treffen für sehr wichtig, weil es trotz aller Probleme, die uns im Leben auflauern, ein „Ort“ sind, an dem wir so sein können wie wir sind, ohne uns zu verstellen, weil unsere Wurzeln in dieser Zeit verankert sind und Jugendfreundschaften mit die besten sind.

Es ist mal ein Versuch einen Bericht über unsere Schulen und früheren Lehrer und Lehrerinnen zu schreiben. Ein Versuch an ihre Namen, ihre Eigenheiten, ihre Verhaltensweise (die damals in der jeweiligen Zeit so waren, aber nicht so sein mussten) mit kleinen Geschichten aus der Vergangenheit kurz hervorzuholen und zu beleuchten. Da inzwischen Jahrzehnte vergangen sind und manche unserer damaligen LehrerInnen bereits verstorben sind, kann ich im einen oder anderen Fall, wo es durchaus angemessen ist, auch auf grenzwertige Verhaltensweisen hinweisen. Wenn bei der Leserschaft während des Lesens noch eigene Erinnerungen geweckt werden, so ist das Klassenziel erreicht und die Versetzung nicht gefährdet. Durch die breite Palette der Erinnerungen gibt es doch einen Überblick über einige Jahrzehnte. Natürlich kommt dieser Bericht nicht ohne trockene Daten und Fakten aus. Daher habe ich diese mit Geschichten und Erinnerungen gemischt, damit es beim Lesen nicht zu langweilig ist. Einen „Schöler Pfeiffer mit 3 Eff“ hatten wir nicht in meiner Klasse, aber Unfug haben wir sicher auch genug angestellt, denn eine Schulzeit ohne denselben wäre doch auch zu langweilig – für Schüler wie auch für Lehrer.

Dass dieser Bericht ein längeres Format haben muss, versteht sich bei dieser Thematik von selbst. Also – liebe Schöler und Schölerinnen – aufgemerkt, naohogga – setzen – sit down please – asseyez vous – obsecro contact und viel Spaß beim Lesen und Erinnern.

 

Das alte katholische Schulhaus, später Schwesternhaus, Kindergarten, heute Edith-Stein-Haus (Archiv Müller)

 

Das alte evangelische Schulhaus, später Ortsbibliothek, Wiege der Fa. Beier und heutiges Heimatmuseum – Schillerhaus genannt (Archiv Müller)

 

Unsere Schulhäuser.

Bevor wir uns an die Erinnerungen wagen, müssen wir zuerst die Schulhäuser aus den unterschiedlichsten Zeiten vorstellen. Der Ort war religiös, und damit auch weltlich, bis 1803 getrennt. Die zwei Machtzentren waren das Zisterzienser-Kloster Königsbronn (1/3) und das Kloster Ellwangen (2/3). Praktisch hieß das: Es gab einen nicht gerade verlaufenden Grenzverlauf durch das Dörflein mit einem Zollhäuschen am Zollbach, heute Katzenbach genannt, ungefähr da wo heute der Bohrermacherbrunnen steht. Das hatte auch zur Folge, dass alles doppelt vorhanden war – vom Bürgermeister über die Friedhöfe bis zu den Schulen. Das hat das Leben nicht gerade erleichtert, zumal auch nicht über die Grenzen hinweg geheiratet werden durfte.

Da sind zuallererst die beiden alten konfessionell getrennten Schulhäuser. Das evangelische in der Aalener Straße 19 mit integrierter Lehrerwohnung (heute Heimatmuseum im Schillerhaus) und das katholische in der Aalener Straße 6 (heute Edith-Stein-Haus neben der katholischen Kirche). Im Jahr 1900 wurde beschlossen eine neue Schule im Dreißental zu errichten. Das war nicht ganz einfach, denn es gab mehr katholische als evangelische Schüler. Aber die Industrie war überwiegend in evangelischer Hand und das darbende Hafnergewerbe in katholischem Eigentum. So wurde also eine Schuld in Höhe von 50 Tsd. Mark bei der württembergischen Sparkasse Stuttgart aufgenommen und es entstand der rote Backsteinbau, auch „Fuchsbau“ genannt, wie wir ihn heute noch haben. Die Auflösung der Konfessionsschulen erfolgte aber erst 1936. Solange war der „Fuchsbau“ katholisch und ab 1937 gab es nur noch die eine „Deutsche Schule Oberkochen“. 1950, die Zustände wurden immer problematischer, konnten im Bergheim zusätzliche Räume für 5 Klassen der Volksschule gewonnen werden. Ferner wurden 75 neue Schulbänke bestellt. Die alten Bänke kamen ins Bergheim.

 

Der Jahrgang 1959/1960 in der Exklave am Sonnenberg auf den alten Schulbänken aus dem Tal (Archiv Müller)

 

Die Schülerzahl ist weiter angestiegen und betrug im September 566 Schüler. Rektor Maikler versicherte, dass man den Klassendurchschnitt (später Teiler genannt) nicht über 50 (!!!!) ansteigen lassen wollte, um den geordneten Schulbetrieb gewährleisten zu können. Heute unvorstellbar. Zu Weihnachten 1950 gab es für alle diese Schüler und 300 Lehrlinge die Hoover-Speisung. Für jeden einzelnen gab es 2 Tafeln Schokolade und 200 gr. holländische Kekse.

1951, das Dorf platzte bereits überall aus allen Nähten, wurden im alten Schulhaus zwei neue Klassenzimmer bereitgestellt und gleichzeitig der heutige Mittelbau errichtet. Der Königsbronner Künstler Schöllhorn malte ein Wandbild mit religiösem Motiv und im Treppenhaus Symbole der heimischen Industrie und des bodenständigen Handwerks. Zusammen mit der Turnhalle hatten wir nun eine neu großzügige Schule. Die beteiligten Firmen an diesem Projekt waren:

Die Oberkochner Firmen Schreinerei Karl Fischer / Wilhelm Fritscher Radio-Elektro / Clemens Grupp Schreiner- und Glaserarbeiten / Anton Sauter Gipser / Anton Trittler Beton-, Maurer-, Kunststein- und Dachdeckerarbeiten / Franz Wingert Beton-, Grab-, Maurer- und Kunststeinarbeiten / Paul Wingert Glaserarbeiten sowie die auswärtigen Firmen Adolf Schönhardt Plattenfachgeschäft aus Bopfingen / und Hans Vogt Isolierungen aus Aalen.

 

Hubert Oberdorfer vor dem Brunnen an der Volksschule (Archiv Oberdorfer)

 

1952 wurde der Christophorus-Brunnen der Aalener Bildhauerin Schönbohm eingeweiht. Für die Kirchen sprachen die beiden Pfarrer Fiedler (ev.) und Hager (kath.). Als Abschluss erklang vom Schulchor unter Leitung von Lehrer Zweig, wie erstaunlich, das Lied „Am Brunnen vor dem Tore“. Für uns Schüler war der Brunnen Spielplatz, bis uns der Hausmeister wegschickte oder als Hintergrund für ein Familienfoto bei besonderen Anlässen wie der Einschulung. 1958 folgte der zweite Erweiterungsbau.

 

1958 Erste Klasse Pro-Gymnasium im alten evangelischen Schulhaus (heute Schillerhaus) mit Stud. Ass. Diebel (Archiv Rathaus)

 

Umzug vom alten ins neue Progymnasium – vom Bergheim zum Tierstein (Archiv Müller)

 

Die Geschichte des Progymnasiums begann 1957 und mündete 1962 in einen Neubau oberhalb der Lenzhalde und wurde nach und nach bis zum heutigen Stand ausgebaut (1970 Fachbau, 1975 Aufstockung und 1983/84 Erweiterung im Osten). Durch die Ausdehnung und Neuschaffung von Wohngebieten wurde eine weitere Grundschule notwendig - die Tiersteinschule. Der Bedarf wurde 1962 angemeldet und 1965 erfolgte die Einweihung. 1970 wurde im Bergheim am Turmweg 24 eine Sonderschule für Lernbehinderte eingerichtet. Im Jahr 1971 übernahm Ulrich Streu, als Nachfolger von Georg Hagmann, unterstützt von Konrektor Frieder Ruoff die Volksschule. Sein Werdegang führte ihn von seiner Geburtsstadt Danzig über Heidenheim, Schwäbisch Gmünd, Aalen, Heuchstetten, Ochsenberg und Bondorf nach Oberkochen.

Die Musikschule wurde 1978 gegründet (1987 gab es in der BRD insgesamt 722 Musikschulen) und im Laufe der Jahre im roten „Fuchsbau“ heimisch. Unter der Leitung von Andreas Hug (dem Nachfolger von Reinhold Hirth 1994-2011) unterrichten derzeit 14 Lehrkräfte 540 Schüler und Schülerinnen (mit allen Kursen). Und in nicht allzu ferner Zukunft werden sie zusammen mit der Sonnenbergschule in der alten Tiersteinschule ihr Zuhause finden. Im alten Bergheim wurde am 9. September 1970 eine neue pädagogische Seite aufgeschlagen, mit einem Lehrer (dem Sonderschulrektor Weigold) und einer Klasse 3 und 4 begann die Sonnenbergschule ihr erfolgreiches Wirken. Durch engagierte Rektoren und Lehrkräfte sowie der begleitenden Unterstützung des Freundeskreises der Sonnenbergschule“ gelang es diese Schule in Oberkochen unverzichtbar zu machen. 50 Jahre auf dem Buckel und jung geblieben. In absehbarer Zeit erfolgt der Umzug in die alte Tiersteinschule und ab dann wird der Sonnenberg „Schulfrei“ haben.

 

50 Jahre Sonnenbergschule 

Die alte Volksschule der sog. „Fuchsbau“ (Archiv Müller)

 

Die alte Dreißentalschule aus meiner Schulzeit (Archiv Müller)

 

Es kamen die 90er Jahre und die Dreißentalschule befand sich in einem Zustand, der nicht länger tolerierbar war. Rektor Staudenmaier informierte den Bürgermeister-Kandidaten Peter Traub schon im Wahlkampf über den dringenden Sanierungsbedarf an der Dreißentalschule. Die Räume waren teilweise in einem erbärmlichen Zustand; in der Toilette im Backsteinbau fiel sogar die Holzdecke herunter. Da aber aufgrund der damaligen Krise bei Carl Zeiss und der parallelen Wirtschaftskrise das Geld fehlte, um die Gebäude zu sanieren, wurde die Sanierung zunächst verschoben. Dies auch deshalb, weil es damals einen großen Sanierungsstau bei allen öffentlichen Gebäuden und Straßen gab. Am 21.08.2000 beschloss der Gemeinderat, die Sanierungsplanung für die Dreißentalschule an das Architekturbüro Mathis Tröster, Ellwangen, zu vergeben. Aufgrund der hohen Kosten wurde sogar ein Abbruch und Neubau der Dreißentalschule diskutiert. Da ein Neubau vom Land aber abgelehnt und nicht bezuschusst wurde, entschied sich der Gemeinderat am 12.06.2002 für eine Generalsanierung. Daraufhin wurden der Mittel- und Altbau in den Jahren 2003 und 2004 umfangreich saniert und umgebaut. Die Generalsanierung schloss mit Kosten in Höhe von insgesamt rund 4,5 Mio. Euro ab. Zuvor wurde in den Jahren 1998 und 1999 der sog. Verbindungsbau zwischen Dreißentalhalle und -schule neu gebaut und Fachräume eingerichtet. In diesem Zusammenhang wurde auch das Foyer der Dreißentalhalle neugestaltet und umgebaut. Mit Bescheid vom 21. Januar 2010 genehmigte das Land Baden-Württemberg die Einrichtung einer Werkrealschule an der Dreißentalschule. Die Stadt erhoffte sich damals, die Hauptschule retten zu können. Die mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz dieser Schulart und die Veränderung der bildungspolitischen Rahmenbedingungen brachten aber auch für die Werkrealschule das baldige Aus. Die 2011 gewählte grün-rote Landesregierung wollte neue Akzente in der Bildungspolitik setzen und richtete wiederum eine neue Schulart ein, nämlich die Gemeinschaftsschule. Sie sollte die Alternative zu Haupt- und Realschulen sein. Für die Dreißentalschule ergab sich damit die einmalige Gelegenheit, die Hauptschule durch die neue Gemeinschaftsschule zu ersetzen und damit sogar einen mittleren Schulabschluss zu ermöglichen. Das Land Baden-Württemberg hob mit Schreiben vom 23. Juli 2012 die Werkrealschule auf und genehmigte gleichzeitig eine Gemeinschaftsschule. Die Schaffung eines Schulzentrums an der Dreißentalschule ist das Ergebnis einer Schulentwicklungsplanung, die 2016 begonnen und im März 2017 abgeschlossen wurde. Die Schulentwicklungsplanung erfolgte vor dem Hintergrund des bildungspolitischen und demographischen Wandels und des damit verbundenen Rückgangs der Schülerzahlen. Bestandteil dieser Planung war der Vorschlag, die beiden Grundschulen, nämlich die Tiersteinschule und die Dreißentalschule, zunächst organisatorisch zusammenzuführen. Nach anfänglichen, teils heftigen Widerständen und Protesten, nicht nur im Gemeinderat, sondern vor allem auch bei Eltern und Lehrern der Tiersteinschule, wurde die organisatorische Zusammenführung der beiden Schulen am 25. April 2016 vom Gemeinderat beschlossen.

Im Jahr 2017 wurde dann folgende Grundsatzentscheidung beschlossen: Am Standort Dreißental wird ein Schulzentrum geschaffen. Dazu wird eine Erweiterung um Klassen- und Fachräume sowie die Sanierung des Backsteinbaus (Fuchsbau) durchgeführt werden. Zudem wird die Dreißentalhalle als Schulsport- und Veranstaltungshalle neu gebaut werden. Die Sonnenbergschule im Turmweg 24 wird ihr Domizil verlassen und in ein saniertes Gebäude der alten Tiersteinschule einziehen. Das Gymnasium bleibt dort, wo es ist. Das wurde und ist ein Mega-Projekt für Oberkochen und es gab reichliche Diskussionen über mögliche Varianten bevor diese Entscheidung getroffen wurde. Der Umbau ist in vollem Gang und wenn alles planmäßig verläuft, wird das gesamt Projekt incl. eines Neubaus der Dreißentalhalle Ende 2023 fertig sein.

 

Bauprojekt Dreißentalschule 

 

Im Jahr 2018 gab es folgende Schüler- und Lehrerzahlen in Oberkochen: Am EAG Oberkochen lernten 461 Schülerinnen und Schüler und es unterrichten 52 Lehrer incl. Referendare und 2 kirchliche Lehrkräfte. An der Dreißentalschule incl. Tiersteinschule (Zusammenlegung erfolgte 2017) unterrichteten 48 Lehrkräfte 485 Schülerinnen und Schüler.

 

Lehrerkollegium 1962 am Progymnasium am Turmweg 24 (Archiv Müller)
Vordere Reihe v.l.n.r.: Pfr. Forster, Kunrat, Ulrich, Schrenk, Ehmann, Gradner, Pfr. Geiger
Hintere Reihe v.l.n.r.: Thiem, Hils, Krug, Bantel, Schwab, Riegel, Vik. Grassel

 

Lehrerkollegium 1959 Dreißentalschule (Archiv Müller)
Vordere Reihe v.l.n.r.: Gunzenhauser, Vik. Klein, Pfr. Gottfroh, Hagmann, Pfr. Forster, Braun, Maikler
Mittlere Reihe v.l.n.r.: Kat. Schedler, Ruoff, Kny, Franz, Holz, Heller, Keller, Bischler, Kat. Nadler
Hintere Reihe v.l.n.r.: Köhler, Uhl, Erben, Hölldampf, Jungk, Schmieg, Thiel, Herrmann, Hellenschmidt

 

Schulalltag in alten Zeiten.

Dazu gibt es eine schöne Ausarbeitung von Prof. Dr. Christhard Schrenk aus dem Büchle „Alt-Oberkochen“, das er mir netter Weise mit anderen Ausgaben seiner Veröffentlichungen zugeschickt hat. Daraus will ich auszugsweise einiges beschreiben:

„Um das Jahr 1900 war das Schulleben noch sehr stark auf das bäuerliche Leben abgestimmt. Im Sommer gab es nur vormittags und im Winter zusätzlich zwei Stunden nachmittags. Jeder (!) Schultag begann mit dem Kirchgang. Die „Langgässler“ (Lange Gasse = Heidenheimer Straße“ brachten ihre Ranzen erst in den „Fuchsbau“ (Roter Backsteinbau im Dreißental) und die Kirchgässler (Kirchgasse = Aalener Straße) nahmen ihren Ranzen in die Kirche mit. Danach ging es gemeinsam in den Unterricht in die erste konfessionsübergreifende Schule. Auch die Schulferien waren dem Bäuerlichen angepasst – 3 Wochen Ernteferien im Sommer und im Herbst Kartoffelferien. Jährliche Schulzeugnisse gab es nicht. Es wurde nur ein Abschlusszeugnis erteilt.“

Sitzenbleiber gab es nicht, in der Regel wurde jeder mit einem Zeugnis entlassen, auch schwierigste Fälle, wie die folgende wunderbare Oberkochner Anekdote (über ein Mädchen, das partout nicht rechnen konnte) erzählt. Die Lehrerin sagte: „Mädle, jetzt sag mir halt einfach nach: 2 und 2 = 4; sonst darf ich dich nicht entlassen!“ Zu erwähnen ist auch, dass für die Evangelischen das Bezirksschulamt Heidenheim und für die Katholischen Schwäbisch Gmünd zuständig war. Auch das ging noch auf die frühere Religionstrennung zurück.

Im „Fuchsbau“ wohnten die Lehrer Alfons Mager und Leo Klotzbücher. Ganz oben wohnte der Schuldiener und der unständige (bedeutet nicht ständig tätig) Lehrer Emil Kessler. Der Lehrer Ignaz Umbrecht wohnte außerhalb des Gebäudes. Er war von 1934 (er kam aus Gundelsheim) bis 1944 u.a. auch als Anstaltsleiter (schon komisch, so wurden tatsächlich früher Rektoren genannt) tätig und wurde 1948 pensioniert. Neben seinem Schuldienst engagierte er sich als Organist und Leiter des kath. Kirchenchors. Von 1911 bis 1934 hatte Karl Günther im evangelischen Schulhaus die einzige Schulmeisterstelle. 1934 übernahm Gottlob Braun diese Stelle und wohnte über den Schulräumen 31 Jahre lang in einer 5-Zimmer-Wohnung.

 

Der Lehrer Gottlob Braun 1954 – dieser Vorname ist auch auf der Strecke geblieben (Archiv Müller)

 

Das arme Dorfschulmeisterlein.

Dieses Volkslied stammt aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert und beschreibt die tägliche Not des Lehrers auf dem Lande. Aus dieser Zeit stammt sicher auch der Lehrerspruch: „Speck und Eier macht Einser und Zweier. Weißen und Roten will ich auch gern belohnen.“

 

Das Lied über das arme Dorfschulmeisterlein (Archiv Müller)

 

Nachstehend der Liedtext zu „In einem Dorf im Schwabenland“ bzw. „Das arme Dorfschulmeisterlein“

Am Sonntag ist er Organist,
am Montag fährt er seinen Mist,
am Dienstag hütet er die Schwein‘,
das arme Dorfschulmeisterlein.

Am Mittwoch fährt er in die Stadt
Und kauft, was er zu kaufen hat:
‘nen halben Hering kauft er ein,
das arme Dorfschulmeisterlein.

Und Donnerstag dann in die Schul‘.
Legt er die Buben über’n Stuhl.
Er haut so lange, bis sie schrei‘n,
das arme Dorfschulmeisterlein.

Am Freitag dann im Unterricht
Erzählt er von der Weltgeschicht‘
Und paukt die Jahreszahlen ein,
das arme Dorfschulmeisterlein.

Am Samstag schließlich sind noch dann
Vokabeln und Grammatik dran,
er quält die Buben mit Latein,
das arme Dorfschulmeisterlein.

Und wenn im Dorfe Hochzeit ist,
dann könnt ihr sehen, wie er frisst.
Was er nicht frisst, das steckt er ein,
das arme Dorfschulmeisterlein.

Und wird im Dorf ein Kind getauft,
dann könnt ihr sehen, wie er sauft.
Elf Halbe schüttet er sich rein,
das arme Dorfschulmeisterlein.

Und wird im Dorf ein Schwein geschlacht‘,
dann könnt ihr sehen, wie er lacht.
Die größte Wurst ist ihm zu klein,
das arme Dorfschulmeisterlein.

Und wenn die Schule einmal brennt,
dann könnt ihr sehen, wie er rennt,
dann kann sich mit den Kindern freu’n
das arme Dorfschulmeisterlein.

 

Allgemeines um und vor 1900.

Damals, und das galt im gesamten Reich, waren die Unterrichtsziele Gehorsam, Fleiß, Ordnung und Sauberkeit. Diese Tugenden galt es den Kindern vor allem beizubringen. Mit zum Teil harten Strafen, wie Ruten- und Stockschlägen, Handtatzen oder dem Knien auf einem Holzscheit, versuchten die Lehrer, ihre Vorstellungen von Disziplin durchzusetzen. Als Grundvoraussetzung für äußere und innere Disziplin wurde das richtige und vor allem ruhige Sitzen angesehen. In den Schulvisitationsprotokollen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Lehrer mehr auf das „richtige“ Sitzen der Schüler achten sollten. So heißt es im November 1886:

 

So war der Schüler gewünscht – konzentriert in gewünschter Sitzhaltung (Archiv Müller)

 

"Die Gewöhnung der Schüler an die richtige Körperhaltung ist aber nicht bloß ein Gebot der Schulgesundheitspflege, sondern zugleich ein wichtiges Disciplinarmittel; denn es ist gewiss, dass ein Kind, welches angehalten wird, auf seine äußere Haltung zu achten, sich auch innerlich zusammennehmen und Akta der Selbstbeherrschung üben muss."

Auch eine Regierungsentschließung aus demselben Jahr beschäftigt sich mit diesem Thema: Bei der gesundheitsmäßigen Schreibstellung der Kinder sei auf folgendes zu achten:

Kleiner Tipp: Probieren Sie das mal zuhause ☺.

 

Schulordnung für die Kinder / Großherzogin Hilda von Baden Schule Badenweiler um 1900 (Das Deutsch im folgenden Text entspricht den damaligen Regeln)

§ 01. Die Kinder haben pünktlich zur bestimmten Zeit, an Körper und Kleidung anständig, mit den erforderlichen Schulsachen versehen, in dem Schulzimmer zu erscheinen, sich sofort an ihre Plätze zu setzen und alles zum Unterricht Nötige in Bereitschaft zu legen.

§ 02. Wer während des Gebets oder Gesanges kommt, hat bis zur Beendigung desßelben still an der Thüre zu warten und dann sich bei dem Lehrer zu entschuldigen. Wer erst nach dem Beginn des Unterrichts kommt, hat dem Lehrer den Verhinderungsgrund anzuzeigen.

§ 03. Während des Unterrichts sollen die Schüler still, ruhig, in gerader und anständiger Haltung auf ihren Plätzen sitzen, die Hände auf den Tisch legen und sich mit den Füßen ruhig auf dem Boden halten. Alles, was den Unterricht hemmt oder stört, wie Essen, Spielen, Scharren oder Stampfen mit den Füßen, Schwatzen, Lachen, eigenmächtiges Verlassen des Platzes ist untersagt. Hat das Kind während des Unterrichts dem Lehrer etwas zusagen oder ihn um etwas zu bitten, so giebt es, bevor es spricht, ein Zeichen mit dem Finger.

§ 04. Beim Eintritt des Lehrers in das Schulzimmer haben die Kinder denselben durch Aufstehen zu begrüßen. Ebenso werden der Geistliche und Schulvorgesetzten bei ihrem Eintritte begrüßt.

§ 05. Die Schüler sollen ihre Aufmerksamkeit dem Lehrer, oder bei mittelbarem Unterricht ihren schriftlichen Arbeiten zuwenden. Beim Aufsagen, Lesen und Singen sollen sie stehen; ihre Antworten sollen sie in gerader Haltung des Kopfes, laut, lautrein, wohlbetont und möglichst in g a n z e n S ä t z e n geben. Beim Schreiben und Zeichnen sollen sie aufrecht sitzen, die Brust nicht an den Tisch andrücken, noch den Körper stark vorwärts biegen.

§ 06. Das Vorsagen oder Zuflüstern von Antworten, das Öffnen der Bücher beim Aufsagen des Auswendiggelernten ist verboten; ebenso das Abschreiben oder Abschreibenlassen schriftlicher Arbeiten.

§ 07. Die häuslichen Aufgaben hat jedes Kind fleißig zu lernen oder anzufertigen. Abschreiben oder Abschreiben lassen der schriftlichen Hausaufgaben ist untersagt.

§ 08. Die Tafeln, Hefte und Bücher der Kinder sollen reinlich und in guter Ordnung gehalten, die ersten insbesondere mit einem Schwämmchen oder mit einem Gelbandwickel versehen sein.

§ 09. Das Verunreinigen des Schulzimmers und der Räume des Schulzimmers und der Räume des Schulhauses, welche von den Kindern betreten werden, desgleichen das Beschmutzen oder Beschädigen der Tische, Bänke und Lehrmittel ist streng untersagt.

§ 10. Die Schüler sind verpflichtet, die Schule regelmäßig zu besuchen. Ist ein Kind durch Krankheit am Schulbesuch gehindert, so ist dem Lehrer in Bälde vonseiten der Eltern oder Fürsorger Anzeige zu machen. Wenn ein anderer, nicht vorauszusehender dringender Anlaß zum Versäumen des Unterrichts obwaltet, z.B. plötzliche Erkrankung der Eltern, Notwendigkeit eines Ganges zum Arzte oder in die Apotheke für Familienmitglieder, sehr ungünstige Witterung, vorübergehend ungangbare Wege u. dgl., so ist dem Lehrer beim nächsten Schulbesuche die Entschuldigung vorzutragen.

§ 11. In allen anderen Fällen, namentlich bei der Verwendung der Kinder zu häuslichen oder gewerblichen Geschäften, ist die Versäumnis des Unterrichts nur nach vorher eingeholter Erlaubnis gestattet. Diese Erlaubnis ist, wenn es sich um die Versäumung einer einzelnen Stunde handelt, bei dem Klassenlehrer, beziehndlich bei dem Vorsitzenden des Ortsschulrats nachzusuchen.

§12. Kein Schüler soll den geordneten Gottesdienst versäumen. In der Kirche sollen die Kinder, eingedenk der Heiligkeit des Ortes, ein anständiges gesittetes und gottesfürchtiges Verhalten zu erkennen geben.

§ 13. Nach dem Schlusse der Schule verlassen die Kinder bankweise, ohne Lärm und in guter Ordnung das Zimmer und gehen ruhig und anständig ihres Weges.

§ 14. Untereinander sollen die Kinder verträglich, friedfertig und freundlich sein. Das Beschmutzen oder Beschädigen der Schulsachen eines Mitschülers, das Schimpfen, Schreien, Schlagen der Schüler untereinander ist strenge untersagt.

§ 15. Gegen den Lehrer haben sich die Schüler stets folgsam, wahrheitsliebend, bescheiden und höflich zu benehmen.

§ 16. Auch gegen andere erwachsene Personensollen die Kinder stets höflich, bescheiden und dienstfertig sein und auf Anfragen bereitwillig Auskunft geben.

§ 17. Niemals dürfen die Kinder fremdes Eigentum nehmen oder verderben. Das Quälen der Tiere, das Ausnehmen von Vogelnestern, das Einfangen von Vögeln und das Beschädigen der Bäume und anderer Gewächse ist verboten, ebenso das Tabakrauchen und die Anschaffung von Pulver, Feuerwerkskörpern, Streichzündhölzchen und anderen leicht entzündlichen und gefährlichen Gegenständen.

§ 18. Fluchen, Schimpfen, Schlagen, Werfen, Nachspringen hinter Fuhrwerken, Anhängen oder unbefugtes Aufsitzen auf solche darf nicht vorkommen. Nach dem Abendgebetläuten sollen sich Schulkinder nicht mehr zwecklos auf den Straßen und öffentlichen Plätzen umhertreiben.

§ 19. Den Schülern ist der Besuch von Tanzböden und Wirtshäusern ohne unmittelbare Beaufsichtigung durch die Eltern oder andere Fürsorger verboten.

§ 20. Vor dem Schlusse des Halbjahres erhalten die Schüler ein Zeugnis über Fleiß, Fortschritte und Betragen, welches von den Eltern oder Fürsorgern nach genommener Einsicht unterschrieben wird und alsdann dem Lehrer wieder zuzustellen ist.

§ 21. Gegenwärtige Schulordnung wird am Anfang eines Halbjahres den Schülern unter Beifügung der nötigen Erklärungen vorgelesen und bleibt das ganze Jahr hindurch in dem Schulzimmer angeschlagen. Überdies wird jedem Schüler ein Abdruck derselben (nebst Stundenplan) in die Hand gegeben.

 

Gute Erziehung

bedeutete im 19. Jahrhundert hauptsächlich strenge Erziehung. Die Schüler hatten auf jeden Wink zu gehorchen, mussten die Befehle „rasch, sicher und geräuschlos“ ausführen. Sie wurden dazu erzogen, sich im Takt zu bewegen und zu arbeiten. In den Direktiven zu den Schulvisitationen 1885/86 heißt es: „Alle gemeinsamen Tätigkeiten ..., wie das Aufstehen und Niedersitzen, das Austeilen und Einsammeln der Schreibhefte, das Chorsprechen, das Hinweggehen aus der Schule, die Einübung der Buchstaben im Schönschreibunterricht sind nach bestimmten Zeichen gleichzeitig und im Takte zu vollziehen...“. Ein Hauptziel der Schulerziehung stellte die Erziehung zu Sauberkeit und Reinlichkeit dar. In einem Regierungsbericht vom 18.12.1896 heißt es: „Gerade bei den Landbewohnern … ist es notwendig, dass durch ein gutes Beispiel der Sinn für Reinlichkeit und Ordnung geweckt werde... Viele Familien verabscheuen die rechte Pflege der leiblichen Reinlichkeit ihrer Kinder. Nicht selten erscheinen die Kinder in zerrissenen und beschmutzten Kleidern, nicht gekämmten Haaren, mit ungewaschenen Köpfen und schmutzigen Händen.“ Neben der Erziehung zum gläubigen Christen und gehorsamen Untertanen sollten den Kindern die nötigsten Grundkenntnisse im Lesen, Rechnen und Schreiben vermittelt werden. Es wurde großer Wert auf den Praxisbezug der Unterrichtsgegenstände gelegt. Genauso war der Gesang unabdingbar. Mancherorts mussten jährlich wenigstens 3 Lieder erlernt werden. Ich bin mir sicher, da war auch dieses Lied noch Schulstandard.

 

Die Wacht am Rhein – als Frankreich noch der Erzfeind war (Museum Essingen)

 

Innerhalb von 1000 Jahren Schulsystem

gab und gibt es bis heute Änderungen und Anpassungen. Mal zum Vorteil, aber auch zum Nachteil von Schülern und / oder Lehrern. Nachfolgender Text stammt aus dem Schulmuseum Ottweiler.

 

Kloster-, Dom- und Stiftsschulen: Für mittelalterliche Klöster galt es als erstrebenswert, neben Bibliothek und Schreibwerkstatt auch über eine Schule zu verfügen, die den klösterlichen Nachwuchs heranbildete, aber auch für Laien zugänglich war. Nach dem Erwerb von Grundkenntnissen in ABC, Schreiben, Kirchengesang, Kirchenrechnung und Psalmen stand für den fortgeschrittenen Schüler das Studium der „Septem Artes liberales“, der „Sieben Freien Künste“ auf dem Lehrplan: Grammatik, Rhetorik, Dialektik bzw. Logik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. Vergleichbare Schulen entstanden an Bischofsitzen.

Ritterbildung: Der dem Ritter zur Ausbildung anvertraute Knappe ging anders als der Klosternovize durch eine nichtschriftliche Schule. Er musste sich in den „Septem Probitates“, den „Sieben Tüchtigkeiten“ erproben: Schwimmen, Reiten, Pfeileschießen, Fechten, Jagen, Schachspielen und Versemachen. Der Umgang mit Musik, Dichtung und fremden Sprachen wurde an Ritterhöfen von den adeligen Damen gepflegt und von diesen wohl auch den Kindern nahegebracht.

Städtische Schulen: Mit der Entwicklung der Städte ab 1200 wurden Schulen unter Magistratshoheit eingerichtet, die Stadt stellte den angesehenen „Magister“, „Rektor“ oder „Schulmeister“ ein, der mit seinen Lehrgesellen Unterricht erteilte. Unterrichtssprache war ursprünglich Latein; der Lehrplan glich dem der Domschulen. Auf Drängen der Eltern wurde zunehmend auch in Deutsch unterrichtet. In Städten mit jüdischen Gemeinden gab es eine „Judenschul“, die das Schicksal ihrer Gemeinde teilte.

Winkelschulen: Schriftliche Betriebsführung im aufblühenden Handel seit dem 13.Jahrhundert verlangte nach einfachen Schreib- und Rechenkenntnissen für Handwerker. Männer, die schreiben und rechnen konnten, boten mit Genehmigung des Magistrats in ihrer Wohnung Unterricht gegen Bezahlung an: So entstanden Winkelschulen. Kinder, aber auch Erwachsene konnten Schüler solcher Schulen sein. Der Schulbesuch dauerte so lange, bis man konnte was man lernen wollte. Unterrichtssprache war Deutsch.

Fahrende Scholaren: Im Mittelalter gab es „fahrende Scholaren“. Das waren Schüler, die eine höhere Bildung anstrebten, an ihrem Wohnort keine geeignete Möglichkeit fanden und deshalb allein oder in Gruppen von Schule zu Schule quer durch halb Europa zogen. An ihrem jeweiligen Aufenthaltsort mussten sie die Schule besuchen. Ihre Unterstützung durch Spenden sah man im Volk als „gutes Werk“ an; ebenso trugen Bettelei und Hilfsdienste zum Lebensunterhalt der Scholaren bei.

Küsterschulen: Im Anschluss an die Reformation verbreiteten sich im 16.Jahrhundert zunächst in evangelischen Pfarreien „deutsche“ Schulen über den ländlichen Raum. Sie sollten das für das Bibellesen notwendige Wissen vermitteln. Jeder Unbescholtene, der über entsprechende Kenntnisse verfügte, konnte zum Lehrer gewählt werden. Die Schulaufsicht führte der Pfarrer. Oft waren es ehemalige Soldaten oder Handwerker, die nebenbei den Küsterdienst versahen und in ihrer Wohnstube oder von Haus zu Haus den Dorfkindern Buchstabieren, Lesen, Katechismus und Kirchenlieder beizubringen versuchten. Gerechnet wurde meistens nicht.

Lateinschulen: Während auf dem Land höchstens an eine Elementarbildung zu denken war, boten städtische Lateinschulen seit Mitte des 16.Jahrhunderts die notwendige Vorbildung sowohl für kirchliche wie für öffentliche Ämter. Die Schulordnungen regelten mit Zucht und Strenge das Schulleben. Die Lehrer waren oft Theologen, die auf Pfarrstellen warteten oder sich für das Lehramt berufen fühlten. Gelesen wurden lateinische, griechische und hebräische Texte, an denen zugleich Geschichte und Literatur erklärt wurde. Realien und Mathematik spielten oft eine untergeordnete Rolle.

Ländliche Volksschule: Allen Verordnungen der Landesfürsten zum Trotz, schon im 18. Jahrhundert die allgemeine Schulpflicht einzuführen, wurden erst im Laufe des 19. Jahrhundert alle Kinder von der Schule erreicht. Anders als in der Stadt bestimmte auf dem Land die überwiegend einklassige Dorfschule das Bild, in der ein Lehrer bis zu 100 Schülern unterschiedlichen Alters unterrichtete. Gegenüber der städtischen Volksschule war der Lehrstoff in den Fächern Lesen, Schreiben, Religion, Singen und Rechnen eingeschränkt. Erst ab 1872 wurde die Stundentafel modernisiert, Religion eingeschränkt und die Realien (Naturlehre, Erdkunde, vaterländische Geschichte) ausgebaut.

Nähschulen: Zur „Hebung des allgemeinen Wohlstandes und Gewerbefleißes“ erließ die Obrigkeit im 18. Jahrhundert vielerorts Verfügungen zur Einrichtung von Schulen, die – nach der normalen Schule – praktische Kenntnisse vermitteln sollten. Den Unterricht erteilte die Lehrersfrau oder eine andere ehrbare, geeignete Persönlichkeit. Die Dorfmädchen glaubte man derweil „von der Straße“.

Städtische Volksschule: „Mit Volksschule pflegt man in Deutschland diejenigen Lehranstalten zu bezeichnen, welche dazu bestimmt sind, ... die große Masse der schulpflichtigen Kinder zu unterrichten und diese zu dem jeweilig als unentbehrlich ... angesehenen elementaren Wissen und Können anzuleiten.“ (Zitat, 1875) Diese Schulen verfügten in der Regel in den Städten über drei und mehr Klassen und waren zum Teil gut ausgestattet. Eine Sonderform in den im 19. Jahrhundert entstehenden Industriezentren bildeten die „Armenschulen“, die von armen Eltern kein Schulgeld verlangten.

Bürgerschulen: Dem aufstrebenden Bürgertum des frühen 19. Jahrhundert genügten weder die alten Lateinschulen oder humanistischen Gymnasien noch die niederen deutschen Schulen für das einfache Volk. Selbstbewusste städtische Beamte, Advokaten und Geschäftsleute setzten sich für Bürgerschulen ein, in denen ihre Kinder – allerdings meist Jungen – von Lehrern mit pädagogischem Anspruch mit Hilfe ausgewählter Lehrmittel lebenspraktisch unterrichtet wurden. Während Bürgerschulen zu den „Mittelschulen“, den Vorläufern der heutigen Realschulen zu rechnen sind, gehen die „Höheren Bürgerschulen“ in „Realgymnasien“ und „Oberrealschulen“ auf.

Mittelschulen: Zwar gab es schon im 18. Jahrhundert Realschulen, aber erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts berücksichtigten die sogenannten Mittelschulen als Vorläufer der heutigen Real- und Berufsschulen die Bedürfnisse des gewerblichen Lebens wie neuere Fremdsprachen oder gewerbliches Rechnen. Dies und die Tatsache, dass lange Zeit allein Gymnasialabgänger nach der Tertia das „Einjährige“ (= Reduzierung der Militärzeit auf ein Jahr) erhielten, ließ die meisten Eltern das Gymnasium für ihre Söhne vorziehen. Bis ins 20. Jahrhundert schickte man eher die Töchter zur Mittelschule. Seit 1959 gilt für Schulen dieses Typs die einheitliche Bezeichnung „Realschule“.

Gymnasium: In der Nachfolge der Lateinschulen, besonders aber durch die Normierung des Abiturientenexamens 1812 kristallisierte sich das Gymnasium allmählich als „die“ Bildungsanstalt für alle Karrieren im höheren Staatsdienst und die freien Berufe heraus. Tragende Säulen der Ausbildung waren die klassischen Sprachen, die antike Kultur stand im Mittelpunkt der Betrachtung. Daneben entwickelten sich im 19. Jahrhundert höhere Schulen, die sich stärker an modernen Sprachen und den Naturwissenschaften orientierten, aber erst ab 1900 die Berechtigung zum Universitätsstudium erteilen durften.

Privatunterricht: Kinder aus besserem Hause ließ man gern von einem Hauslehrer, Hofmeister oder einer Gouvernante unterrichten; bis zum Jahr 1920 waren diese Kinder damit von der Schulpflicht befreit. Trotz anspruchsvoller Anforderungen bei kärglicher Besoldung waren viele Universitätsabsolventen im 19. Jahrhundert gezwungen, als Hauslehrer in herrschaftliche Dienste zu treten. Für gebildete, unverheiratete Frauen war die Tätigkeit als Erzieherin oder Gouvernante eine der wenigen Möglichkeiten, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Eine gemeinschaftliche Erziehung für „höhere Töchter“ fand in den zahlreichen Pensionaten und Instituten statt.

Gesamtschulen: Bedingt durch enormen Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften und der Forderung nach mehr Chancengleichheit im Bildungssystem wurden ab 1969 integrierte Gesamtschulen eingerichtet. In ihnen werden alle Schüler, die sonst Gymnasien, Real- oder Hauptschulen besuchen müssten, bis Klasse 10 gemeinsam unterrichtet. Den unterschiedlichen Begabungen versucht man durch ein breitgefächertes Angebot und Wahlmöglichkeiten gerecht zu werden. Neben Fachunterricht gibt es fächerübergreifenden Projektunterricht. Im sogenannten Team-Gruppenunterricht arbeiten mehrere Lehrer im Team zusammen.

 

Dieses war der erste Streich und der zweite folgt sogleich.

 

Wilfried „Billie Wichai“ Müller, Email: wichai@t-online.de, Mobil: 0171 2217 530, Frühlingstraße 2, 73447 Oberkochen oder Postfach 1328, 73444 Oberkochen

 
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