Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 721
 

Meilensteine Teil 1c – Die End40er und 50er Jahre

 

1956 im Jahr des Affen – Burmesischer Kalender 1318

 

Welt.

Im Oktober begann in Ungarn der Volksaufstand, der von der Sowjetarmee gewaltsam beendet wurde. In Kuba startete Fidel Castro seinen Guerillakrieg und das erste Flugzeug landete am Südpol. Aufruhr in den prüden USA – Elvis kreierte seinen Hüftschwung mit „Hound Dog“. Die Mädels fielen reihenweise in Ohnmacht und die Sittenwächter witterten den Verfall aller Sitten. Die Hochzeiten des Jahres – Grace Kelly heiratete Fürst Rainier (Alfred Hitchcock verlor damit seine Lieblingsschauspielerin) und Marylin Monroe den Schriftsteller Arthur Miller. Erstbesteigungen von Lohtse, Manaslu und Gasherbrum II.

 

Deutschland.

Am 1. Januar begannen die ersten 1.500 Freiwilligen (es gab noch keine Wehrpflicht, die trat dann im Sommer in Kraft) ihren Dienst in der Bundeswehr. Der Stuttgarter Fernsehturm wurde eröffnet und Adolf Hitler durch ein Gericht offiziell für tot erklärt. Meine Borussia aus Dortmund wurde Deutscher Meister (da war ich aber mangels des richtigen Alters noch kein Fan) und der Österreicher Freddy Quinn machte mit „Heimweh“ von sich reden. Der BR strahlte den ersten Werbespot der TV-Geschichte aus: Beppo Brem und Liesl Karstadt warben für Persil.

 

Oberkochen.

Neue Wohnungen ohne Ende an den Hängen unter unserem Wald (Archiv Müller)

 

(1) Carl Zeiss (Heidenheim/Oberkochen) bekam die Namensrechte gerichtlich zugesprochen. Die Jenaer durften in West-Berlin und West-Deutschland den Namen Carl Zeiss nicht mehr führen. (2) Wegen des anhaltenden Wachstums wurden verschiedene Baugebiete mit einem Vorkaufsrecht der Gemeinde belegt. (3) Die Schützengilde führte ihr erstes Übungsschießen durch. (4) Die Arbeitsgemeinschaft für Lehrerfortbildung traf sich unter der Leitung von Rektor Hagmann zum Thema „Wer immer strebend sich bemüht“. Das sei auch letztlich das Berufsethos der Pädagogen und nicht das Verhalten der Schüler. Fazit der Tagung: Wenn alle Lehrer mit der notwendigen Pflichtauffassung in der Schulstube stünden, sei alles gut. Auch wenn dadurch noch lange nicht bei jedem Schüler Wunder bewirkt werden könnten. (5) Die Modelleisenbahner bekamen von Bahnhofsvorsteher Feil eine Führung mit eindrucksvollen Zahlen belegt: 17 Bedienstete in 3 Schichten sorgten für den Ablauf von 70 Personen- und Güterzügen innerhalb von 24 Stunden. Morgens und abends benützten ca. 3.500 Pendler den Bahnhof. Pro Monat wurden rund 1.400 Tonnen Güter umgeschlagen. (6) Und wieder mussten die Oberkochner von der Gemeinde gemaßregelt werden. Gab es doch Bürger, die aus Angst vor dem Einfrieren der Wasserleitungen ständig !!!! das Wasser laufen ließen. Aus diesem Grund konnten die Hochbehälter nicht mit dem notwendigen Wasserstand gefüllt werden, um im Brandfall genug Löschwasser zu haben. Der Sache kam man durch „Horchgeräte“ auf den Grund. Mein Gott, muss Wasser früher billig gewesen sein. (7) Das Pfaff-Nähmaschinenhaus Eisele veranstaltete einen 2-wöchigen Nähmaschinenkurs an dem 65 Frauen und Mädchen in 3 Schichten von 3 Ausbildern geschult wurden. (8) Der FC Oberkochen wird von 73 Personen gegründet. Vorsitzender Fritz Richter, Ausschuss C. Karl, E. Schwarz, W. Fritsch, J. und A. Metzger, E. Weber, E. Paintschek und A. Gutheiß. Der TV Oberkochen gab kurz danach bekannt, dass er weiterhin Fußball spielen würde. (9) Das Eisenwarengeschäft Jos. Köhler eröffnete in der Aalener Straße.

 

Das Modell für Oberkochens Zukunft (Archiv Rathaus)

 

(10) für den Bereich „Bühl-Gutenbach-Tierstein“ wurden 800 Wohnungen für 3.000 Menschen in Angriff genommen. Man sah das Ganze als Musteranlage für eine Großsiedlung an. (11) Die Schützengilde begann mit dem Bau des Schützenhauses. An gleicher Stelle war früher schon ein Schießstand, der aber nach 1945 demontiert werden musste. (12) Neue Geldeinzieherin der Gemeinde wurde Paula Neubert, die neben dem Wasserzins nun auch Steuern und Abgaben einzog. (13) Seit nunmehr 50 Jahren waren die Barmherzigen Schwestern vom Orden des Hl. Franziskus des Klosters Reute in unserer Gemeinde tätig. Ihre Aufgaben waren Tagespflegen, Nachtwachen, Verbände anlegen, Massagen verabreichen sowie pädagogische Arbeiten im Kindergarten und tw. Handarbeitsunterricht in der Volksschule.

 

Das spätere Modehaus „Krok“ in seinen Anfängen im „Hirsch-Gebäude“ (Archiv Müller)

 

(14) Das Textilhaus „Krok“ erweiterte sich um eine Herrenabteilung. (15) Die Naturfreunde erwarben ein 2.000 qm großes Grundstück, um ihren Traum eines Naturfreundehauses umsetzen zu können. (16) Das Möbelhaus Fitzek aus Neresheim bezog beim „Golda-Bauer“ in der Heidenheimer Straße modern gestaltete Geschäftsräume. (17) Pfarrer Hager nahm den Kampf gegen die sog. Schundliteratur auf. Wer bei ihm 3 Schundhefte abgab, bekam 1 hochwertigeres Heft im Austausch. Was das für Hefte das waren ist leider nicht bekannt. Der Austausch wurde sicher erst nach dem Lesen des „Schundes“ vorgenommen. Das Urteil um die Carl-Zeiss-Namensrechte im Westen wurde wie bereits in erster Instanz zugunsten Zeiss Oberkochen entschieden. (18) Josef Müller wurde 85 Jahre alt. Als Geselle war er 38 Jahre beim Herrgotts-Häfner und ab 1929 Wegknecht und Nachtwächter beschäftigt. Später war er noch im Steinbruch tätig. In Begleitung des Gemeindepolizeiwachtmeisters Maier hatte er samstags und sonntags in den Gaststätten abgeboten, d.h. die Polizeistunde angekündigt. So lang „hockt heut‘ koiner meh“ und die Wirte halten es auch nicht mehr so lange aus. S isch halt au nemma dees.

 

Meine kleine Welt.

An Ostern bekam ich einen Roller geschenkt und lernte dann sehr schnell, dass man bergab bremsen muss. Wenn man aber die Bremse nicht fand, konnte man nur schmerzhaft mit den Knien bremsen.

 

Klein-Wilfried bekommt sein erstes Fahrzeug – ein Ferbedo Tretroller (Archiv Müller)

 

1957 im Jahr des Hahns – Äthiopischer Kalender 1949/50

 

Welt.

Auf Louis Armstrong wurde ein Sprengstoffanschlag verübt – die spinnen, die Weißen in den USA. In Thailand gingen zum ersten Mal, wegen angeblich gefälschter Wahlen, die Studenten auf die Straße (das Thema verfolgt uns dort bis heute und ich habe in meinen Urlaubszeiten dort einiges erlebt bis hin zu Niederschlagungen von Protesten mit Gewehren und Panzern und Ausgangsperren). Auf Schloss Sigmundskron (heute eines der Messner Museen) forderten 35.000 Südtiroler eine neue Autonomie. Ab ins All – der Satellit „Sputnik“ und ein paar Wochen später die Hündin „Laika l“ - Die „Sofjetts“ (wie Adenauer immer sagt) hatten die Nase vorn. In Liverpool eröffnete der „Cavern-Club“, indem später die Beat-Musik geboren werden wird und John Lennon (17) traf Paul McCartney (15) zum ersten Mal. Und wieder war Hermann Buhl auf dem Weg nach oben und eroberte den „Broad Peak“. Im September ging das Segelschiff „Pamir“ in einem Hurrikan unter.

 

Deutschland.

Die ersten Wehrpflichtigen rückten am 1. April ein. Der längste Streik seit 1905 ging zu Ende. Nach 114 Tagen erstreikten sich die Metaller in Schleswig-Holstein die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Ein klassisches Beispiel für die Notwendigkeit von Gewerkschaften. In Bayern wurde beim Torfabbau eine alte Kiste gefunden. Statt eines Schatzes lag aber „Rosalinde die Moorleiche“ aus dem Jahr 1100 darin. Eine weitere Tote sorgte für Furore. Rosemarie Nitribitt wird in Frankfurt ermordet. Bis heute konnte der Fall nicht geklärt werden. Und wieder schnappten sich die Dortmunder Borussen die Meisterschaft und Margot Eskens sorgte für den Hit des Jahres „Cindy oh Cindy“.

 

Oberkochen.

(1) Die Verwaltung veröffentlichte folgende statistische Zahlen: 1956 gab es 125 Geburten (67 m, 58 w), 64 Ehen, 3 Scheidungen, 35 Todesfälle (20 m, 15 w), 10 Kirchenaustritte (7 ev., 2 kath., 1 neu-apo.), 381 Fälle für Friedensgericht und Vollstreckungsbehörde. 115 Baugesuche werden genehmigt und seit 1948 wurden 930 neue Wohnungen gebaut. Man sieht – es war was los in der Gemeinde. (2) Der FC Oberkochen fasste den mutigen Beschluss im Kreuzwasen ein neues Vereinsheim zu erstellen, die Mitgliederzahl betrug bereits 195. (3) Die Zahl der ABC-Schützen stieg wieder an. 62 Mädchen und 61 Buben wurden in 3 Klassen untergebracht. (4) Dr. Hans Schmid gründete in Zusammenarbeit mit dem Kinobesitzer Albert Schleicher die „Filmgilde Oberkochen“ mit dem Ziel „Gute Filme“ zeigen zu wollen. Sie zeigten anfangs die 3-stündige Mozart-Oper „Don Giovanni“. Ein weiterer Versuch gegen kulturellen Schund vorzugehen. Was die damaligen Vorreiter wohl zum heutigen Trash-TV sagen würden? Die Sprache würde es ihnen wohl verschlagen. (5) Zum ersten Mal finden wir einen Bericht über die berühmten Treppenbauer-Kurse des Willibald Mannes jun. Die rund 50 Teilnehmer aus der ganzen Republik vertieften ihr Wissen in einem 8-tägigen Kurs und besuchten dabei auch die Firmen Gebr. Leitz, J.A. Bäuerle, Oppold und Wilhelm Grupp. (6) Das Progymnasium, eine Außenstelle des Schubartgymnasiums Aalen, begann den Unterricht mit Lehrer Diebel im heutigen „Schillerhaus“ in der Aalener Straße. (7) Der Baubeginn des Jugendarbeiterwohnheims, mit Platz für 80 Bewohner, in der Jenaer Straße 2 fiel in diese Zeit. (8) Der TVO-Fußball feierte sein erfolgreiches 25jähriges Bestehen. (9) Auch Diebe waren wieder nächtlich unterwegs. In einer einzigen Nacht waren die Kreissparkasse, eine Möbelverkaufsfiliale und ein Bauernhaus neben der KSK-Filiale die Ziele. Aber, Satz mit X, war wohl nix. Mehr als ein paar Wurstdosen aus dem Bauernhaus waren für sie nicht drin. (10) Das neue Schützenhaus wurde eingeweiht. (11) Dr. Karl Herrligkoffer sprach im Kino im Dreißental vor reichlich Publikum über die Eroberung des Nanga Parbat, der oft als Schicksalsberg der Deutschen bezeichnet wird. (12) Der BCO, Box Club Oberkochen, wurde gegründet. Erster Vorsitzender war Erich Knopf. (13) Der Elternbeirat mit seinem Vorsitzenden Dr. Hans Schmid entrüstete sich über einen Wechsel der Schulbücher und die daraus entstandenen Kosten für Schule und Eltern. Die Entlassklasse bekam einen Erste-Hilfe-Kurs und kein Schüler verließ die Schule, ohne dass er/sie schwimmen konnte. (Kooperation mit dem Heidenheimer Hallenbad). Die Schulspeisung blieb erhalten und die körperliche und gesundheitliche Verfassung der Klasse 1 wurde als auffallend gut eingestuft. Und heute? Nicht alles veränderte sich zum Besseren. (14) Auch die Revision wurde abgeschmettert, die Namensrechte blieben definitiv bei Carl Zeiss Oberkochen. (15) 270 Wohnungen, jede mit Bad und Loggia, wurden bezugsfertig. Die Bauträger der neuen Siedlung waren das Siedlungswerk der Diözese Rottenburg, die Kreisbaugenossenschaft Aalen und die Carl Zeiss Wohnungsbau GmbH. (16) Wo immer mehr Menschen wohnten, musste auch immer mehr entsorgt werden. Die neue Kläranlage wurde innerhalb von 15 Monaten fertiggestellt. (17) Und wieder verließen 3 junge Auswanderer ihre Heimat – Willi Rühle, Adolf Hirner und Wolfram Eichenberg zogen nach Winipeg in Kanada. (18) Die erste Beisetzung auf dem neuen städtischen Friedhof wurde für den Bankvorsteher i.R. Bernhard Rudolphi durchgeführt. Das war anfangs sicher ein seltsames Gefühl, den neuen Friedhof mit sehr wenigen Gräbern zu erleben – z.B. an Allerheiligen. (19) Der Haushalt der Gemeinde sprang erstmals auf über 2 Mio DM und die Gewerbesteuereinnahmen betrugen stattliche 950.000 DM. (20) Carl Zeiss gab das Bergheim zugunsten des Progymnasiums frei. (21) Carl Zeiss zahlte zum ersten Mal eine Jahresabschlussprämie (3 % des Jahresverdienstes) an seine Belegschaft aus. Das Elektrogeschäft Fritscher freute sich sicher sehr darüber. (22) Der Cafe-Besitzer (Turmweg) Josef Gold ist 80jährig verstorben. Von 1902 bis 1927 war er für die Gemeinde als Amts- und Polizeidiener, als Wachtmeister und Fleischbeschauer tätig.

 

Meine kleine Welt.

Der Kindergarten im Wiesenweg 1959 (Archiv Müller)

 

Ich sollte in den Kindergarten im Wiesenweg zu den katholischen Schwestern gehen. Dort gefällt es mir aber gar nicht (es wird zu viel gepetzt) und so stromerte ich lieber in Feld und Wald herum, bis das nach ein paar Tagen auffiel. Meine Eltern entsprachen meinem Wunsch, soziales Verhalten auf der Kinder-Straße und nicht im Kinder-Garten zu lernen, denn Kinder gab es reichlich am Sonnenberg.

 

Ein Teil der Kinder vom Sonnenberg im trockengelegten Pool (Archiv Müller)

 

1958 im Jahr des Hundes – Hindu Kalender nach Vikram 2014/15

 

Welt.

Kurzes Glück war dem Schah und seiner Soraya beschieden – sie wurden wegen Kinderlosigkeit geschieden. Walter Ulbricht verkündete (ganz schön anmaßend) die „10 Gebote der sozialistischen Moral und Ethik“. Dann ist da aber im Laufe der Jahrzehnte wohl einiges schiefgelaufen. Die NASA wurde gegründet, damit es auch im All vorangeht. Toni Sailer feierte seinen letzten großen Erfolg: Weltmeister in Abfahrt, Riesenslalom und Kombination (ein Teufelskerl). Bei der Fußballweltmeisterschaft in Schweden gewann Brasilien mit 5:2 gegen Schweden.

 

Deutschland.

In Flensburg wurde die Verkehrssünder-Kartei eingerichtet. Elvis traf in Deutschland ein, um seinen Wehrdienst abzuleisten. Die Mädels standen Kopf. In der Münchner City (im gleichen Jahr 800 Jahre alt geworden) stürzte der BEA Flug 609 mit der Fußballmannschaft von Manchester United (die sog. Busby Babes) mit Journalisten und Fans ab. Der spätere Lieblingsverein meines Bruders wurde Deutscher Meister: Schalke 04 – aber er musste als Kind viele Tränen vergießen, weil sie das nicht allzu oft wurden. Der Hit des Jahres – Mitch Miller und der „River Kwai March“. Als Beispiel zeige ich an dieser Stelle das Fernsehprogramm innerhalb einer Woche – was haben die Menschen wohl damals ohne TV gemacht? Ganz einfach, ein emsiges Vereinsleben geführt und in Haus und Garten gewerkelt.

 

TV-Programm aus dem Jahr 1958

 

Oberkochen.

(1) In der neuen Siedlung eröffnete das erste Lebensmittelgeschäft „Griesser“ mit der berühmten Milchbar im hinteren Bereich. (2) Der schwäbische Albverein forderte, dass die Besatzungsmacht USA den Volkmarsberg endlich wieder freigeben soll. (3) Der „Jedermann“, den jeder Mann und auch jede Frau aus Salzburg kennt, kam mit dem Kammerspielkreis Lübeck nach Oberkochen und wurde im Kinosaal aufgeführt. Die Bühne war überschaubar, aber das Ganze war im vollbesetzten Kinosaal trotzdem sehr eindrücklich.

 

Der FCO baut ein Vereinsheim im Spitztal auf den Burrenwiesen (Archiv Rathaus)

 

(4) Der FCO musste umplanen. Mit dem geplanten Vereinsheim wurde es nichts. Ein wichtiges Grundstück gehörte der Stadt Aalen und ein gemeinsamer Spielbetrieb auf dem Sportplatz im Kreuzwasen zusammen mit dem TVO wurde als nicht machbar angesehen. Also ging’s ab in den „Langert“. Mit Michael Gold und Josef Fischer wurde für die „Burre-Wiesen“ ein 10jähriger Pachtvertrag abgeschlossen, zwei weitere Grundstücke kamen noch hinzu, der Gutenbach wurde verlegt und dann konnte es mit Platz und Vereinsheim losgehen. Mein Vater arbeitete auf dem Dach, Kamerad Mebert stand davor und meinte: „Des macht m’r so ond sell so.“ Da sagte mein Schorsch: „Mach’s doch selber“, legte den Hammer auf das Dach, stieg die Leiter hinunter und ging heim (so erzählte es mir der Done Gutheiß). Nach ein paar Monaten Arbeit wurde Einweihung gefeiert. Als Mannschaften waren der Patenverein 08 Unterkochen und die Viktoria aus Augsburg eingeladen. (5) Der Kreisfeuerwehrtag fand mit 40 Wehren im Wettkampf und mit viel Show statt. Hurra Hurra die Schule brennt, aber nur zu Übungszwecken als Hauptübung. Der Unterricht konnte am Montag darauf normal weitergehen. Nach den Übungen wurde mit einem großen Umzug und einem Festzelt für 1.500 Besucher kräftig gefeiert und gelöscht.

 

Das Naturfreundehaus in der Nähe des alten Steinbruchs – da steht das neue heute auch (Archiv Müller)

 

(6) Das Naturfreundehaus erfuhr beim alten Steinbruch seine Einweihung. (7) Beim Deutschen Turnfest in München waren wieder viele Turner des TVO im Einsatz und brachten 18 Siegerkränze nach Hause: Herbert Bräuning, Leonhard Dickenherr, Hans Ditsch, Helga Dubiel, Hans Düver, Gebhard Fischer, Reiner Heid, Brigitte Herold, Gert Hillje, Gustav Joppich, Wolfgang Leidig, Helga Müller, Josef Merz, Edith Pflauger, Hans Seyfahrt, Edmund Schoch, Ingeborg Scholz, Bruno Weiland, Peter Weinhart, Heinrich Weng sowie Gernot Wunderle.

 

1958 Die Turnriege des TVO beim Deutschen Turnfest in München u.a. Hans Dietzsch, Peter Weinhart, Edmund Schoch, den beiden L. Dickenherrs, Gebhard Fischer. (Archiv Müller)

 

(8) Der weltweiten Bedeutung unserer Firmen entsprechend, schlossen sich diese an das weltweite Fernschreibnetz an. Die ersten waren J.A. Bäuerle, Carl Zeiss, Wilhelm Grupp, Günter & Schramm, Kaltwalzwerk, Gebr. Leitz, sowie die Speditionen Adolf Fischer und Petershans & Betzler. (9) Konrad Forster kam als Pfarrverweser in die katholische Kirchengemeinde und war über lange Jahre sehr prägend tätig. (10) Jetzt aufgepasst. So wurde damals tatsächlich noch in der Presse geschrieben: „Der BCO verliert haushoch mit 4:14 gegen die US-Divisionsstaffel Göppingen, auch Negerstaffel genannt.“ Der Rückkampf in unserer Turnhalle vor 800 Zuschauern verlief zwar besser, aber zu gewinnen gab es auch da nichts. (11) der Briefmarken-Sammler-Ring Carl Zeiss beging sein 10jähriges Jubiläum. (12) Die erste Kreiskonferenz der SPD fand im neuen Naturfreundehaus statt. (13) Und wieder war Carl Zeiss sozialer Vorreiter. Das Thema „Gleicher Lohn für Frauen“ würde in Kürze umgesetzt, wie auf einer Betriebsversammlung stolz verkündet wurde. (14) In der Presse fand sich ein Beitrag über das berühmte „Bambi“ aus dem Turmweg (Haus und Garten Wolf). Unwissende hatten es 1952 aus dem Wald mitgebracht und über Umwege landete es schließlich bei Robert Wolf. Im Garten sah man oft „Bambi“ und den Wolf’schen Langhaardackel „Hexe“ um das grüne Häuschen herumtollen.

 

Meine kleine Welt.

 

Klein-Wilfried und sein noch kleinerer Bruder Harald - später „Harry oder Boxer“ genannt (Archiv Müller)

 

Sie wurde etwas größer. Mein Bruder Harald wurde am 12. März, auch dieses Mal mit Unterstützung unserer Hebammen-Oma, in Waldhausen geboren und ich musste lernen, dass nun ein Bruder, mit dem ich noch nichts anfangen konnte, integriert werden musste. Die Schwäpo hatte ihr 10jähriges und stellte in einer Sonderbeilage alle ihre AusträgerInnen vor.

 

1958 Die Austrägerinnen der Schwäpo

 

1959 im Jahr des Schweins – japanischer Kalender nach Koki 2619

 

Welt.

Der Dalai Lama floh ins Exil. Der Schah brauchte dringend eine neue Frau – und fand Farah Diva, die rasch durch ihre Frisur in Deutschland Furore macht. Ein neues Auto eroberte England und nachfolgend auch Deutschland – der „Mini (Cooper)“. Der Rock & Roll-Himmel bekam Zuwachs – Ritchie Valens, Big Popper und Buddy Holly starben bei einem Flugzeugabsturz und in New York hatte der Film „Ben Hur“ Premiere.

 

Deutschland.

Die deutsche Luftwaffe erhielt 300 Starfighter. Im Gegensatz zu heute, flogen diese. Aber immer zu tief und manche fielen herunter. Heinrich Lübke wurde zum neuen Bundespräsidenten gewählt. Er wird sich im Laufe der Jahre mit vielen Sprüchen blamieren, aber auch unsterblich machen: „Die Leute müssen ja auch mal lernen, dass sie sauber werden“ sowie „Es ist sehr schwierig, jedes Mal eine neue Rede zu erfinden“. Wohingegen die Begrüßung „Meine Damen und Herren, liebe Neger“ wohl doch nicht von ihm stammt. Günther Grass veröffentlichte sein Meisterstück „Die Blechtrommel“. Die Eintracht aus Frankfurt wurde im Lokalderby gegen die Offenbacher Kickers Deutscher Meister und der Tophit erschien am Schlagerhimmel – Freddy’s „Die Gitarre und das Meer“.

 

Oberkochen.

(1) Die Modellbahnausstellung in der Dreißentalturnhalle endete am 1. Januar mit weit über 4.000 Besuchern aus dem Umland, aus Süddeutschland und dem Rheinland. (2) Die Gemeinde hatte inzwischen 7.400 Einwohner.

 

Meine kulturelle Heimat in der Kindheit – die Ortsbibliothek im heutigen Schillerhaus (Archiv Müller)

 

(3) Die Gemeindebibliothek mit der ersten Leiterin, Helma Braun, wurde im heutigen Schillerhaus eingerichtet und von Bürgermeister Gustav Bosch mit den Worten: „Nimm und lies“ eröffnet. (4) In diesem Jahr gab es noch 38 bäuerliche Betriebe, die rund 400 ha bewirtschafteten, wobei 20 ha für die neue Umgehungsstraße abgezwackt werden mussten. (5) Sieh da, sieh da Timotheus…… auch Gebr. Leitz zahlte erstmals eine 3%ige Jahreserfolgsprämie auf das Bruttoeinkommen. Manchmal muss der neue Platzhirsch eben vorausgehen ☺. (6) Im April begann der Unterricht im neuen Progymnasium (sogar mit einem eigenen Schulwimpel) im Bergheim am Turmweg unter dem neuen Rektor Volkmar Schrenk. Am neuen Ort waren nun 139 SchülerInnen und 5 Lehrkräfte zuhause. (7) Der gebürtige Gmünder Pfarrer Konrad Forster feierte mit der katholischen Kirchengemeinde seine Investitur. (8) José Sogas eröffnete mit seiner Lydia sein neues Lebensmittelgeschäft in der Lerchenstraße. (9) Die Naturfreunde feierten im neuen Domizil mit 2.000 Gästen die Bezirks-Sonnwendfeier natürlich mit den beiden Liedern „Wenn wir schreiten Seit‘ an Seit“ und „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“.

 

Die Drogerie „Irion“ Ecke Bahnhofstraße – heute ein Parkplatz (Archiv Müller)

 

(10) Ulrich Irion eröffnete nun auch die Rathaus-Drogerie an der Ecke Heidenheimer Straße / Bahnhofstraße. (11) 32 Düsseldorfer Kinder verbrachten im neuen Zeiss-Jugendwohnheim einen 6-wöchigen Ferienaufenthalt. Ein Motto lautete: „Jeder soll sich sattessen“, also wurden täglich 5 Mahlzeiten angeboten (wie’s halt früher war: Frühstück, Vesper, Mittagessen, Vesper, Abendbrot). (12) Mit einem großen Fest und dem obligatorischen Umzug wurde die Einweihung des neuen Allwetter-Sportplatzes (dem ersten in den beiden Kreisen Aalen und Heidenheim) mit Aschenbahn und Leichtathletik-Anlagen im Kreuzwasen gefeiert. Der neue Rasen wurde von den Sportfreunden Schwäbisch Hall und einer kombinierten Oberkochner Mannschaft eingeweiht. Danach gab es einen Hindernisstaffellauf zwischen TVO und BCO. Anschließend durften die Feldhandballer des TVO gegen eine Heidenheimer Auswahl antreten. Das geplante abschließende Fest fiel einem aufziehenden Unwetter zum Opfer. (13) Das Amtsblatt berichtete stolz, dass es einen Gewinn von 519 DM erwirtschaftete (Ausgaben 17.774 DM gegen Einnahmen 18.294 DM). Wie sieht’s da heute aus? (14) Der Schachverein veranstaltete wieder ein Simultan-Schachturnier. Der „Schachprofessor“ Ludwig Rellstab aus Ludwigsburg verblüffte seine Gegner mit einer ungewohnten Schnelligkeit und Routine. Er gewinnt 28 Spiele, 9 gingen Remis aus und 3 verlor er bei einer Gesamtzahl von 1.600 Zügen. (15) Bürgermeister Bosch sprach vor 380 jungen Menschen im Rahmen der ersten Jungwählerfeier in der festlich geschmückten Turnhalle. (16) In der Gemeinde gab es 6.360 Arbeitsplätze, wobei 3.397 davon auf Pendler entfallen. (17) Die neue Umgehungsstraße wurde endlich fertig. (18) Der FCO ist aus der A-Klasse in die B-Klasse abgestiegen und spielte jetzt mit dem TVO in einer Liga. Das hatte man sich sicher anders vorgestellt. Am Jahresende führte der FCO aber die Tabelle souverän an und zeigte wo er hin will – nach oben.

 

1959 Der FCO will wieder ins Oberhaus

 

(19) Die Einwohnerzahl im Laufe der Zeit: 1856 waren es 1.117 EW, 1910 unwesentlich mehr 1.267 EW, 1959 aber schon 7.525 EW. Wie weit wird es noch gehen? (20) Der Gemeinderat Anton Balle erhielt die Bundesverdienstmedaille für seine vielfältigen Aufgaben im Gemeinderat, im Kath. Kirchenstiftungsrat, in der Realgensossenschaft, in der Milchverwertungsgenossenschaft und in Oberkochner Bank sowie im Landwirtschaftlichen Ortsverein und im Viehversicherungsverein (hoffentlich habe ich da jetzt nichts vergessen ☺.)

 

Meine kleine Welt.

Ich wurde ABC-Schütze und damit Schüler der Volksschule im Dreißental bei unserer Klassenlehrerin Frau Erben. Es begann eine Schulzeit, die sich viele heute so nicht mehr vorstellen können. Aber erstmal ging es darum Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen und sich um gutes Betragen und um Mitarbeit zu bemühen. Die letzten zwei Punkte waren mir ein Dorn im Auge. Kaum hatte die Bibliothek geöffnet, stand ich schon dort, bekam den Ausweis Nr. 7 und ein Heft, in das ich alles eintragen und bewerten musste, was ich auslieh. Beim sommerlichen Flugtag in Elchingen stürzte ein Oberfeldwebel der Bundeswehr mit seiner Maschine bei einem Kunstflug ab, die Maschine ging in Flammen auf und der Pilot starb in den Trümmern seiner Maschine.

 

Das war die erste Berichtsreihe über die Jahre 1948 bis 1959. Die Reihe wird fortgesetzt werden.

 

Wilfried „Billie Wichai“ Müller, Email: wichai@t-online.de, Mobil: 0171 2217 530, Frühlingstraße 2, 73447 Oberkochen oder Postfach 1328, 73444 Oberkochen

 

 
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