Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 716
 

Besondere Tage im alten Jahreskreislauf – Teil 4

 

Intro.

Als Abschluss bietet es sich an, die Sammlung „Sitten und Bräuche“ von Karl Günter (gest. 1934) und Alfons Mager (gest. 1946) in diesem Rahmen der Leserschaft vorzustellen.

 

Vorwort.

Durch die Industrialisierung und Bevölkerungsumschichtung vor und insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg in Oberkochen wurde das alte Brauchtum immer mehr verschüttet und fiel der Vergessenheit anheim. Hauptlehrer Günter hat in den Zwanzigerjahren eine ausführliche Sammlung volkstümlicher Überlieferungen in Oberkochen geschrieben, aus der die nachstehenden Aufzeichnungen aber nur solche Bräuche berücksichtigen, die für Oberkochen typisch sind und anderenorts nicht in gleicher Weise gepflegt worden sind.

 

Feste und Feiertage im Jahreslauf.

Der Nikolaustag. Am Abend des Nikolaustages (6. Dezember) kam (vorwiegend in katholischen Häusern) der Nikolaus zu den Kindern. Vermummt in ein weißes Kleid oder einen langen Mantel, aus dem nur der lange weiße Bart hervorschaut, mit einem Sack oder Korb bepackt und einer Rute in der Hand, machte er mit einer Glocke die Kinder auf sein Kommen aufmerksam und bange. — In den letzten Jahren erschien er auch in Bischofstracht mit einem Bischofsstab. In seiner Begleitung befand sich dann der dunkel gekleidete Knecht Ruprecht. — Nachdem er vor der Türe nochmals geschellt hatte, trat er ein und sagte: »Ich bin der heilige Nikolaus und bin vom lieben Gott gesandt.« Sodann forderte er die Kinder zum Beten auf und fragte die Eltern, welche Kinder im vergangenen Jahr brav und gehorsam und welche böse und unfolgsam gewesen seien. Die Artigen beschenkte er mit Äpfeln, Nüssen und Kuchen, während die Ungehorsamen und Trägen leichte Rutenstreiche empfingen. Ist der Nikolaus wieder fort gegangen, so hörte man die Kinder oft rufen: »D'r Nikolaus isch komme und hoat m‘r Äpfel und Nüss' verehrt, und wie er mi hoat g'schlaga, han i recht wütich plärrt.« Früher zogen die Kinder am Nikolaustag im Ort herum von Haus zu Haus, wünschten den Leuten Gottes Segen, indem sie denselben zuriefen: »Gut‘s Joahr, gut‘s Joahr, daß 's Korn gut g'roat bis Joahr!« Dafür wurden sie mit Äpfeln, Nüssen und Backwerk beschenkt. Da diese Sitte erwünschte Gelegenheit zum Betteln gab, zogen mit der Zeit auch erwachsene Leute im Dorfe umher.

Die Klopftage. An den dem Weihnachtsfest vorausgehenden drei Donnerstagen warf man früher Erbsen an die Fenster, ohne Zweifel wohl als Warnung vor den in diesen Geisternächten umherschwärmenden überirdischen Wesen. Später war nur noch der letzte Donnerstag vor Weihnachten als Klopftag, hier »Anklopfet«, von Bedeutung. Ähnlich wie am Nikolaustag zogen auch an diesem Tage namentlich die Kinder ärmerer Leute bettelnd im Dorfe umher. Auch wurden die Kinder von ihren Paten mit Brezeln und »Zöpfen« beschenkt.

Das Weihnachtsfest. Am Weihnachtsfest trieben die Leute schon in aller Frühe, oft noch in der Dunkelheit, ihr Vieh zur Tränke. Einer suchte dem anderen zuvorzukommen. Nach dem Volksglauben sollen nämlich die Brunnen um diese Zeit Wein gegeben haben, und das Vieh, das davon getrunken hatte, das ganze Jahr schön und gesund geblieben sein. Als Weihnachtsbaum diente früher neben dem Tannenbaum ein Linden- oder Kirschbaumzweig, der, am Barbaratag (drei Wochen vor Weihnachten) geholt und ins Wasser gestellt, bis zum Christfest ausgeschlagen hatte.

Der Stephanus- oder Johannistag. Am Stephanus- oder Johannistag rechneten die Geschäftsleute unter sich und mit ihren Kunden für die im abgelaufenen Jahr hindurch gelieferten Waren und geleisteten Arbeiten ab.

Der Silvesterabend. Am Silvesterabend pflegte früher der Nachtwächter mit einigen Freunden vor den Häusern das Neujahr anzusingen. Sie wurden dafür mit Naturalien aller Art und auch mit Geld beschenkt.

Der Palmsonntag. Am Palmsonntag trugen die katholischen Kinder manchmal ziemlich große und mit Bändern geschmückte Palmzweige zur Kirche, um dieselben weihen zu lassen. Nach erfolgter Weihe wurden dieselben im Garten so lange aufgesteckt, »bis es zum ersten Mal donnerte.« Dann wurden die Zweige in den Stall, einzelne Kätzchen davon sogar auch in das Bett gebracht, um jede Krankheit von Menschen und Tieren fernzuhalten. Die Kinder erhielten von ihren Paten eine Brezel.

Das Osterfest. Am Osterfest erhielten die Kinder wie überall Süßigkeiten und Eier. Sehr beliebt war bei den Kindern das Aufkippen der Eier. Wessen Ei beim Zusammenstoßen der Spitzen einen Sprung oder ein Loch erhielt, hatte verloren. Er musste sein Ei dem Sieger abtreten. Auch das Eierwerfen war bekannt. Von zwei Kindern hielt das eine ein Ei in der Hand, während das andere ein Geldstück in dasselbe zu werfen versuchte. Gelang es ihm nach dreimaligem Wurf, so erhielt er das Ei, musste aber das Geldstück dem anderen Teil überlassen. Bei der katholischen Bevölkerung kannte man auch die sogenannte Ostertaufe, d.h. das Weihen der Fluren mit Wasser.

Der Erste Mai. In der ersten Mainacht wurde vielfach mutwilliger Scherz getrieben. Im Freien stehengebliebene Geräte wurden von jungen Leuten heimlich versteckt, Wagen abgebrochen und die einzelnen Teile überall hingeführt. Auch steckten die ledigen Burschen ihren Mädchen »Maien« aufs Haus.

Der Himmelfahrtstag. Am Himmelfahrtsfest wurden, möglichst schon vor Sonnenaufgang, von ledigen Mädchen Himmelfahrtsblümchen, die hier Mausöhrle genannt wurden, geholt und Kränzchen gewunden, um das Jahr über gegen Blitzschlag in der Stube aufgehängt zu werden. Ebenfalls schon in aller Frühe ging die katholische Bevölkerung auf den Rodstein zum Kreuz. Auch die verschiedenen Vereine beteiligten sich an dieser Prozession. Unter dem Kreuz wurden im Wechsel einige Kirchenlieder gesungen.

Der Pfingstmontag. Am Pfingstmontag wurde früher ein Vieh- und Krämermarkt abgehalten, der im Volksmund Zuckerles- oder Kräpflesmarkt genannt wurde. In den letzten Jahren erlebte dieser Pfingstmarkt wieder einen Aufschwung. Vieh wird aber schon viele Jahre lang nicht mehr aufgetrieben.

Martini (11. November) war der Wandertag der Dienstboten. Nachts kam zu den Kindern der Pelzmärtel, eine ähnliche Erscheinung wie der Nikolaus, und brachte ihnen Nüsse, Zwetschgen und Äpfel.

 

Der menschliche Lebenslauf.

Ein Kind wird geboren. Das erste Geschenk, das die Mutter des Neugeborenen erhielt, und zwar ein Geldgeschenk, bekam sie von den Paten an der Taufe. Später wurde sie »heimgesucht«, d.h. die Paten brachten ihr eine Weinsuppe, andere Verwandte und Bekannte dagegen einen Hefekranz oder einen Gugelhopf. Nach der kirchlichen Taufhandlung fand der Taufschmaus statt, an welchem neben den Paten auch noch die nächsten Verwandten teilnahmen. »Kranzes« und Kaffee fehlten in der Regel nicht, doch begnügte man sich manchmal auch mit Käse, Weißbrot und Bier. Über den Verlauf einer Taufe berichtet uns Lehrer Günter: Kaum hatte ein Erdenbürger in der alten guten Zeit, die noch reich an idealen Gütern und voll Poesie war, das Licht der Welt erblickt, so wurde er feierlich und mit Musik in die Öffentlichkeit eingeführt. Vier Musikanten holten den Taufzug im Hause ab. Unter den rührenden Klängen des Däbelesmarsches, der in vielen Trillern und Schnörkeln an Lebhaftigkeit nichts zu wünschen übrig ließ, setzte sich der Taufzug in Bewegung. Nach der Musik kamen die Kinder der ganzen Verwandtschaft, dann der »Dote« (Gevatter) mit Hebamme, welch letztere den festlich herausgeputzten Täufling trug. Nach der Taufe ging der Zug in gleicher Ordnung wieder zurück, voraus die freudig schmetternde Musik. Solange der Zug zur und von der Kirche in Bewegung war, wurde fleißig geschossen. Beim folgenden Taufschmaus, zu dem stets Pfarrer und Lehrer geladen wurden, aß und trank man fleißig. Es wurden oft 25 bis 30 Pfund Käse verzehrt und dazu die nötige Menge Bier vertilgt. Bei Gesang und Scherz wurde den ganzen Nachmittag gefestet. In die Nachbarhäuser wurde Kaffee und Kranzes geschickt.

Verlobung und Hochzeit. Wenn zwischen den Partnern und deren Eltern gegenseitiges Einverständnis erzielt worden war, wurde der »Hochzeitstag«, die Verlobung, gefeiert. Von einer dazu berechtigten Gerichtsperson wurde an diesem Tag zwischen den Brautleuten, bzw. deren Eltern ein Ehevertrag niedergeschrieben, der außer den beiderseitigen Vermögensbeibringungen auch noch gewisse Rechte und Verpflichtungen der zukünftigen Ehegatten gegenüber den lebenden Eltern und Geschwistern enthielt. Auswärtige Mädchen brachten früher ihre Aussteuer auf schön geschmückten Wagen, auf dem die Wiege mit Bett nie fehlen durfte, ins Dorf. Vorne saßen die Brautfräulein mit der Kunkel in der Hand, an der die verschiedenen Kindsaussteuerartikel wie Hemden und Kittel befestigt waren. Bei der Einfahrt ins Dorf suchten die Kinder den Brautwagen oft aufzuhalten, indem sie eine Schnur über die Straße spannten. Gegen ein kleines Lösegeld, das ihnen das Brautpaar spendete, ließen sie ihn wieder frei. Am Tag vor der Hochzeit fand der Einzug statt. Schon morgens zwischen zehn und elf Uhr zogen die hiezu beauftragten Kinder von Haus zu Haus, indem sie vor jedem sangen: »Sind Sie auch so freundlich eingeladen zu XYZ‘s Einzug.« Im Laufe des Nachmittags wurde die Aussteuer von den Brautfräulein und den Freundinnen der Braut in das Haus des Bräutigams getragen und dort für jedermann zur Schau ausgestellt. Bei dieser Gelegenheit spielte die Musik den »Häddelesmarsch«. Nachmittags gegen 5 Uhr holte der Bräutigam seine Braut in sein Haus ab, während von einer Anzahl hiezu bestellter Burschen geschossen wurde. Alsdann gingen die Brautleute noch zu den nächsten Verwandten, um dieselben noch persönlich einzuladen zu der abends stattfindenden Einzugsfeierlichkeit. Außer diesen erschienen auch die Nachbarn, die Freunde und sonstige Bekannte. Jeder übergab dem Brautpaar ein Geschenk, wofür er auf Kosten des Bräutigams bewirtet wurde. Die auf den Einzugstag folgende Hochzeit wurde meist am Montag, Dienstag oder Donnerstag abgehalten. Der Hochzeitszug, dem die Musik voranschritt, bewegte sich vom Wirtshaus nach der Kirche. Der Musikkapelle folgten die Schulkinder, dann der Lehrer, welcher den Bräutigam an der Hand führte, dann die ledigen Mannsleute. Diesen folgte die Braut, welche links und rechts von einem Brautführer begleitet wurde. Ein jeder der beiden Brautführer trug in der rechten Hand einen blanken Hirschfänger, später einen langen, blank gezogenen Säbel. Den Schluss des Hochzeitszuges bildeten die Verwandten und Freunde der Brautleute, die — alle mit Rosmarinstengel versehen — paarweise miteinander gingen. Mit gezogener Waffe stellten sich die beiden Brautführer während der Trauung am Altar auf, der eine links, der andere rechts des Brautpaares. Während der Hochzeitszug von der Kirche zum Wirtshaus zurückkehrte, wurden Freudenschüsse abgefeuert. Nach Ankunft im Wirtshaus hob alsbald der Brauttanz an. Dreimal tanzten Braut und Bräutigam nach den Klängen der Musik im Saale umher, während die Gäste zuschauten. Vor dem Hochzeitsessen hielt der Lehrer eine Rede und beglückwünschte das Brautpaar. Gegen Abend wurde eine zweite Mahlzeit eingenommen. Wurde die Braut „gestohlen“, dann mussten die beiden Brautführer die Braut auslösen, sie mussten den Dieben ein Lösegeld bezahlen, das sofort in Bier, Wein und ein gutes Essen umgesetzt wurde. Während des Nachmittags wurden verschiedene Spiele und Volkstänze aufgeführt, die leider größtenteils der Vergessenheit anheimfielen. Am Abend gingen diejenigen, die dem Brautpaar etwas schenken wollten, zur Hochzeit. Jedem Schenkenden wurde vom Brautpaar ein Wecken ausgehändigt. Gegen die zwölfte Stunde in der Nacht verließen Braut und Bräutigam die Wirtschaft. Ehe sie weggingen, nahmen die Brautführer der Braut das Brautkränzlein ab und sagen dabei:

Hopsa Lisele, d'Freud ist aus,
d's Kränzte ra und d's Häuble nauf!
D's Häuble wär jo so net so schwer,
wenn i no ledig wär!

Die Braut ging ohne Brautkranz in ihr neues Heim. Am anderen Tag brachten die Brautführer der Braut das Brautkränzchen in die Wohnung, wo beide gut bewirtet wurden. Sobald das Brautpaar die Wirtschaft verlassen hatte, durfte die Musik nicht mehr spielen; auch durfte nicht mehr getanzt werden, denn dies würde dem Brautpaar Unglück bringen, sagte man. Die Sitte, dass am Hochzeitstage die fünf Ärmsten der Gemeinde auf Kosten des Brautpaares mit einem Essen bedacht wurden, blieb lange Zeit erhalten. Auch war es früher üblich, die Brautleute mit Bettkissen zu beschenken, die den Tag über zu den Fenstern des Hochzeitssaales herausgehängt und abends mit Musik nach Hause gebracht wurden.

 

In Haus und Hof, Landwirtschaft.

Einbringung der Ernte. Früher war es Sitte, dass der Bauer mit allen Schnittern ein Gebet (Vaterunser) verrichtete, bevor man die Frucht schnitt. Ärmere Leute beschenkte man gerne mit einer Garbe. Zu dem Schnitter, der den letzten Halm auf dem Acker schnitt, sagte man: »Der hat Mockel«. Abends bekam dieser eine Dampfnudel mit nach Hause. Der erste Garbenwagen wurde bei der Einfahrt ins Dorf von den Geistlichen mit der Schuljugend und den Erwachsenen empfangen und nach Gesang, Gebet und Ansprache durchs Dorf geführt. Beim Einfahren des letzten Garbenwagens setzten sich die Schnitter auf denselben und stimmten fröhliche Lieder an. Ein mit bunten Papierstreifen geschmücktes Tännlein stand oben auf dem Wagen. Bei der Einfahrt in die Scheune wurde auch manchmal ein Lob- und Danklied gesungen. Nach beendigter Ernte lud der Bauer seine Schnitter zur Belohnung ihres Fleißes zur »Sichelhenket« ein. In manchen Häusern gestaltete sich dieselbe zu einem kleinen Fest. In der Mitte des Zimmers wurde ein mit farbigen Tüchern und sonstigem Beiwerk geschmücktes Tännlein aufgestellt. Waren alle Schnitter versammelt, so begann das Essen: Nudelsuppe, Rindfleisch mit Beilagen, Sauerkraut und Schweinefleisch. Dampfnudeln und Bier durften nie fehlen. Auch fröhliche Gesänge wurden angestimmt, und wenn die Ernte besonders reichlich war, ließ der Hausvater noch einen Musikanten kommen, der zum Tanz aufspielte. Bis spät in die Nacht hinein dauerte oft dieses Vergnügen. Zuletzt wurden die Schnitter ausbezahlt, und dann ging jeder, nachdem er sich noch ein Taschen- bzw. Kopftuch vom Baume genommen hatte, freudig nach Hause. Der Sichelhenket entsprach die Flegelhenket, zu der der Bauer die Drescher beim Ausdrusch des Eingeheimsten einlud.

Austreiben des Viehes auf die Weide. Früher wurde das Vieh auf die Weide getrieben, wo es von Mitte Mai bis Ende Oktober hinein den ganzen Tag über blieb. Selbst bei Nacht wurde manchmal geweidet, allerdings nur das Arbeitsvieh, das dann am Morgen wieder eingetrieben wurde. Die Zeit des Austriebs wurde von den dazu bestellten drei Hirten jeden Morgen durch Blasen bekanntgegeben. Jedem Stück Vieh wurde eine Schelle angehängt. Die Hirten waren meist arme Leute, welche von der Gemeinde im Armenhaus untergebracht wurden, weshalb dasselbe auch manchmal »Hirtenhaus« genannt wurde. Ihre Belohnung richtete sich nach der Stückzahl des ausgetriebenen Viehes. Von Zeit zu Zeit wurden sie von den Eigentümern des Viehes mit einem Geschenk bedacht. Am Pfingstmontag erhielten sie den sog. Pfingsttrunk (Bier und Schnaps). An diesem Tag wurde auch das Vieh besonders ausgezeichnet und mit Kränzen geschmückt zur Weide getrieben. Abends wurde es samt den Hirten von den ledigen Mädchen, welche alle weiße Schürzen trugen, abgeholt und unter Gesang in das Dorf geleitet. Die zwei reichsten Mädchen führten dabei die Hirten am Arm.

Kauf und Verkauf. Wurde irgendein Kauf oder Verkauf abgeschlossen, über den ein gerichtliches Erkenntnis erforderlich war, so fand in der Regel auf Kosten des Käufers bzw. des Verkäufers oder beider Teile ein sog. Leihtrunk statt. An diesem Leihtrunk nahmen außer den beteiligten Parteien auch die beim Abschluss des Kaufvertrages anwesenden Gemeinderatsmitglieder teil.

Knecht und Magd. Wer sich als Knecht oder Magd verdingte, erhielt ein »Haftgeld« in Höhe von zwei bis fünf Mark. Wurde aber aus irgendeinem Grund der Dienst nicht angetreten, so musste der doppelte Betrag des erhaltenen Haftgeldes an die Dienstherrschaft zurückerstattet werden.

Ausding. Die »Alten« bekamen ihren »Ausding«, der meistens in einem eigenen heizbaren Stübchen bestand. Zuweilen behielten sich die alten Bauern auch noch einige Äcker vor, welche der Sohn unentgeltlich anbauen und einheimsen musste. In den meisten Fällen hatten die »Jungen« verschiedene Lebensmittel wie Milch, Schmalz, Mehl, Eier, Fleisch usw. an die »Alten« zu liefern. Auch für Holz hatte der Sohn oder Tochtermann zu sorgen. Das Haus und das ganze Gut erbte in der Regel der älteste Sohn. Die jüngeren Brüder und die Schwestern erhielten ihr bestimmtes Heiratsgut in barem Geld, das bis zur Verheiratung auf dem Hause des älteren Bruders gegen Verzinsung stehen blieb. Ledige Schwestern durften bis zu ihrem Tode im elterlichen Hause bleiben.

Gänse- und Ziegenhirte. Für die hier in ziemlicher Anzahl gehaltenen Ziegen und Gänse wurde ein besonderer Hirte angestellt. Seine Belohnung richtete sich nach der Stückzahl seiner Herde.

Schäfer. Die Pachtschäfer hatten von Seiten der Pferchbesitzer Anspruch auf freie Verköstigung (vier Glas Bier eingeschlossen) und erhielten außerdem für jedes Verschlagen des Pferchs zwölf Pfennig.

 

So, das war’s jetzt über „Besondere Tage, Sitten und Gebräuche“. Und jetzt denkt mal nach, ob die Welt seitdem reicher oder ärmer geworden ist, ob uns etwas fehlt oder nicht.

 

Denn eines gilt immer, was weg isch, kommt nimmer.

Also schmeissa m’r net älles d’r Bronkel na, lasst uns einiges bewahren, was uns wichtig ist.

 

 

Wilfried „Billie Wichai“ Müller, Email: wichai@t-online.de, Mobil: 0171 2217 530, Frühlingstraße 2, 73447 Oberkochen oder Postfach 1328, 73444 Oberkochen

 

 
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