Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 705
 

Unsere Feuerwehren Teil 1 – Die Werkfeuerwehr Carl Zeiss

 

Leit- und andere Sprüche.

„Einer für alle – alle für einen“ (das wäre 2018 auch ein Motto für unsere Fußball-Nationalmannschaft gewesen, um einen Brand in unserer Fußball-Welt zu verhindern ☺). Der andere Leitspruch lautet: „Gott zur Ehr‘ – dem Nächsten zur Wehr“. Das können wir oft als Inschrift an alten „Spritzenhäusern“, also Feuerwehrhäusern lesen. Übrigens, der Spritzenhausplatz in Aalen heißt genau deshalb so, weil dort früher einmal die Feuerwehr ihr Zuhause hatte. Eines Tages fragte Gott die Steine, ob sie Feuerwehrleute werden wollten und da antworteten sie: „Nein, nein, dafür sind wir nicht hart genug“. Das ist eine gute Metapher um zu verstehen warum z.B. in den USA die „Fire-Worker“ solch einen tollen Ruf haben. „Überholen Sie uns ruhig, wir schneiden Sie raus“. Wer kennt diesen Spruch nicht und er verdeutlicht uns, dass die Wehren eben nicht nur Feuer löschen, sondern auch bei schweren Verkehrsunfällen ran müssen und nicht zuletzt deshalb ist dieser Job auch hart für die Psyche geworden.

St. Florian fährt voraus

 

Noch ein Wort zu St. Florian – dem Schutzpatron der Feuerwehrleute. Der heilige Florian (* 3. Jahrhundert; † 4. Mai 304 in Lauriacum, dem heutigen Lorch in Enns, Oberösterreich) war Offizier der römischen Armee und Oberbefehlshaber einer Einheit zur Feuerbekämpfung. Er wird in der katholischen und orthodoxen Kirche gleichermaßen verehrt. Sein katholischer Gedenktag ist der 4. Mai. Es handelt sich dabei um einen nicht gebotenen Gedenktag im Allgemeinen Römischen Kalender. Bei den Feuerwehren in Österreich und Bayern wird der Florianitag gefeiert

Kommen wir nun noch zum sog „Floriani-Prinzip“: „Heiliger Sankt Florian / Verschon mein Haus / Zünd andre an!“ Dieser scherzhafte, aber dennoch egoistische Spruch ist eine frühe Variante der Nimby-Position (not in my backyard) und bezeichnet die Verhaltensweise Bedrohungen nicht zu lösen, sondern auf andere zu verschieben. Statt zu helfen oder Vorkehrung zu treffen, soll die Gefahr abgewendet werden, indem es einen anderen treffen soll. Eine Einstellung, die mit dem Leben von Florian von Lorch wenig zu tun hat und tw. heute noch in der politischen Welt anzutreffen ist.

 

Die Wehren.

Es gibt natürlich nicht nur freiwillige Wehren, sondern auch Berufsfeuerwehren und Betriebsfeuerwehren sowie Werkfeuerwehren wie bei Carl Zeiss (ganz wichtig: ohne „s“ – also niemals Werksfeuerwehr – sonst bekommt man es mit Monika Trautwein zu tun). Ergänzend finden wir noch Pflichtfeuerwehren und Bundeswehrfeuerwehren.

 

Die Sirenen und ihre Tests.

Nicht nur Odysseus musste sich mit dem Reiz der Sirenen auf seiner Odyssee auseinandersetzen, auch wir in Oberkochen hatten unsere Sirenen. Leider keine liebreizenden Schönheiten sondern technische Einrichtungen. Eine auf dem alten Rathaus, eine auf dem Bergheim und eine bei Carl Zeiss. Diese wurde in regelmäßigen Abständen getestet – in meiner Erinnerung oft freitags und samstags. Bei der Dreißentalschule gab es, entgegen langläufiger Meinung, keine Sirene. Die Aufgabe des „Aufheulens“ übernahmen dort die Schüler, als Folge der körperlichen Betreuung von Lehrer, Pfarrer und Hausmeister ☺.

Nachfolgend betrachten wir unsere beiden Feuerwehren vor Ort, wobei die Ältere vorangehen darf.

 

Werkfeuerwehr Carl Zeiss 1900 bis heute

Für diesen Teil des Berichtes danke ich ausdrücklich Monika Trautwein und Uwe Palm von der Firma Carl Zeiss, die sich für mich sehr viel Zeit genommen haben, um mir ihre Werkfeuerwehr nahezubringen. Bei der Gelegenheit nutzten sie auch die einmalige Chance ihre Chronologie auf Vordermann zu bringen.

Märchen beginnen normalerweise mit den Worten: Es war einmal…..! Was jedoch im Jahr 1900 begann, war beileibe kein Märchen. Auf Anregung von Prof. Dr. Ernst Abbe wurde die Freiwillige Feuerwehr der Carl-Zeiss-Stiftung gegründet. Wie war damals die Situation?

Bereits im Jahre 1889 bildeten die Geschäftsangehörigen der Firma eine besondere Abteilung innerhalb der Städtischen Feuerwehr, unter der Führung von Meister Wiedemann, dessen Nachfolger dann Bauführer Müller wurde. Dem Wachstum der Firma und den in den Werkstätten gespeicherten Werte konnte der damalige Stand des Feuerwehrwesens in Jena nicht mehr genügen. Die Städtische Feuerwehr konnte nicht so schnell in den einzelnen Werken eingesetzt werden wie eine Werkfeuerwehr, die schnellste Brandbekämpfung an der richtigen Stelle mit den dafür bestens geeignetsten Mitteln gewährleisten konnte.

Am 25. Juli 1900 gab die Geschäftsleitung der Firma Carl Zeiss den Geschäftsangehörigen durch Anschlag bekannt, dass sie die Absicht habe, dem Feuerlöschwesen des Betriebes eine neue festere Organisation zu geben. Im Interesse der Ausbildung wurde eine 5- jährige Dienstzeit vorgeschlagen. Außerdem sollten die Feuerwehrmänner auf Kosten der Firma ausgerüstet werden, eine einheitliche Uniform erhalten und durch eine Zusatzversicherung geschützt werden. Im weiteren Verlauf der Vorbereitungen kam es zu einer Vereinbarung der beiden Firmen Carl Zeiss und Schott & Gen., dass beide Betriebe eine gemeinsame Stiftungswehr gründen wollen. Die Statuten wurden dann in der Generalversammlung am 23. Oktober 1900 angenommen.

Erster Kommandant wurde der damalige Bauführer Carl Müller auch „Brandmüller“ genannt. Er hat der Feuerwehr den Geist der Kameradschaft und der Freiwilligkeit eingeprägt. Die erste Feuerprobe hatte die Wehr außerhalb der Firma im Jahre 1902 zu bestehen. Dabei wurde aber auch der Wille zum Ausdruck gebracht, dass die Werkfeuerwehr nicht nur für die Belange der Firma einzutreten bereit war, sondern stets helfen wollte, wann immer sie gerufen wurde. Bereits im Jahre 1902 wurde die Stiftungsfeuerwehr in den Thüringer Feuerwehrverband aufgenommen und staatlich anerkannt. Nachdem sich die Firma bereiterklärt hatte, eine ständige Feuerwache einzuführen, wurde sie ab Dezember 1902 täglich nach Arbeitsschluss besetzt. Im Jahr 1905 wurde der Wehr durch die Geschäftsleitung die Selbständigkeit in allen Angelegenheiten des Dienstes und der Disziplin übertragen. Die damals aufgestellte Satzung hat bis zum heutigen Tage noch zum großen Teil ihre Gültigkeit behalten. Viele Entstehungsbrände, Großbrände in den Betrieben und der Stadt Jena wurden gemeinsam mit der Feuerwehr der Stadt Jena gemeistert. Unschätzbare Werte blieben dem Werk und der Stadt Jena somit erhalten. Prof. Dr. Ernst Abbe’s Weitblick bewährte sich auch hier.

Die Werkfeuerwehr bei einem dramatischen besonderen Einsatz

 

Zum 25-jährigen Jubiläum am 11. Oktober 1925 sprachen die Geschäftsleitungen von Zeiss und Schott der Freiwilligen Stiftungsfeuerwehr ihre Anerkennung aus, sie könne mit Recht stolz auf ihre Leistung sein. Landesbranddirektor Schröder von der Landesregierung Thüringen überreichte Branddirektor Carl Müller als erstem Träger das neu geschaffene Ehrenkreuz des Landes Thüringen. Die Festansprache hielt der damalige Geschäftsleiter Prof. Dr. Walter Bauersfeld, der Schöpfer des Planetariums. Im Laufe der Kriegsjahre von 1939 bis 1945 wurden von der Stamm-Mannschaft über 65 % zur Wehrmacht einberufen. Die Einsatzbereitschaft und die Schlagkraft der Wehr sicherzustellen war eine kaum lösbare Aufgabe. Was nützen die besten Geräte, wenn die gut ausgebildete Mannschaft fehlt. Allen Einberufungen zur Wehrmacht und den damit verbundenen sonstigen Schwierigkeiten zum Trotz gelang es immer wieder, Männer zu finden, welche die entsprechenden Lücken ausfüllten. Der Rest der Mannschaft – unterstützt von Zwangsarbeitern aus Belgien und den Niederlanden – leistete gemeinsam mit den Kameraden der Feuerwehr Jena in diesen Kriegsjahren fast Unmögliches für die Betriebe und die Stadt Jena. Dabei mussten bei Flieger-Voralarm erst einmal die Löschfahrzeuge aus Jena gefahren und im Wald versteckt werden.

Als dann im Jahre 1945 auf Befehl der Amerikaner die Geschäftsleitungen von Zeiss und Schott nach Heidenheim verlegt wurden, galt es, neu aufzubauen. Zeiss fand in Oberkochen und Schott später in Mainz eine neue Heimat – die Stiftungsfeuerwehren waren von nun an räumlich getrennt.

Bei der Firma Schott in Mainz begann im Jahre 1952 der Wiederaufbau der Werkfeuerwehr unter der Leitung von Oberbrandmeister Walter Zöllner, der im Jahre 1962 das Kommando an Brandmeister Erich Walter übergab. Von 1974 bis 1982 leitete Hauptbrandmeister Horst Frense die Wehr. Sein Nachfolger war Günther Kirschbaum. Von 1995 bis 31.05.2000 führte Ernst Häußer das Kommando. Ab 01.06.2000 bis 2007 übernahm Frank-Martin Thies, der 2007- 2014 an Arno Gellweiler übergab. Seit 2014 ist Manfred Zobel Kommandant.

Am 18. Oktober 1948 traf sich eine Gruppe Mitarbeiter, um den Brandschutz der eben erst eingerichteten Werkstätten und Arbeitsplätze der Firma OPTON GmbH auf freiwilliger Basis zu übernehmen. Mit geringen Mitteln und sehr einfacher Ausrüstung – zum Teil von der Firma Fritz Leitz übernommene Geräte – legten diese Freiwilligen den Grundstein zur heutigen Werkfeuerwehr und führten damit die Tradition der Werkfeuerwehr Carl Zeiss Jena fort.

1949 die ersten Bilder der Werkfeuerwehr Carl Zeiss

 

Gründungsmitglieder der Werkfeuerwehr ZEISS OPTON vom 21.07.1949 waren folgende engagierte tatkräftige Männer, an die wir gerne zurückdenken und die wir auch bei vielen anderen Gelegenheiten und im Vereinsleben kennenlernten:

Bruno Bergelt, Albert Bergen, Josef Blume, Anton Eichstedt, Heinrich Grabka, Rudolf Griesler, Rudolf Heinrich, Gerhard Hoffmann, Walter Kunath, Manfred Kunath, Johann Liebmann, Hans Müller, Erwin Neumann, Arno Neumann, Horst Nowaki, Wilhelm Öser, Paul Paap, Georg Pflauger, Johann Pröhl, Anton Richter, Rudolf Rose, Anton Schaupp, Otto Schaupp, Max Schulz und Kaspar Stark.

Dabei war es sicherlich nicht leicht für diese Truppe, unter dem Kommando von Kamerad Eichstedt, die ersten Tage und Wochen zu überstehen. Nach kurzer Zeit übernahm Kamerad Walter Kunath die Einsatzgruppe und konnte dank der Unterstützung der Geschäfts- und Betriebsleitung Geräte und Ausrüstung beschaffen. Dabei stand die Verstärkung der Mannschaft im Vordergrund. Der Erfolg blieb nicht aus, da ihr die Anerkennung als „anerkannte Werkfeuerwehr“ im Jahr 1949 ausgesprochen werden konnte.

In der Chronik sind immer wieder Hinweise auf gemeinsame Übungen mit der Freiwilligen Feuerwehr in Oberkochen zu finden. Mit diesen Übungen sollte das Zusammengehörigkeitsempfinden geweckt und gefördert werden. Auch wurde die Leistungsfähigkeit beider Wehren in gemeinsamem Wetteifer erhöht. Veranstaltungen auf Kreisebene rundeten das Bild ab.

Kurz gesagt, war und ist die Werkfeuerwehr immer bemüht und bereit, gemeinsam mit den Kameraden der Feuerwehr Oberkochen zu üben und zu helfen, zum Wohle der Stadt – ihrer Bürger – und zum Schutz der Mitarbeiter und der Arbeitsplätze von Carl Zeiss.

1955 Übung der Werkfeuerwehr Carl Zeiss

 

1955 Feuerwehrumzug Aalener Straße

 

1955 Die Werkfeuerwehr CZ feiert Jubiläum

 

Durch die erschwerten Umstände des Neuaufbaues bedingt, konnte das 1950 fällige Jubiläum erst im Jahre 1955 nachgefeiert werden. Die Festansprache hielt der damalige Geschäftsleiter Dr. Heinz Küppenbender. Er schloss mit den Worten: „Möge der Geist Prof. Dr. Ernst Abbe in dieser Wehr weiterleben zum Nutzen des Werkes und Oberkochens.“ Eine größere Abordnung der Werkfeuerwehr von Schott konnte an der Feier in Oberkochen teilnehmen.

Brandinspektor Walter Kunath leitete die Wehr bis April 1961, dann übernahm Oberbrandmeister Rudolf Funke die Führung der Wehr. Beide Kommandanten gehörten neben dem Kreisausschuss auch dem Ausschuss der Arbeitsgemeinschaft der Werkfeuerwehren Baden-Württemberg an.

Im Jahre 1959 konnte das erste Feuerwehreinsatzfahrzeug, ein „Borgward-LKW“, für die Summe von 1.000 DM erworben werden.

Wurden die Männer der Wehr bislang über Sirene alarmiert, so konnte im Jahr 1969 die erste Gruppe über Funkmeldeempfänger zum Einsatz gerufen werden. Zwischenzeitlich ist die stille Alarmierung Stand der Technik geworden. Die Wehr richtete erstmals im Jahre 1969 das Kreisfeuerwehrsportfest in Oberkochen aus. Seit 1971 ist die Wehr auch am Sprechfunkverkehr mit BOS - Funkgeräten beteiligt. Dadurch steht sie bei größeren Einsätzen wie aber auch bei Katastrophenschutz-Übungen dem Landkreis zur sofortigen Verfügung. In den Jahren 1972 bis 1974 trat eine Gruppe der Wehr bei den Leistungswettbewerben in Völkermarkt in Kärnten mit großem Erfolg an. Bei der am 27. September 1974 stattgefundenen Hauptübung wurde der langjährige Kommandant Hauptbrandmeister Rudolf Funke verabschiedet. Sein Nachfolger wurde Brandmeister Werner Prokoph. Bedingt durch den personellen Abbau im innerbetrieblichen Transport übernahm die Wehr ab 1975 den Winterdienst für das gesamte Zeiss-Areal einschließlich der über 2.000 Parkplätze. 1975 fanden in Mainz, wie aber auch in Oberkochen, die Feiern zum 75jährigen Bestehen der Stiftungsfeuerwehren statt. Dabei trafen sich auch erstmals die Mainzer Kameraden mit den Kameraden aus Völkermarkt in Oberkochen. Von 1976 an war Wehrleiter Werner Prokoph Mitglied des Ausschusses des Kreisfeuerwehrverbandes als Vertreter der Werkfeuerwehren und bis 1995 Ausschussmitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Werkfeuerwehren für Baden-Württemberg.

Aufgrund der Tatsache, dass immer weniger Brandschäden zu verzeichnen waren, jedoch die Anzahl der Hilfeleistungen entsprechend stieg, wurde 1979 zu den drei vorhandenen Löschfahrzeugen und des MTW ein Rüstwagen beschafft. Bereits im Jahre 1979 zeichnete sich die neue Ausbildungsverordnung für die Feuerwehren ab. Sofort wurden die entsprechenden Lehrgänge für Ausbilder an der Landesfeuerwehrschule belegt. Nur wer gut ausgebildet ist kann, im Schadensfalle qualifizierte Hilfe leisten. Der Durchbruch zur Gründung und zum Aufbau einer Löschgruppe für das Werk in Aalen kam erst, nachdem bedingt durch einen Kurzschluss das Kunststoffbrillenglaslager abbrannte und so ganz nebenbei ein Schaden von über 1 Mio. DM entstand. 1979 wurde das Feuerwehrgesetz für Baden-Württemberg geändert. Damit war es möglich, dass nun auch Frauen in die Feuerwehr aufgenommen werden konnten. Die erste Feuerwehrfrau im Ostalb-Kreis war unsere Soraya Mohring und leistete in der Aalener Gruppe bereits seit Dezember 1978 ihren Dienst.

1975 Jubiläum Werkfeuerwehr CZ mit den Herren Merz, Elmer und Prokoph

 

Kamerad Prokoph wurde ab 1981 vom Kreisfeuerwehrverband zum Ausbildungsleiter des Ostalbkreises bestellt und dieses Amt, wie aber auch das Amt des Stellvertretenden Verbandsvorsitzenden des Ostalbkreises hielt er von 1982 bis 1992 inne. Außerdem übernahm er die Funktion des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Werkfeuerwehren für Baden-Württemberg von 1988 bis zum Jahre 1995. Der Vorsitz in diesen Gremien brachte aber auch die Mitarbeit im Vorstand des Landesfeuerwehrverbandes, sowie im Deutschen Feuerwehrverband und im Werkfeuerwehrverband Deutschland e.V. mit sich. Diese Übernahme dieser Ämter wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht von Seiten des Unternehmens die entsprechende Einsicht und Nachsicht vorgelegen hätte. Hier wurde indirekt Öffentlichkeitsarbeit betrieben und dies bestimmt nicht zum Nachteil des Unternehmens. Einzig die Wehr hatte immer wieder darunter zu leiden, dass sie zum Vorzeigeobjekt wurde.

Gut eingelebt hatte sich die Wehr im Bau 7, sie musste nach einigen Geburtswehen im Jahre 1984 jedoch in den Bau 25 umziehen. 1986 wurde dann das erste wasserführende Fahrzeug – ein Tanklöschfahrzeug beschafft. Damit war der Fuhrpark auf dem neuesten Stand der Technik, da in den Rüstwagen auch noch ein 12,5 kvA Stromaggregat eingebaut wurde. Nun war auch Platz für den Unimog, unser Winterdienstfahrzeug. Es fand nicht nur seine Unterstellmöglichkeit bei der Feuerwehr, sondern auch die entsprechende Pflege.

Bereits vor der Wende bestand Kontakt zur Feuerwehr nach Jena, natürlich ganz inoffiziell und klammheimlich. Herbert Blumentritt, der seinen Bruder in Ochsenberg besuchte, packte die Gelegenheit beim Schopf und traf sich mit Kamerad Prokoph im Gerätehaus. Für den Kameraden Blumentritt war das ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen.

Auf Einladung der Kameraden aus Feldkirchen/Kärnten nahm am Österreichischen Bundesfeuerwehrtag in Feldkirchen eine starke Delegation beider Oberkochener Wehren teil. Dass die Kameradschaft auch über Länder- und Bundesgrenzen hinaus funktionieren kann, bewiesen die Kameraden aus Feldkirchen, indem sie unsere Wehr beim 100jährigen Geburtstagsfest 1989 von Carl Zeiss, mit 15 Mann über drei Tage hinweg tatkräftig bei der Arbeit unterstützten.

Im Dezember 1990 wurde die Werkfeuerwehr am Standort Jena ausgegliedert und die Berufsfeuerwehr Jena übernahm den abwehrenden Brandschutz. Am 25.03.1993 wurde die Altersabteilung der Werkfeuerwehr in Oberkochen mit 14 Kameraden der Altersgruppe gegründet. Der erste Obmann war Oberbrandmeister Willi Kircher. Zum 01.April 1997 wurde Kamerad Prokoph nach Anhörung der Kommandanten des Ostalbkreises vom Kreistag zum Kreisbrandmeister des Ostalbkreises bestellt. Eine sicherlich nicht alltägliche Geschichte in einer Werkfeuerwehr.

Die Kameraden der Aalener Gruppe mussten zur Abarbeitung ihrer Einsätze jahrelang mit dem Oldtimer LF 8 aus dem Jahre 1962 vorlieb nehmen. 1998 konnte es gegen ein Kleintanklöschfahrzeug ausgetauscht werden.

Nach fast 25 Jahren als Wehrführer übergab Hauptbrandmeister Werner Prokoph zum 1. April 1999 das Zepter in jüngere Hände und zwar an den gewählten Nachfolger Brandmeister Uwe Palm.

Im Jahre 2000 feierte die Werkfeuerwehr ihr 100jähriges Jubiläum. Bei der Jubiläumsfeier waren auch Abgesandte der Werkfeuerwehren Schott Glaswerke Mainz, Jenaer Glaswerke Schott und der Freiwilligen Feuerwehr Feldkirchen (Österreich) um am Festakt und der Ausstellung im Speisesaal teilzunehmen. Im Auftrag der Firma übergab Finanzvorstand Dr. Olaf Berlien mit Vorstandsmitglied Dr. Dieter Kurz der Wehr einen neuen Mannschaftstransportwagen „Mercedes Sprinter“ welcher speziell auf den Gefahrstoffbereich ausgerüstet war.

Nach 31 Dienstjahren wurde im Jahre 2001, das Löschfahrzeug Opel Blitz, Kennzeichen: AA-CZ 85 (Baujahr 1970), gegen ein wasserführendes Löschgruppenfahrzeug LF 8/6 ersetzt.

2002 fand der Spatenstich für das neue Werk des Geschäftsbereiches der SMT Semiconductor Manufacturing Technologies auf der grünen Wiese statt. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Aufgaben der Werkfeuerwehr vielfältiger. Das Werk wurde stetig erweitert, so dass auch an diesem Standort ein weiterer Unterstand für Einsatzfahrzeuge im Nebenbetriebsgebäude 1 mit zwei Stellplätzen und Umkleide erforderlich war und die Wehr dadurch zwischen Stammwerk und Südwerk aufgeteilt wurde.

Am 17.10.2005 hatte die Wehr im Stammwerk Bau 6/5 einen Großbrand mit Schadensausmaßen von ca. 40 Mio. € zu verbuchen. Dabei wurde die Wehr von den Freiwilligen Feuerwehren Oberkochen, Unterkochen und Aalen und der Werkfeuerwehr der Abteilung Aalen, der Sanitätsstaffel und des Roten Kreuzes mit insgesamt 160 Rettungskräften unterstützt.

Durch diesen Brand erkannte die Geschäftsleitung, dass die Einsatzbereitschaft nur durch neue Einsatzfahrzeuge verbessert werden konnte. Im Jahr 2006 wurden somit folgende Einsatzfahrzeuge neu beschafft: Kommandowagen, Hilfeleistungslöschfahrzeug und Gerätewagen Gefahrgut.

Da im interkommunalen Gewerbegebiet ständig weitere Gebäude der ZEISS Gruppe dazugekommen sind, wie 2013 Meditec, des 2015 SLZ, 2016 Parkhaus Südwerk und die stetige Erweiterung der SMT soll die Wehr im 2017 neugeplanten Nebenbetriebsgebäude 3 ein neues Gerätehaus mit drei Stellflächen spätestens im Jahre 2019/2020 erhalten.

Von 1949 bis 2019 wurden insgesamt über 3.850 Einsätze abgearbeitet. Um einen guten Ausbildungsstand halten zu können sind große Anstrengungen erforderlich. Da auch die Welt sich stetig weiterentwickelt, und auch die Einsatzgerätschaften immer vielseitiger, effektiver und komplexer werden, wird es immer schwieriger den Feuerwehrdienst mit ehrenamtlichen Firmenangehörigen, welche sich aus den verschiedenen Abteilungen der Unternehmensbereiche zu den Einsätzen aufmachen, zu bewältigen.

Fortsetzung folgt…

 

Mit „Wasser marsch“ grüßt Wilfried „Billie Wichai“ Müller vom Sonnenberg.

Wilfried „Billie Wichai“ Müller, Email: wichai@t-online.de, Mobil: 0171 2217 530, Frühlingstraße 2, 73447 Oberkochen oder Postfach 1328, 73444 Oberkochen

 

 
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