Oberkochener Bahnhof so alt wie Brenzbahn

Brenztalbahn zwischen Aalen und Ulm wird 150 Jahre alt – Oberkochener Bahnhof 1863 erbaut

Am 15. September wird die Brenztalbahn 150 Jahre alt. Stück für Stück ist sie gebaut worden. Ganze 28 Jahre lang. 1864 von Aalen nach Heidenheim und erst zwölf Jahre später nach Ulm.

Der Bahnhof Oberkochen so wie man ihn viele Jahrzehnte gekannt hat. Inzwischen ist das Gebäude umfangreich renoviert worden und beherbergt nun ein Asia-Restaurant. (Foto: Arichv)

1862 wurde mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Heidenheim-Aalen begonnen. In diesem Zusammenhang wurde auch Oberkochen ans Eisenbahnnetz angeschlossen. Bereits im Juli 1863 wurde die Strecke abgesteckt und schon ein Jahr später, am 13. September 1864, wurde sie feierlich eröffnet. 1872 begannen dann die Planungen zum Weiterbau der Brenztalbahn bis Ulm. Die Brenztalbahn ist noch heute eine wichtige Eisenbahnstrecke im Eisenbahnnetz Baden-Württembergs und bietet Anschlüsse an die großen süddeutschen Metropolen Stuttgart, Nürnberg und München. Um noch kürzere Anbindungen zu ermöglichen, müsse allerdings die Brenztalbahn zweigleisig ausgebaut und die Strecke elektrifiziert werden. Vor wenigen Monaten wurde eine „Interessengemeinschaft Brenztalbahn“ gegründet, der alle Anrainerkommunen beigetreten sind und die den Ausbau der Strecke zum Ziel hat. Auch die Stadt Oberkochen gehört dieser Interessengemeinschaft an.

Der Bau des Oberkochener Bahnhofs ist eng mit der Brenztalbahn verknüpft und wurde ebenfalls 1863 erbaut. Architekt war der bekannte Eisenbahn-Ingenieur Georg von Morlok, der alle Bahnhöfe auf der Brenztalbahn-Strecke zwischen Aalen und Ulm gebaut hat. Der von Morlok erbaute Oberkochener Bahnhof wurde im Laufe der Jahre mit einem größeren Wartesaal in nordöstlicher Richtung und einem Fahrdienstleiterraum in südwestlicher Richtung erweitert.

Fast 110 Jahre lang war das Bahnhofsgebäude eine Visitenkarte, die den Bahnreisenden, die nach Oberkochen kamen, einen positiven Eindruck vermittelte. 1972 wurde das architektonisch wertvolle Gebäude jedoch aus dem Denkmalschutz entlassen und mit Eternit-Platten verkleidet, um die Kosten für einen Außenputz zu sparen. Damit die Wandverkleidung passte, wurden auch Rundbogenfenster begradigt und die Sandsteinbrüstungen zwischen dem Erdgeschoss und dem Obergeschoss abgeschlagen. 2004 schließlich wurde die Fahrkartenausgabe geschlossen. Durch den Einbau moderner Stellwerktechnik hatte der Bahnhof quasi keine Funktion mehr.

Das Gebäude war somit für die Bahn entbehrlich geworden und dämmerte ungenutzt vor sich hin. Bemühungen der Stadt Oberkochen, den Bahnhof umzunutzen, schlugen zunächst fehl. „Dies lag vor allem an den komplizierten und langwierigen Verhandlungen mit der Bahn“, erinnerte sich Bürgermeister Peter Traub. Mit dem privaten Investor Franz Rank kam Bewegung in die Sache. Im engen Verbund mit Rank gelang es der Stadt, im November 2007 das Gebäude zu erwerben, um es wenige Minuten später an den Investor weiter zu veräußern. Dieses komplizierte Prozedere war notwendig, weil die Bahn bestimmte vertragliche Komponenten nur der Kommune einräumen konnte, nicht jedoch Privatpersonen. „Wie auch immer, der Verkauf an Franz Rank war ein Glücksfall“, so Bürgermeister Traub rückblickend.

2008 begann Rank mit dem aufwändigen und umfangreichen Umbau des Bahnhofsgebäudes, das jetzt wieder ein Schmuckstück darstellt. Nachdem es zunächst als Café und Bistro genutzt wurde, beherbergt jetzt ein asiatisches Restaurant.

Lothar Schell, Schwäbische Post

Lesen Sie auch »150 Jahre Brenztalbahn«

HVO-Bericht 1,     »Oberkochen 1876 - älteste Aufnahme«
HVO-Bericht 5,     »Bahnhofrestauration »Schell««
HVO-Bericht 106, »Vom Anfang der Eisenbahn in Oberkochen«
HVO-Bericht 141, »Etwas über die Oberkochener Bahnwärterhäuschen«
HVO-Bericht 177, »Fünf unbekannte Opfer, 1. April 1945 - Teil 1«
HVO-Bericht 178, »Fünf unbekannte Opfer, 1. April 1945 - Teil 2«
HVO-Bericht 181, »Fünf unbekannte Opfer, 1. April 1945 - Teil 3«
HVO-Bericht 205, »Oberkochener Phantom, eine Bedürfnisanstalt«
HVO-Bericht 206, »Oberkochener Dorfgeschichten - Teil 1«
HVO-Bericht 240, »Vor 50 Jahren: Das Kriegsende in Oberkochen«
HVO-Bericht 286, »Neues zum Luftangriff auf den KZ-Häftlingstransport beim Bahnhof Oberkochen am 1. April 1945«
HVO-Bericht 293, »Wie die Eisenbahn nach Oberkochen kam (Teil 1)«
HVO-Bericht 294, »Wie die Eisenbahn nach Oberkochen kam (Teil 2)«
HVO-Bericht 295, »Wie die Eisenbahn nach Oberkochen kam (Teil 3)«
HVO-Bericht 392, »1862 - Bahnlinie ohne Bahnhof Oberkochen«
HVO-Bericht 394, »Alliierte Luftaufnahme vom 8. April 1945«
HVO-Bericht 403, »Das Öffentliche WC ist da«
HVO-Bericht 475, »Bahnhof Oberkochen 1945«
HVO-Bericht 503, »Das „Kaffeewunder“ von 1945«
HVO-Bericht 537, »Daten zum Oberkochener Bahnhof«
HVO-Bericht 571, » 1. April 1945, Jabo-Überfall auf Häftlingstransport beim Oberkochener Bahnhof«

Außerdem Heimatbuch Seite 407 ff.

Sie können auch unsere homepageinterne Suchmaschine unter Punkt 19 aufrufen. Geben Sie dort das Wort »Bahnhof« ein.

 

 
zurück

[Home]