Dietrich („Didi“) Bantel ist Ehrenbürger von Oberkochen

Bürgermeister Peter Traub würdigt beim Festakt im Bürgersaal Bantels herausragende Persönlichkeit

„Aus dem Humanisten, dem Staatsbürger, Weltbürger, Bildungsbürger, Freibürger, politischen Bürger und Kulturbürger Dietrich Bantel wird heute die höchste Form des bürgerlichen Seins, nämlich der Ehrenbürger“, betonte Bürgermeister Peter Traub im Bürgersaal des Rathauses. Der Festakt wurde musikalisch umrahmt von der „Sinfonietta“ unter Leitung von Andreas Hug.

Dietrich Bantel (links) mit seinem Ehrenbürgerbrief, den ihm Bürgermeister Peter Traub überreichte. (Foto: ls)

„Ein richtiger Globetrotter“ sei „Didi“ Bantel schon immer gewesen, skizzierte Traub den Staatsbürger Bantel, der in den fünfziger Jahren mit dem Rad das europäische Ausland bereist „und binnen sieben Jahren mit einer Strecke von 40000 Kilometer eine komplette Weltumradelung hingelegt hat“, erklärte der Bürgermeister.

Bantel sei ein echter Weltbürger, ein Kosmopolit, von der Weltanschauung des Humanismus und der Aufklärung geprägt. Lehrer zu werden sei für den Bildungsbürger Bantel eine Überzeugungstat gewesen. Als er 1962 geradewegs von Stuttgart ans damals kleine Progymnasium nach Oberkochen gekommen ist, habe „die Weltgemeinde Oberkochen ganz gut zum Weltbürger und Humanisten D.B. gepasst und beide sind eine lebenslange Beziehung miteinander eingegangen“, erklärte der Laudator. Mit seiner Gattin Susi, die ihre bessere Hälfte in dessen schöpferischem Wirken tatkräftig unterstützt habe, sei eine ideale Beziehung entstanden.

Traub ging detailliert auf die kommunalpolitischen Verdienste Bantels ein, der als Freier Wähler und Mitglied der damaligen Bürgergemeinschaft 25 Jahre lang im Gemeinderat ehrenamtlich für die Stadt Oberkochen tätig war. „Der Freibürger D.B. ist in hohem Maße auch ein politischer Bürger“, so Bürgermeister Traub wörtlich. Die Vernetzung von Handeln und Gestalten sei für Bantel oberste Maxime gewesen.

Historiker aus Leidenschaft

„Sie haben die Geschichte Oberkochens Schritt für Schritt freigelegt“, würdigte Bürgermeister Traub den Kulturbürger Bantel, der seit vielen Jahrzehnten in Sachen Heimatforschung unterwegs sei, der Hand an den „Römerkeller“ und ans „Bilzhaus“ angelegt, das Heimatmuseum entwickelt und sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesdenkmalamts verdient gemacht habe. „Sie haben den Heimatbegriff im wahrsten Sinne des Wortes gelebt“, betonte der Bürgermeister. Die Stadt habe dies mit der Verleihung der Bürgermedaille bereits 1993 gewürdigt. Das Streben nach dem Idealen zeige sich auch in Bantels hohen künstlerischen Ansprüchen an Kunst und Musik. Namens des Gemeinderats überreichte Traub Dietrich Bantel die Ehrenbürgerurkunde. „Wir ehren heute eine herausragende Persönlichkeit dieser Stadt“, schloss Traub.

Dietrich Bantel sei der Kopf des Heimatvereins und er habe ein Heimatmuseum mit Vorzeigequalität geschaffen, meinte der erste Vorsitzende des Heimatvereins Karl Elmer in seinem Grußwort. „D.B. war und ist immer da, wenn er gebraucht wird und dies hat er binnen 45 Jahren ehrenamtlicher Arbeit für seine Stadt und viele Vereine unter Beweis gestellt“, setzte Elmer hinzu. Spätestens mit der Herausgabe des Heimatbuchs habe Bantel die Rede vom „geschichtslosen Oberkochen“ ad absurdum geführt. Auch gesundheitliche Handicaps in den letzten Jahren hätten den raslosen Schaffer und Denker nicht gebremst. Für die Freien Bürger Oberkochen gratulierte Fraktionsvorsitzender Dr. Klaus Holtz. Bantel war bereits 2002 zum Ehrenmitglied der FBO ernannt worden. Mit seinem unabhängigen Eintreten für die Gemeinschaft sei Bantel ein außerordentliches Vorbild, erklärte Dr. Holtz.

Bantel: „Dank an meine Susi“

„Am Ehrenbürger haben viele mitgearbeitet, die Hälfte aller Würdigung meines Schaffens allerdings gebührt meiner Susi“, meinte Dietrich Bantel in seinen Dankesworten. Seine Gattin habe ihn getragen, ertragen und gesteuert „und manchmal auch aus dem Dreck gezogen, wenn ich nicht merkte, dass ich drin steckte“, erklärte Bantel, der auch seinen kommunalpolitischen und schulischen Weggenossen dankte. „Frage nicht, was der Staat für mich tun kann, sondern frage, was ich für den Staat tun kann“, dieser Leitspruch habe ihn ein Leben lang geprägt. „Auch über die Musik und meine Geige sind lebenslange Freundschaften entstanden“, ließ der neue Ehrenbürger nicht außen vor.

Schließlich sei der Heimatverein „mein viertes Kind geworden.“ Am meisten allerdings hätten ihm die vielen außerschulischen Unternehmungen mit seinen Schülern gemacht. „Kontakte sind etwas Unbezahlbares, das läuft nicht übers Geld“, schloss Dietrich Bantel.

Lothar Schell, Schwäbische Post

 
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